Verkehr
17.10.2012

Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht

erstellt von Johanna Drescher, Merja Spott, Dirk Lau

Eine Überleitung auf die Fahrbahn wäre hier mit vertretbaren Aufwand machbar.

Am Montag berichtete das Hamburger Abendblatt über den Rückbau des Radwegs am Billhorner Deich. Doch der Radweg ist nicht komplett entfernt worden, sondern endet abrupt. Die Behörde wurde zitiert, sie habe damit eine ADFC-freundliche

Lösung auf der Straße geschaffen. Unsere Stellungnahme.

Wo vorher ein alter, nicht benutzungspflichtiger Radweg war, ist jetzt eine Grünanlage. Dummerweise existiert der Radweg sowohl vor als auch nach dem Neubau weiter und endet jeweils abrupt. Im Abendblatt beschwerten sich Anwohner. Auf die Straße bzw. die Fahrbahn würden sie sich nicht trauen. Das Bezirksamt sieht laut Abendblatt anderswo dringenderen Handlungsbedarf und meint, letztlich komme man damit auch dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club entgegen, der sich für eine Aufhebung der Benutzungspflicht für Radwege stark mache.

Der ADFC begrüßt tatsächlich den Rückbau von alten, kaputten und unsicheren Radwegen. Stadt und Bezirk machen es sich aber viel zu leicht, wenn sie nur punktuell etwas wegnehmen, ohne sich um die weitere Führung oder Sicherheit des Radverkehrs zu kümmern.

So müssen immer auch die Anschlüsse berücksichtigt, der Weg von Einmündung zu Einmündung betrachtet und geeignete Lösungen gefunden werden. So hätte man im Billhorner Deich vor der Einmündung den Radweg mit geringem baulichen Aufwand und geringen Kosten auf die Fahrbahn führen können. Mit anderen Worten: Nicht einfach etwas abbauen und die Verkehrsteilnehmer ihrem Schicksal überlassen, sondern vernünftige und sichere Verkehrsanlagen und ­Verhältnisse insgesamt schaffen.

Dazu ergänzend wären je nach lokaler Situation flankierende Maßnahmen notwendig, um den Radfahrern, die sich auf der Fahrbahn unsicher fühlen, Sicherheit zu geben: Überwachung von Überholvorgängen, das Aufheben einiger Parkplätze (um Ausweichmöglichkeiten zu schaffen), Temporeduzierung für den Kfz-Verkehr bei unverträglichen Geschwindigkeiten, Anlage von Radfahrstreifen, Fahrradpiktogramme auf der Fahrbahn oder Ähnliches, Informationen für Anlieger und Nutzer der Wege etc.

Der ADFC hält es für inakzeptabel, wenn der Bezirk den Radweg zurückbaut und es dabei dann belässt, um dies dann auch noch als Erfüllung von politischen Forderungen zu verkaufen. Der ADFC wurde zu dieser Maßnahme vom Bezirk weder befragt noch konnte er Vorschläge zu einer zeitgemäßen, vernünftigen Verkehrsführung und Gesamtlösung machen. Offenbar kann (oder will) der Bezirk sein Handeln nicht aus eigener Kompetenz heraus begründen. Dem ADFC unter der Hand den schwarzen Peter für eine so oder so ungenügende Lösung zuzuschieben zu versuchen ist schlechter Stil.

ADFC-Position zu Radfahrstreifen und Radwegerückbau von 2009
Informationen zum Radfahren auf der Fahrbahn
Informationen zu den Nachteilen von Radwegen