Pressemitteilung, Verkehr
10.02.2015

Klotzen statt kleckern – Londonize Hamburg!

erstellt von Merja Spott

Am Sonntag ist Wahl: Für die nächsten fünf Jahre werden dann die Weichen in Hamburg gestellt! Radverkehr war eines der wichtigsten, heiß umkämpften Themen im Wahlkampf. Aber wird Hamburg nach dem 15. Februar fahrradfreundlicher? Was tut sich in anderen europäischen Metropolen? Neidisch blicken Hamburgs Radfahrende nach London...

Olaf Scholz hat vor der Wahl versprochen, den „Radverkehr in Hamburg massiv ausbauen“ zu wollen. Vor wenigen Tagen legte sein Verkehrssenator ein Bike+Ride-Konzept vor, das eine Grundversorgung mit Fahrradabstellplätzen vorsieht – leider aber erst für 2025! Auch gibt es in Hamburg immer mehr Radfahrstreifen und Fahrradstraßen – leider aber nur ein paar km in einem knapp 1600 km umfassenden Verkehrsnetz. Was dagegen Entschlossenheit und Mut in der Verkehrspolitik bewirken können, sehen Hamburgs Radfahrende dieser Tage in London. „Verglichen mit der Vision von Londons Bürgermeister Boris Johnson hat Olaf Scholz bestenfalls ein Visiönchen,“ sagt Merja Spott, Referentin für Verkehr beim ADFC Hamburg. „In London wird nicht nur vorsichtig gekleckert, sondern mutig geklotzt."

In der britischen Metropole sollen nicht nur alle Akteure aus den Bezirken und Verwaltungen mit ins Boot geholt werden, auch die Finanzmittel für den Radverkehr sind beeindruckend: 930 Millionen Pfund, das sind rund 1,2 Milliarden Euro, will Johnson innerhalb der nächsten zehn Jahre investieren, um London fahrradfreundlich umzubauen. „Die 5 Millionen jährlich, die Hamburg für den Radverkehr in die Hand nehmen will, sind dagegen Peanuts“, so Spott. Sie empfiehlt Olaf Scholz, sich an seinem englischen Kollegen ein Vorbild zu nehmen.

Denn im traditionell autofreundlichen London hat man schon vor zehn Jahren erkannt, dass nur mutige Maßnahmen eine echte Verbesserung der Verkehrsklimas bringen. Der erste Erfolg war die Einführung der Citymaut im Jahr 2003. Der Verkehr in der Innenstadt wurde deutlich reduziert, Busse und Wirtschaftsverkehr stehen seitdem nicht mehr im Stau. Die Parkplatzsituation hat sich entspannt. Und die Zahl der Unfälle ist auch gesunken.

Das Fahrradprogramm von Boris Johnson will dem Autoverkehr weitere Flächen entziehen – sowohl in der Innenstadt als auch in den Wohngebieten. Stattdessen soll ein Pendlernetz entstehen, das den Radlern die Wahl lässt, ob sie mit dem Rad zur nächsten Haltestelle oder gleich in die Innenstadt fahren, ob sie lieber auf ruhigen Nebenstraßen unterwegs sind oder über Hauptrouten schnell ans Ziel kommen wollen. Das Ziel dieser Maßnahmen wird deutlich benannt: Weniger Staus, weniger Gedränge in der U-Bahn, bessere Luft und mehr Lebensqualität in der Metropole.

„Großbritannien ist genauso ein Autoland wie Deutschland. Aber in London knicken die Entscheidungsträger nicht vor Bewohnern ein, die auf ihren kostenlosen Parkplatz im öffentlichen Raum pochen. Und ganz wichtig: Das ganze Projekt wird von offensiver Öffentlichkeitsarbeit begleitet, die Lust aufs Radfahren macht. Denn wer wirklich etwas verändern will, muss Überzeugungsarbeit leisten“, sagt Spott.

Was dem ADFC Hamburg für die nächste Legislaturperiode wichtig ist, ist klar: Endlich ein durchgängiges Veloroutennetz, das diesen Namen verdient, Fahrradstraßen auf den Routen, auf denen bereits heute mehr Radler als Autos unterwegs sind und eine Parkraumbewirtschaftung innerhalb des Rings 2 sind nur einige dieser Punkte. Und wer noch nicht weiß, wo er am 15. Februar ihre Kreuze machen soll, dem hilft vielleicht unser
Wahlcheck der Hamburger Bürgerschaftsparteien

Die Fahrradvision von Boris Johnson im Video

Interview mit Olaf Scholz in der RadCity
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