Pressemitteilung, Verkehr
09.04.2015

Fahrradstadt geht anders!

erstellt von Dirk Lau
Langenhorner Chaussee heute

Langenhorner Chaussee heute

ADFC Hamburg kritisiert Radwegplanungen in der Langenhorner Chaussee

Die jetzt von der Verkehrsbehörde präsentierte Zwischenlösung für die Radfahrer- und Fußgängeranlagen in der Langenhorner Chaussee (Bezirk Nord) ist nach Ansicht des ADFC Hamburg ein Rückfall in die Zeit der autogerechten Stadt. Radfahrer und Fußgänger sollen dort nach Willen der Planer auf einen viel zu schmalen kombinierten Geh- und Radweg in den Seitenraum der Straße abgeschoben werden, damit die Autos weiter rasen können. »Ein ernüchterndes Resultat«, sagt Merja Spott, Referentin für Verkehr beim ADFC Hamburg. »Von der groß angekündigten Fahrradstadt Hamburg ist in Langenhorn nichts zu spüren«. Bei konkreten Interessenkonflikten entscheide sich die Verkehrsbehörde immer noch für den Autoverkehr und gegen die Bedürfnisse und die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer.

Eine Klage gegen die Benutzungspflicht des Radwegs in der Langenhorner Chaussee, der sich in einem unbenutzbaren Zustand befindet, hatte die Stadt zum Handeln gezwungen. Um Radwege zu bauen, die dem technischen Standard entsprechen, fehlt dort der Platz. Auf der Fahrbahn aber, behauptet die Behörde, sei es in der Langenhorner Chaussee angeblich zu gefährlich für Radfahrer. Deshalb sollen diese weiterhin gezwungen werden, sich mit den Fußgängern die Nebenflächen zu teilen. Einziger Unterschied zu vorher: Geh- und Radweg auf dem Bürgersteig werden jetzt nicht mehr getrennt, sondern jeder nimmt sich einfach den Platz, den er kriegen kann.

»Eine rückschrittliche und die Verkehrsteilnehmer gefährdende Planung – so wird Hamburg garantiert nicht zur Fahrradstadt«, kritisiert Spott. Gleichberechtigung im Straßenverkehr heiße vielmehr, dass Fußgänger die Gehwege für sich haben und Radfahrer dort fahren, wo sie laut Gesetz hingehören: auf der Fahrbahn. Der Verkehr insgesamt müsse so gestaltet werden, dass es für alle sicher ist. »Zum Beispiel mit Tempo 30 und Radfahrstreifen auf der Fahrbahn«, so Spott. »Anstatt die Chance zu nutzen den Straßenraum gerecht umzuverteilen, fällt die Stadt zurück in die Zeiten der autogerechten Stadt«.

Dabei wäre eine moderne und im Sinne der Fahrradstadt Hamburg gerechte Lösung in der Langenhorner Chaussee relativ einfach: Die überbreiten Fahrspuren bieten genügend Platz für die Anlage von Radfahrstreifen, wie sie sich in der Alsterkrugchaussee bereits bewährt haben. Die überbreite Fahrspur führt bislang nur zu riskanten Überholmanövern und platzraubendem Versetztfahren, womit sich die Autofahrer untereinander und auch andere gefährden. Eine geradlinige Fahrspur und ein Radfahrstreifen würden vielmehr für einen gleichmäßigeren, besseren Verkehrsfluss auch des Autoverkehrs sorgen. Und die Fußgänger hätten endlich den Platz, der ihnen zusteht.

Die Politik, aber auch die Polizei hatte sich für eine Lösung mit Radfahrstreifen ausgesprochen. »Nur die Verkehrsbehörde stellt sich quer und verschwendet lieber Geld für eine halbgare Zwischenlösung«, so Spott. »Die Kapitulation vor der autogerechten Stadt geht einmal mehr zu Lasten der Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer«. Der ADFC fordert, dass die Planung angepasst wird und die Langenhorner Chaussee Radfahrstreifen erhält.

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