Fischkopps Kolumne
07.04.2012

»Es ist ganz simpel.«

erstellt von Ulf Dietze
Tankstelle und Osterhase. Benzin echt billig.

»noch viel zu billig«

Ja, ja, zu Ostern wird ganz fies an den Tankstellen abgezockt ... Die Pendlerpauschale muss rauf. Die Steuern müssen runter. Alles so bekannt wie Weihnachtskekse im Supermarkt ab September. Professor Monheim, was sagen Sie?

In einem Interview beim Deutschlandradio ordnet Professor Heiner Monheim, Verkehrswissenschaftler an der Uni Trier, die aktuelle Debatte um Pendlerpauschale und Treibstoffsteuer ein.

Er plädiert dafür, über den das eigene Verhalten nachzudenken, bevor nach dem Staat gerufen wird. Wer SUV fährt oder mit 160 km/h auf der Autobahn – satt verbrauchsoptimierter 80 - 100 km/h – , der dürfe sich nicht wundern. Auch sollten die Autofahrer öfter mal überlegen, ob sie ihren Weg nicht auch ohne Auto zurücklegen könnten.

In den letzten 15 Jahren sind die Treibstoffpreise bereits um 86 % gestiegen. Monheim ist sicher, dass diese Entwicklung in den kommenden Jahren weitergeht. Denn die Förderkosten sind heute bereits um ein Vielfaches höher als früher, die Nachfrage aus Indien oder China macht aus dem Öl ein noch umkämpfteres Gut und die Reserven sind endlich. »Wenn viele Leute Durst haben, dann wird das Zeug, was die alle trinken, immer teuerer. Ist doch logisch!«, meint Monheim.

Die verzweifelten Fragen des Redakteurs verraten, wie sehr ihm der Benzinpreis zu schaffen macht. Gerne würde er hören: Ja, es ist schon gemein mit den Benzinpreisen.

Aber das sagt Monheim eben nicht. Er hat stattdessen Antworten auf die drei üblichen Totschlagargumente aus Politik und Medien:

  • »arme Leute brauchen Auto, also muss Benzin billiger werden«
  • »die Leute auf dem Dorf sind auf Auto angewiesen, also muss Benzin billiger werden«
  • »alte Leute brauchen Auto, um mobil zu bleiben, also muss Benzin billiger werden«.

Monheim: Wir brauchen verantwortliche Verkehrspolitik gerade in ländlichen Regionen. Nur eine autoorientierte Republik muss aufschreien, wenn der Benzinpreis steigt. Alternativen wären vorhanden. Und: »Der Benzinpreis ist noch viel zu niedrig«.

Derzeit ist das knapp sechsminütige Interview noch als MP3 beim dradio zu hören.