Pressemitteilung
26.02.2001

Geschäftsleute der Schanzenstraße blockieren Gehweg und Radverkehr – Bezirksamt Mitte und Straßenverkehrsbehörden greifen über Jahre nicht ein

Geschäftsauslagen und Straßengastronomie nehmen von Jahr zu Jahr mehr und mehr Fläche auf den Gehwegen der Schanzenstraße ein. Nicht selten bleibt auf dem Fußweg nur noch eine Breite von 50 cm übrig. Fußgänger weichen dadurch unweigerlich auf den ohnehin nur 1,00 m breiten Radweg aus.

In aggressiver Weise nutzen Geschäftsleute den öffentlichen Raum für ihren wirtschaftlichen Vorteil. Einerseits lebt die Straße von den Auslagen und Straßengastronomie. Besonders im Sommer ist die Straße dann nicht nur Asphaltpiste, sondern auch Aufenthaltsraum für Menschen und Ort für Begegnung, so wie es sich Stadtplaner immer wünschen. Andererseits sind Radler verpflichtet, den nur 1,00 m breiten Radweg zu benutzen, der durch die sogenannten Sondernutzungen auf dem Gehweg zur dauerhaften Reservefläche für den Fußgängerverkehr wurde. Stellenweise gibt es sogar Geschäftsauslagen links vom Radweg, die Kunden dazu veranlassen, die Waren auf dem Radweg stehend auszusuchen. Dies ist gefährlich und daher ist diese Art der Warenausstellung auch verboten.

Laut örtlich zuständiger Straßenverkehrsbehörde soll eine durchgehende Gehwegbreite von 1,50 m zwischen Sondernutzungen und Radweg freigehalten werden. Das reicht aber nicht einmal für den Begegnungsfall zweier Personen mit Einkaufstaschen aus. Nicht selten bleiben an schönen Sommertagen den Fußgängern nur noch 50 cm Gehwegbreite zum Laufen. Fußgänger können nicht mehr aneinander vorbei gehen, selbst für eine einzelne Person mit Einkaufstaschen ist das zu wenig.

Der ADFC hat über fünf Jahre die Situation beobachtet und regelmäßig grobe Verstöße an verschiedene Behörden gemeldet. Eine Änderung ist nicht eingetreten. Nun wurde eine Eingabe bei der Bürgerschaft eingereicht, die bewirken soll, dass Radfahrer diesen Radweg nicht mehr benutzen müssen.

Der ADFC möchte über diesen Weg das besondere Flair der Schanzenstraße als attraktive Geschäftsstraße mit vielen über den Stadtteil hinaus beliebten Gastronomiebetrieben erhalten. Daneben soll aber auch den Fußgängern der ihnen zustehende Verkehrs- und Aufenthaltsraum auf den Nebenflächen wiedergegeben werden, Fußgänger vor Kollisionen mit Radlern geschützt und Drängeleien zwischen Fußgängern untereinander vermieden werden sowie auch der Radverkehr sicherer gestaltet werden. Dies ist möglich, wenn ein Streckentempo von 30 km/h in der Schanzenstraße eingerichtet wird. "Mit Tempo 30 würde die Schanzenstraße um einiges sicherer und attraktiver", so Stefan Warda, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Hamburg. "Der ADFC will nicht, dass die Schanzenstraße stirbt, aber Geschäftsinteressen und Autoverkehr dürfen nicht die Ansprüche und Sicherheitsbelange von Fußgängern und Radlern einschränken."