Pressemitteilung
30.05.2005

Hafencity: Baubehörde zwingt Radfahrer zu gefährlichem Geisterradeln

erstellt von Stefan Warda

Geisterradeln kann tödlich sein - eine Verkehrssicherheitskampagne des ADFC Hamburg

Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt lässt am Sandtorkai neuen Radweg für Geisterradler bauen. ADFC fordert Baustopp und Umdenken in der Behörde.

Gerade noch wurde in der Hamburger Straße ein Geisterradler überrollt und getötet, Polizeipräsident Jantosch will nun härter gegen Geisterradler vorgehen, da baut die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) am Sandtorkai einen nagelneuen Radweg für den Zweirichtungsverkehr. Dort baut die Behörde nur einen Radweg auf der Südseite der Straße, den Radfahrer in beide Richtungen werden benutzen müssen. Fatal ist die besonders ungünstige Lage. Auf der Südseite reiht sich eine Tiefgaragenzufahrt neben der anderen am Radweg auf. Dies bedeutet viel Querverkehr. Aber gerade der Querverkehr bedeutet eine große Gefahr für Radfahrer, ganz besonders für Linksradler, die dann oft übersehen werden. So geschehen z. B. im Januar 2004 in der Karolinenstraße mit tödlichem Ausgang. Autofahrer blicken beim Einfahren auf die Fahrbahn meist noch nach links, aber nur äußerst selten nach rechts, der Richtung, aus der die Geisterradler kommen. Ungünstig ist zudem die Wahl grauer Betonsteine für den Radweg statt der sonst üblichen roten Steine. Aus Sicht der Autofahrer, die aus der Tiefgarage herausfahren, unterscheidet sich der Radweg kaum noch vom Gehweg.

»Polizeipräsident Jantosch bemängelt den "flexiblen Umgang der Radfahrer mit Verkehrsregeln". Wir bemängeln den flexiblen und allzu leichtfertigen Umgang der Behörden mit den Radlern. Was an der einen Stelle verboten ist und als gefährlich gebrandmarkt wird, wird an anderer Stelle behördlicherseits vorgeschrieben. Besonders in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt hat scheinbar niemand Kenntnisse von sicheren und funktionierenden Radwegen«, stellt Stefan Warda, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Hamburg, resigniert fest. »Im Radwegebau versagt die Baubehörde in letzter Zeit fast ausnahmslos. Ob Jungfernstieg oder Hafencity, Amtsstraße und Doberaner Weg am Rahlstedter Bahnhof, Moorstraße und Hannoversche Straße am Phoenix-Center, die Radwege taugen nichts. Oft sollen Radler auf der falschen Seite fahren und werden dadurch einem höheren Unfallrisiko ausgesetzt, oder die Radwege sind so ungünstig angelegt, dass Fußgänger sie permanent mitbenutzen. Und in Hamburg entscheiden in letzter Zeit allzu oft Designer über die Farbwahl der Radwege, anstelle sie verkehrssicher zu gestalten.«

Im Dezember wurden dem ADFC von der BSU und der Hafencity. In allen Hauptverkehrsstraßen sollen die berüchtigten einseitigen Zweirichtungsradwege angelegt werden, die zu erhöhten Unfällen führen und im Hamburger Polizeibericht als gefährlich eingestuft werden. Der ADFC fordert sofort ein Umdenken beim Hamburger Radwegebau. Der Verband verlangt erkennbare Radwege auf beiden Seiten der Fahrbahn, wo immer die Anlage von Radwegen wirklich notwendig sein sollte. Genau dies verlangt auch die Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung für Radwege in Städten und Dörfern zwingend. Die Hafencity darf nicht mit Radwegen nach dem Stand der Kenntnisse der 80er Jahre des letzen Jahrhunderts vermurkst werden.