Neues im ADFC, Reisen
26.02.2016

Interview mit Rolf Lüneberg

Rolf Lüneberg reiste mit seinem Rad durch 41 Länder. Auf der ADFC Radreise-Messe am 6.3. hält er einen Vortrag über seine Reise am Tarn entlang. Im Interview gibt er Tipps zur Radreise-Organisation, erklärt was die "Allee der Reiseradle" auf der Messe ist und berichtet von seinen Highlights.

Johanna: Rolf, Kannst du erklären, was die Allee der Reiseradler ist? Was ist das Besondere für den Besucher?

Rolf: Hier trifft der Messebesucher auf erfahrene Reiseradler, die mit Begeisterung ihre Er-"fahrungen" weitergeben. Der Besucher kann sich selbst ein Bild von der jeweiligen Fahrradausrüstung machen und sich von den Informationen zu den bereisten Regionen inspirieren lassen. Auf jede Frage rund um das Radreisen wird eingegangen, nicht nur zu den Reisezielen, sondern auch zu Fragen zu Fahrrad, Ausrüstung und Zubehör. Das Weitergeben von Erfahrungswerten ohne kommerzielle Hintergedanken macht sicher einen Teil des Erfolgs der 'Reiseradler-Allee' aus.

In den letzten Jahren wurde ich häufig um eine Empfehlung zu einem Radreiseziel gebeten. Das liegt sicher auch daran, dass ich inzwischen weite Teile Europas bereist habe. Ich freue mich immer, wenn dann im Jahr darauf ein positives Feedback zu den Empfehlungen kommt. Das Messe-Team des ADFC wählt jedes Jahr Radreisende mit unterschiedlichen Schwerpunkten aus. So ist von Deutschlandtouren über Reisen in ganz Europa bis zu weltweiten Reiseabenteuern für jeden etwas dabei.

Johanna: 2014 bist du mit dem Rad am Tarn entlang in Frankreich geradelt. Gibt es bei Radreisen in Frankreich Besonderheiten? Was war Dein persönliches Highlight?

Rolf: Ich halte auf der diesjährigen Radreisemesse des ADFC einen Vortrag über den Tarn, den ich im Zuge meiner Radreise von Lyon nach Barcelona besucht habe. Dieser Fluss in Südfrankreich eignet sich meiner Meinung nach besonders gut für eine Radreise, obwohl er nicht den Bekanntheitsgrad von Loire, Rhône oder Canal du Midi hat. Zum einen fließt der Tarn durch unbeschreiblich schöne Landschaft. Die sogenannte Tarnschlucht zu Beginn ist sicherlich das landschaftliche Highlight. Hier hat sich der Fluss bis zu 500m tief in die Kalksteinlandschaft gegraben, man fährt dort durch spektakuläre Gesteinsformationen und natürliche Felsentore. Ein weiterer Vorteil ist, dass man fast immer in Flussnähe fahren kann, und sich somit unnötige Höhenmeter erspart, obwohl man durch die Berge fährt. Schließlich gibt es auf der gesamten Strecke -zumindest außerhalb der Hochsaison- sehr wenig Verkehr. Durchgangs- und Schwerlastverkehr gibt es überhaupt nicht. In der unteren Hälfte des Tarn ist eine Fahrradroute auf kleinen Straßen und Wegen ausgeschildert.

Neben der herausragenden Natur gibt es auch Kultur und Architektur zu bestaunen. So zum Beispiel in Albi, der mittelalterlichen Stadt der Katharer, die auch Albigenser genannt wurden. Die Kathedrale von Albi, eine der größten Backsteinkirchen der Welt, wurde 2010 zusammen mit dem Bischofsviertel in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen. Bei Millau unterquert man das höchste Bauwerk Frankreichs, die architektonisch beeindruckende Autobahnbrücke 'Viaduc de Millau'.

Ich fahre immer wieder gerne in Frankreich, besonders im Süden des Landes. Das Land hat die wohl vielfältigste Geographie Europas: Unterschiedliche Küsten, Gebirge von Vulkanlandschaft im Zentralmassiv bis zu Hochgebirge in den Alpen. Es gibt unglaublich viele Kulturgüter zu bestaunen, von den Schlössern der Loire bis zu den Hinterlassenschaften der Römer im Süden des Landes. Das Radfahren ist sehr angenehm: Es gibt sehr viele gut ausgeschilderte Radrouten, etliche davon auf ehemaligen Bahnstrecken oder entlang der vielen Kanäle des Landes. Auch auf den Straßen geht es überwiegend stressfrei zu. Radfahrer werden akzeptiert (Tour de France sei Dank?) und man verhält sich nach dem Motto "Partageons la route" (lasst uns die Straße teilen).

Reiseradlern, die lieber die Berge meiden und trotzdem auf einer hochinteressanten, nahezu autoverkehrsfreien Route durch das Land fahren wollen, empfehle ich den Canal du Midi - Auch für mich eines der Highlights in Frankreich. 

Johanna: Was rätst du jemanden, der zum ersten Mal eine längere Radreise selbst organisiert?

Rolf: Zunächst einmal rate ich, einige Tage nicht allzu weit weg unterwegs zu sein, um festzustellen, ob einem diese Art des Reisens überhaupt liegt. Die Etappen sollte man so auslegen, dass man nicht am Ende seiner Kräfte ankommt, sondern im Bedarfsfall noch weiterfahren kann. Dies ist umso wichtiger, wenn man wie ich keine Unterkünfte vorbucht, und auch kein Zelt dabei hat.

Beim Packen empfiehlt es sich, bei jedem Gepäckstück zu hinterfragen, ob man es wirklich braucht, bzw. dabei haben möchte. Mit Funktionskleidung, die man nach dem 'Zwiebelprinzip' ggf. übereinander ziehen kann, lässt sich die Kleidung reduzieren. Allerdings ist das Empfinden zum Reisegepäck sehr unterschiedlich und richtet sich zum Teil auch nach den Bedingungen des Reiseziels.

Johanna: Welches deiner Reiseziele würdest du mit dem Rad noch mal bereisen wollen? Warum?

Rolf: Ich reise ja sehr viel durch Europa, daher ist die Frage nicht einfach. Neben Frankreich und dem Alpenraum habe ich aber ein Faible für Südosteuropa. Auf dem Balkan gibt es beeindruckende Landschaft, interessante Kultur und zudem kommt man leicht in Kontakt mit Einheimischen, denn Radreisende sind dort eher selten. Meine Reisen habe ich auf meiner Webseite www.rolfs-radreisen.de zusammengefasst. Über diese Seite komme ich auch immer wieder in Kontakt mit Gleichgesinnten und gebe gerne Tipps und Informationen weiter.

Das Interview führte Johanna Drescher, Leitung der Geschäftstelle beim ADFC Hamburg.

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