Pressemitteilung
30.05.2007

Fahrradfrühling in Paris - Autofrühling in Hamburg

Paris will den Autoverkehr um 40% reduzieren, den Radverkehr bis 2020 um 400% erhöhen. Trotz Klimakatastrophe setzt Hamburg dagegen weiter auf den Ausbau des Autoverkehrs.

Die durchschnittliche Pkw-Reisegeschwindigkeit in Hamburgs Innenstadt betrug laut dem Verkehrsentwicklungsplan von 2000 vor acht Jahren 28 km/h, in Paris waren es lediglich 17 km/h. Hamburgs Politiker nahmen den verhältnismäßig günstigen Wert dennoch zum Anlass, den Autoverkehr kräftig zu fördern. Mit Grünpfeil, Tempo 60, Beseitigung von Busspuren, zusätzlichen Abbiegespuren für Autos an zahlreichen Kreuzungen, ärgerlichen Bettelampeln für Radfahrer und Fußgänger sowie der Umwandlung von vorhandenen Radwegen in Parkplätze wurde der Vorrang des Autoverkehrs weiter ausgebaut. Außerdem wurde seit 2001 durch systematische Entfernung von Pollern das Parken auf zahlreichen Geh- und Radwegen ermöglicht.

Paris löst die Verkehrs- und Klimaprobleme dagegen auf andere Art und Weise. Trotz der überall verstopften Straßen eröffnet die Seinemetropole eine Straßenbahnlinie und richtet zahlreiche weitere Busspuren sowie neue Radwege und Radfahrstreifen ein. Bis zum Jahr 2020 soll der Radverkehrsanteil um 400% erhöht werden, der öffentliche Verkehr soll bis 2013 um 20% zunehmen. CO2-Abgase im Straßenverkehr sollen um 25% und Verkehrsunfälle um 65% zurückgehen. Der Autoverkehr soll sogar um 40% reduziert werden.

Überall im Stadtgebiet werden verkehrsreiche Hauptstraßen neu aufgeteilt. Die Gehwege bleiben ausgesprochen breit, Raum für Radverkehrsanlagen oder Busspuren wird durch Aufgabe von Autofahrspuren geschaffen. Zusätzlich werden ab diesem Sommer den Bewohnern und Besuchern der Millionenstadt zur Erprobung der neuen Radwege 20.000 Citybikes zur Verfügung stehen.

Stefan Warda, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Hamburg: »Klimaschutz darf nicht beim Verkehr Halt machen. Ohne einen leistungsfähigen Radverkehr wird Hamburg seine Klimaschutzziele verfehlen. Bislang zeigt sich aber nicht, dass die Landesregierung das Fahrrad als gleichwertiges Alltagsverkehrsmittel betrachtet. Jede weitere Verbesserung des Autoverkehrsflusses in der Stadt benachteiligt zugleich die Radfahrer. Für einen leistungs- und konkurrenzfähigen Radverkehr jedoch muss die Stadt Zeitvorteile der Kfz an Kreuzungen opfern und Platz für breitere Radwege als die vorhandenen Schmalspurmodelle schaffen.«