Verkehr
18.12.2016

Durchsichtiges Manöver: CDU Wandsbek als Baumfreunde

erstellt von Ulf Dietze
Blick auf Autofronten, die mehrstreifig auf die Kreuzung zufahren. Links im Bild eine Radfahrerin auf dem Radfahrstreifen adfc hh/ulf dietze

Wer nimmt den Bäumen ihren Platz? Stadtbahnstraße neu: sechs Fahrstreifen für den Autoverkehr vor der Kreuzung mit der Saseler Chaussee.

Die Wandsbeker CDU-Bezirksfraktion stellt in der Bezirksversammlung einen Antrag zum Thema Bäume, der die Verlogenheit ihrer Verkehrspolitik offenbart.

Der Titel dieses Antrags mit Datum vom 15. Dezember 2016 lautet "Straßenbaumbestand in Wandsbek sichern". Wer aber vermutet, es ginge den Christdemokraten darum, Natur und Bäume in Wandsbek zu schützen, wird beim Weiterlesen eines Anderen belehrt.

Die CDU-Bezirkspolitiker behaupten zunächst: »Durch das von der Koalition [im Senat] vorangetriebene Radfahrkonzept werden immer häufiger völlig gesunde Bäume gefällt, um Platz für Radwege zu schaffen.« Als Beispiele für ihre These nennen sie die Bergstedter Chaussee, die auf Teilstrecken Radfahrstreifen erhalten soll, wobei eigentlicher Anlass der Maßnahme die Sanierung der Fahrbahn ist. Und sie nenen die Stadtbahnstraße, wo Radfahrstreifen bereits markiert sind – eingebettet in eine große Maßnahme zur Staubeseitigung und zur Erhöhung der Verkehrssicherheit des Autoverkehrs im Knoten Saseler Chaussee/Stadtbahnstraße.

Daran schließen die selbsternannten Baumschützer die Forderung an:

»Sofern Bäume im Rahmen von Maßnahmen des Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) gefällt werden müssen, sind bereits in der Planung die Standorte für die Ersatzpflanzungen zu benennen. Diese sollen grundsätzlich zeitnah und in unmittelbarer Umgebung nach gepflanzt werden.«

CDU: Bäume ja, aber bitte nicht auf Kosten von Parkplätzen!

Dann aber kommt die CDU zum Kern der Sache:

»Um den Parkplatzmangel nicht weiter zu verstärken, sind bestehende Straßennebenflächen wie z.B. Parkplätze von Neupflanzungen auszunehmen.“, heißt es weiter in dem Antrag.

Sobald also Parkplätze bedroht sein könnten, hört die Freundschaft der Christdemokraten zu den Bäumen auf. Was aber ist an ihrer These vom Ausbau des Radverkehrs auf Kosten des Baumbestands dran?

Auf der vorhandenen Fahrbahnfläche lässt sich Radverkehr grundsätzlich – auch in Wandsbek – auf verschiedene Arten unterbringen:

1. Fläche, die bislang dem Autoverkehr exklusiv zur Verfügung steht, wird umverteilt: Statt zwei Fahrstreifen pro Richtung gibt es dann noch einen pro Richtung für Autos und zusätzlich einen Radfahrstreifen. Beispiel Fuhlsbüttler Straße

2. Statt einer Fahrspur, die regelmäßig als Parkplatz für Autos dient, wird ein Radfahrstreifen markiert. Beispiel Wiesendamm

3. Statt Tempo 50 ordnet die Polizei Mischverkehr – Auto- und Radfahrer teilen sich dabei die Fahrbahnfläche – mit Höchstgeschwindigkeit 30 km/h an.

Alle diese Lösungen bieten hohe Verkehrssicherheit – ohne dass ein einziger Baum weichen müsste.

Mein Freund, der Baum?

Fordert die CDU in Wandsbek eine dieser Lösungen? Nein. Geht es nach dieser Fraktion, darf die dem Autoverkehr exklusiv zugeteilte Fläche nicht angetastet werden. Ihre Behauptung, es müssten »Bäume gefällt (werden), um Platz für Radwege zu schaffen«, soll daher nur das eigentliche Anliegen der christlich-demokratischen Verkehrspolitiker verschleiern: Weil von der Fläche, die dem Autoverkehr zur Verfügung steht, nichts abgegeben wird, müssen Bäume gefällt werden.

Mit anderen Worten: Die CDU tut zwar so, als seien ihr die Bäume wichtig. Aber wo sie stattdessen einen Parkplatz haben kann, nimmt sie lieber den. Bäume mögen wir nur dort, wo sie die freie Fahrt des Autos und das Autoparken nicht stören. Ginge es den Christdemokraten wirklich um den Erhalt und die Verbesserung des Stadtgrüns, ließe sich sehr wohl der eine oder andere Kfz-Parkplatz nutzen, um einen Baum zu pflanzen.

Zu Radfahrstreifen hat die CDU ohnehin ihre ganz spezielle Meinung. So lehnt sie u. a. die Umbauten im Wiesendamm, in der Fuhlsbüttler Straße, Bebelallee, Alte Landstraße, Stadtbahnstraße, Bergstedter Chaussee und Rolfinckstraße ab. Der Senat wolle damit nur »Staus und Verkehrschaos« produzieren.

An diesen Stellen offenbart die CDU in Hamburg ihr wahres Gesicht und ihre rückärtsgewandte, von ideologischen Verkehrskonzepten der 1970er-Jahre bestimmte Politik. Der moderne Radverkehr, der Wert von mehr Radverkehr für die Stadt, ihre Wirtschaft und für die Menschen, die in ihr wohnen, die Freude, die es Menschen macht, auf hochwertigen Wegen auch längere Strecken in der Stadt per Rad zurückzulegen – das ist alles noch nicht angekommen in dieser Autofahrerpartei.

In diesem Sinne, liebe CDU-Baumfreunde in Wandsbek: Frohe Weihnachten und einen Guten Rutsch ins Jahr 1972!

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