Verkehr
18.08.2015

Jungfernstieg: Blitzerampel reicht nicht

erstellt von ADFC Hamburg
die Mönckebergstraße 1977 (Foto: cc by 3.0, Ub12vow)

die Mönckebergstraße 1977 (Foto: cc by 3.0, Ub12vow)

Mönckebergstraße heute

Mönckebergstraße heute

ADFC kritisiert neuen »Teilzeit-Blitzer« am Jungfernstieg und fordert statt dessen autofreie Zone

Anfang August hat Hamburgs Polizei einen Blitzer am Jungfernstieg aufgestellt, um dort »PS-Prolls« und »Raser«, so die Lokalpresse, auszubremsen. Die Straße an der Binnenalster ist bekanntlich einer der beliebtesten Orte in der Hamburger Innenstadt. »Und diese zentrale Einkaufsstraße soll ja eigentlich zum Verweilen einladen«, findet Jens Deye, Leiter des Arbeitskreises Verkehr im ADFC Hamburg. Aber auch mit Blitzer mindert der lebhafte Autoverkehr die Aufenthaltsqualität erheblich: »Für die Verkehrssicherheit sind Blitzer notwendig, aber das reicht für den Jungfernstieg nicht«, so Deye. »Für vergleichbare Straßen und Boulevards werden anderswo moderne und innovative Lösungen umgesetzt: kein privater Autoverkehr mehr, sondern eine fußgänger- und radfahrerfreundliche Zone, wie zum Beispiel in der Exhibition Road in London«. Nur in den Nebenzeiten müssten solch belebte Straßen für den motorisierten Lieferverkehr geöffnet sein.

Gute Beispiele finden sich aber auch in Hamburg. Wer erinnert sich heute noch an die Mönckebergstraße in den 1980er-Jahren, als sie eine viel befahrene und zugeparkte Hauptverkehrsstraße war und daher immer unattraktiver wurde? Von der heutigen Lösung mit der Kommunaltrasse für Busse, Taxen und Radfahrer profitieren alle: Die Menschen, die hier einkaufen und flanieren, die Busse, die zügiger durchkommen und nicht zuletzt die Geschäfte. Denn da es jetzt so einfach ist, die Straße zu überqueren, haben sich die Kundenströme positiv verändert. »Eine derartige Lösung würde sich auch für den Jungfernstieg anbieten«, sagt Deye. »In Hamburg fehlt aber immer noch der Mut zur Veränderung. Im Rathaus wird zwar viel von der Fahrradstadt Hamburg gesprochen, aber in den Köpfen regiert dort immer noch das Auto«. Deye hält den neuen Blitzer für einen hilflosen Versuch der Stadt, den Autoverkehr an einem der attraktivsten Punkte der Innenstadt zumindest dazu zu bewegen, sich an Verkehrsregeln zu halten, damit keine Menschen gefährdet werden.

Grundsätzlich ist der ADFC der Auffassung, dass Hamburg mehr Blitzer braucht. Zurzeit gibt es lediglich 21 Stück im gesamten Stadtgebiet. Wie wichtig diese sind, zeigt die hohe Anzahl an Verstößen. Zum Beispiel in der Stresemannstraße, wo pro Jahr knapp 530.000 Euro durch das Gerät eingenommen werden. »Gefahren wird so schnell, weil die Polizei nicht konsequent kontrolliert«, sagt Deye. Mit Abkassieren habe das im Übrigen nichts zu tun »Dass sich bei den doch sehr niedrigen Bußgeldern etwa für Rotlichtverstöße in Deutschland diese Blitzanlagen so schnell rentieren, ist einfach nur traurig«, beklagt Deye die schlechte Verkehrsmoral von Hamburgs Autofahrern.