Pressemitteilung
15.09.2005

Bundesweiter Fahrrad-Klimatest: Hamburg an letzter Stelle

erstellt von Stefan Warda

Beim Fahrrad-Klimatest von ADFC und BUND schneidet Hamburg sehr schlecht ab. Die Hansestadt landet unter 28 Großstädten auf dem letzten Platz und ist damit eindeutig fahrradunfreundlich. ADFC fordert Qualitätsmanagement und Kehrtwende für Hamburgs Verkehrspolitik

Über 26.000 Radfahrer beteiligten sich am Fahrrad-Klimatest von ADFC und BUND, allein 950 aus Hamburg. Das Ergebnis liegt nun vor: Deutschlands Großstädte sind fahrradfreundlicher geworden. Die Durchschnittsnote der Großstädte des Tests verbesserte sich gegenüber 2003 von 4,0 auf 3,72. Hamburg dagegen schwimmt gegen den Strom. Mit der Note 4,44 (sehr knapp ausreichend) hat Hamburg gerade eben die 5 verfehlt (2003: 4,2) und belegt den letzten Platz. Im Norden liegt Hamburg weit abgeschlagen hinter Kiel (2,82; 2003: 3,34), Hannover (3,00; 2003: 3,23) und Bremen (3,09; 2003: 3,09). Die großen Metropolen München (3,81; 2003: 4,02), Frankfurt (3,87; 2003: 4,26), Berlin (4,09; 2003: 4,23) und Köln (4,14; 2003: 4,27) haben alle ihr Ergebnis seit 2003 verbessert und liegen vor Hamburg, das damit im bundesweiten Vergleich der eindeutige Verlierer ist.

Die besten Einzelnoten gibt es in Hamburg für die Fahrradmitnahme im HVV (3,14) und geöffnete Einbahnstraßen (3,28). Besonders schlecht schneidet Hamburg ab beim Parken auf Radwegen (5,37), Führung an Baustellen (5,35), Radverkehrsförderung in den letzten Jahren (5,26) und Werbung für den Radverkehr (5,18). Auch den Zustand der Radwege sowie die Ampelschaltungen bewerten die Radler mit einer 5 vor dem Komma. Besonders schwer wiegt das Urteil der Radler zur Radverkehrsförderung: Unter den 28 Großstädten über 200.000 Einwohnern wird nirgends weniger fürs Radfahren geworben und wurde in den jüngster Zeit weniger für den Radverkehr getan als in Hamburg.

Seit 2003 hat sich das Sicherheitsgefühl um 0,5 Notenpunkte verschlechtert, Konflikte mit Kfz werden um 0,6 Notenpunkte, die Breite der Radwege und die Fahrradmitnahme im HVV wird um jeweils 0,7 Notenpunkte schlechter bewertet. Stefan Warda, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC, deutet die auffälligen Veränderungen zu 2003: »Der HVV führte das 3 Euro-Ticket ein, der Zustand der Radwege wurde wegen noch geringerer Unterhaltung schlechter. Die Konflikte mit dem Kfz-Verkehr vermehren sich durch die einseitige Verkehrspolitik des Senats. Schließlich scheint für den Senat Radfahren außerhalb von Grünanlagen keine Rolle mehr zu spielen.«

Der ADFC fordert eine Kehrtwende für Hamburgs Verkehrspolitik: »Hamburgs Radverkehr ist in der Krise: Kein Interesse am Radverkehr, fehlender Sachverstand, keine Konzepte, keine Mittel für Unterhalt und Investitionen. Ein funktionierender Radverkehr bedeutet mehr Lebensqualität. Wie sich mit einfachen, schnell wirksamen und kostengünstigen Maßnahmen die Radverkehrspolitik verbessern lässt, zeigt das Beispiel Kiel. Nach Methoden des modernen Qualitätsmanagements ließ Kiel seine Radverkehrspolitik zertifizieren und schaffte es, seinen Radverkehrsanteil seit 1988 von 8% auf 17% zu steigern. Viele Autofahrer sind dort aufs Fahrrad umgestiegen. Der ADFC fordert dringend für Hamburg ein Radverkehrsaudit, um die Krise zu bewältigen.«