Pressemitteilung, Verkehr
30.07.2014

Die wahren Unfallursachen im Radverkehr

erstellt von Merja Spott, Susanne Elfferding
Autofahrer biegt unachtsam ab.

Beim Abbiegen passieren die meisten Unfällen zwischen Kfz und Fahrrädern

Hauptursachen bei Unfällen mit Radfahrerbeteiligung sind unachtsames Abbiegen und Missachtung der Vorfahrt durch die Autofahrer. Verkehrsverstöße durch Radfahrer, sind nicht hauptsächlich Schuld für Unfälle mit Beteiligung von Radfahrer, auch wenn das leider häufig in Zeitungen und Polizeiberichten behauptet wird.

»Aufgrund der Masse und Geschwindigkeit der Kfz geht von ihnen eine besondere Gefährdung im Straßenverkehr aus, die gegenüber Radfahrern und Fußgängern zu besonderer Rücksichtnahme verpflichtet«, sagt Merja Spott vom ADFC Hamburg.

Die Polizei kontrolliert und fordert Radfahrende zur Einhaltung der Regeln auf, um deren Sicherheit zu erhöhen. In ihrer Pressemeldung zitiert die Polizei aber die eigene Statistik nicht korrekt. Die Hauptunfallursachen bei Unfällen mit Radfahrbeteiligung sind, so die Statistik, Verstöße von Autofahrern beim Abbiegen und beim Nichtbeachten der Vorfahrt der Radfahrer. Die Hamburger Polizei behauptet aber in ihrer Meldung vom 28. Juli, dass "Rotlichtmissachtung sowie das Befahren der falschen Radwegseite bzw. des Gehwegs" die "Hauptunfallursachen bei Unfällen mit Radfahrerbeteiligung" seien. Das aber trifft laut der polizeilichen Unfallstatistik nur auf Unfälle zu, die Radfahrende selbst verschuldet haben.

Die ganz überwiegende Zahl von Unfällen zwischen Radfahrenden und Autos werden zudem durch Autofahrer verschuldet. In 559 Fällen verursachten Autofahrer im Jahr 2011 in Hamburg einen Unfall mit einem Radfahrer, weil sie sich beim Abbiegen falsch verhielten. Demgegenüber haben im selben Jahr nur 224 Radfahrende einen Unfall verursacht, weil sie auf der falschen Seite fuhren. Es kam weiterhin in lediglich 118 Fällen zu einem Unfall, weil Radfahrende das Rotlicht missachteten, aber zu 346 Unfällen, weil Autofahrer den Radfahrern die Vorfahrt nahmen. »Die Tendenz ist deutlich - und um so erschreckender, weil bei den im Auto gut geschützten Fahrzeugführern das Verletzungsrisiko wesentlich geringer ist als für die Radfahrenden, die ohne Knautschzone auf der Straße sind«, so Spott.

Der ADFC ist nicht gegen Kontrollen von Radfahrenden, denn wer als Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt behandelt werden will, sollte sich allein schon zur eigenen Sicherheit an die Regeln halten. „Aber durch irreführende Meldungen zu Unfallursachen werde nur alte Vorurteile vom Rüpelradfahrer gepflegt“, kritisiert Spott. „Wir fordern, dass mindestens in gleichem Maße wie Radfahrer die Autofahrer kontrolliert werden, die beim Abbiegen den Radfahrern die Vorfahrt nehmen und ohne Schulterblick die Richtung wechseln«.

Eine derartige Kontrolle habe diesen Monat in Berlin stattgefunden. Dabei wurden 424 Fahrer gestoppt, die den Schulterblick unterlassen haben, in 281 Fällen war die Situation so eindeutig, dass eine Anzeige gerechtfertigt wäre. »Besonders wirksam war dabei, dass die Polizei den betroffenen Radfahrern die Gelegenheit gab, den Autofahrern zu schildern, wie sie die Situation erlebt haben.« Solche Aktionen seien vorbildlich und könnten die Sicherheit der Radfahrenden auch in Hamburg nachhaltig erhöhen, meint Spott.

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