Fischkopps Kolumne
10.04.2011

Bundesminister Ramsauer schürt Aggressionen

erstellt von Ulf Dietze
Autos auf Radweg

typisch Radfahrer: Stellen einfach die Wege anderer Verkehrsteilnehmer zu

Ein Bundesminister für Verkehr sollte für ein gutes Miteinander der Verkehrsteilnehmer werben. Wenn er für Aggressionen auf den Straßen sorgt, macht er etwas falsch.

Die Dekra befragte 1.600 Personen, die zur Hauptuntersuchung ihres Kraftfahrzeugs an eine DEKRA Niederlassung kamen. Davon gaben 42 Prozent an, oft Fahrrad zu fahren; 47 Prozent steigen »selten« aufs Rad und 5 Prozent überhaupt nicht.

Unter dieser bereits wenig repräsentativen Auswahl an Befragten meinten 77 Prozent, dass Radfahrer sich häufig über Verkehrsregeln hinwegsetzten. 56 % warfen Autofahrern vor, zu wenig Rücksicht auf Radfahrer zu nehmen.

Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit werden dann durchs Dorf gejagt: Ausbau des Fahrradnetzes, fest installierte Beleuchtungsanlage am Rad, Helmpflicht, intensivere Fahrradausbildung für Kinder und stärkeres Ahnden von Radlers Verkehrsverstößen. – Also alles kalter Kaffee, der zum überwiegenden Teil mit den realen Unfallursachen wenig bis gar nichts zu tun hat.

Nun ist es keine neue Erkenntnis sondern allgemein bekannt, dass Radfahrer sehr häufig Verkehrsregeln übertreten – da sind sie nunmal nicht besser als andere Verkehrsteilnehmer auch. Bekannt ist aus Untersuchungen aber auch, dass Regelverstöße von Radfahrern häufig nicht mit der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer verbunden sind. Oft geht es darum, einer schlecht oder gar nicht geregelten Infrastruktur zum Trotz heil und zügig ans Ziel zu kommen. Ein regelwidriges Verhalten ist häufig sicherer als ein regelkonformes. Das kann selbstverständlich kein rücksichtsloses Fahren entschuldigen. Aber man muss eben zwischen regelwidrig und rücksichtslos immer differenzieren, wenn man der Wahrheit näher kommen möchte.

Bundesminister für Aggression

Ein Bundesverkehrsminister hat viele Aufgaben. Aggressionen unter VerkehrsteilnehmerInnen zu schüren gehört nicht dazu. Der Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Peter Ramsauer, tut aber genau das. In einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung, das auf der oben genannten Befragung basiert, sagt er: »Offensichtlich müssen viele lernen, dass sie nicht die Robin Hoods der Straße sind«. Es dürfe sich keine »Ich-darf-das-Mentalität« einschleichen. »Der Begriff der Kampfradler macht bereits die Runde«, sagt Ramsauer und lässt damit den Begriff »Kampfradler« die Runde machen. Er zeigt sich dann auch noch »erschüttert« und fordert die Länder auf, »die Einhaltung der Regeln auch durch Fahrradfahrer streng zu kontrollieren«.

Dass ein Bundesminister aus der Mehrheitsmeinung einer Befragung von DEKRA-Kunden den Schluss zieht, hier sei etwas »offensichtlich« so und so zu regeln, spricht für völlige Unkenntniss des eigenen Fachgebiets. Kann dem Mann nicht mal jemand die Studien zum Beispiel der Bundesanstalt für Straßenwesen referieren? Diese sind weitaus differenzierter und legen dann auch ganz andere Schlüsse nahe.

Aus der Gruppe der Kraftfahrzeuglenker, die zur Dekrauntersuchung kamen und dort befragt wurden, sind bei der Saarbrücker Zeitung bereits ganz allgemein »Verkehrsteilnehmer« geworden. Welt online wird dann noch grundsätzlicher und dichtet um zu einer »Mehrheit der Deutschen«, die sich da geäußert hätten. So wird aus einer einfachen Befragung mit sehr geringer Aussagekraft eine hübsche Nachricht, die übliche Vorurteile bedient.

Wenn man eine Gruppe von Menschen erstmal als schlecht und minderwertig verunglimpft hat, Vorurteile und negative Emotionen geschürt hat und diese dann als allgemeiner Konsens in der Gesellschaft gelten, fällt es dem einzelnen leichter, dieser Gruppe Schaden zuzufügen. Für einige der aggressiven Szenen, die wir in den kommenden Wochen im Straßenverkehr erleben müssen, werden wir uns also beim Bundesminister für Verkehr, Peter Ramsauer, bedanken können.

WEITERE LINKS ZU RAMSAUERS KAMPFRHETORIK

heise.de
Nordsee-Zeitung
taz
Hamburger Morgenpost
Zeit online