Verkehr
01.02.2016

Lange Reihe: Gewerbetreibende freuen sich über die Neuaufteilung des Straßenraums

erstellt von ADFC Hamburg

Die umgebaute Straße "Lange Reihe" im Januar 2016.

Radfahrstreifen? Busbeschleunigung? Parkplätze? Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass Gewerbetreibende, Handelskammer und CDU derzeit bei Ankündigung von Umbaumaßnahmen des Straßenraums geradezu reflexartig Geschäftsaufgaben und zerstörte Existenzen heraufbeschwören. Aber ist das wirklich so? Die Lange Reihe zeigt, dass das Gegenteil der Fall ist: Die Geschäftsleute profitieren von Verkehrsberuhigungen.

»Die Straße ist schön geworden und die auf die Straße verlegten Bushaltestellen, die den Verkehrsfluss stoppen, haben zur Folge, dass der Durchgangsverkehr sich verlangsamt und abgenommen hat«, zitiert das Hamburger Wochenblatt in seiner Ausgabe für Sankt Georg den Geschäftsinhaber Carsten Peckmann von der Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden an der Langen Reihe. Und zwar als ausgesprochenes Lob über die Veränderungen, die die Umbauarbeiten für die Straße gebracht haben. Besonders freut ihn, dass die neuen Mittelinseln nicht nur das Parken in der zweiten Reihe  verhindern, sondern den Fußgängern das Überqueren der Straße erleichtern. Mit dem Umbau waren damals auch etliche Autoparkplätze weggefallen.

Hierbei handelt es sich durchaus nicht um einen Einzelfall. Beispiele genug gibt es auch in Hamburg. So waren es die Einzelhändler selbst, die seinerzeit auf eine Umgestaltung der Mönckebergstraße drängten, weil ihnen das in den 80er Jahren schick gewordene Passagenviertel den Rang ablief. In zwei Schritten wurde die Straße von einer mehrspurigen Durchgangsstraße mit beidseitigen Parkstreifen zum jetzigen Fußgängerparadies mit Bussen, Taxen und Fahrrädern umgebaut. Die Einzelhändler sind seit Langem zufrieden: Fußgänger können jederzeit und überall die Fahrbahn überqueren, wenn sie einen interessanten Laden entdecken. Und sie können auf den viel breiteren Gehwegen in Ruhe bummeln. Neben dem seit dem Umbau extrem gestiegenen Fußgängeraufkommen erfreut auch hier der bisher nie da gewesene Fußgänger-Querverkehr den Einzelhandel.

Aber auch zwischen Rathaus und Gänsemarkt tut sich was. Hier wurden die Straßen im Rahmen eines Business Improvement District (BID) umgestaltet, bei dem die Grundeigentümer und Gewerbetreibenden gemeinsam versuchen, die Straßen attraktiv zu gestalten. Nun mag man zur Teilprivatisierung von öffentlichem Raum stehen wie man will: Auffällig ist auf jeden Fall, dass an Straßen wie dem Neuen Wall, den Hohen Bleichen oder der Poststraße Fahrbahnen und Parkplätze verschwunden sind. Und das ganz ohne öffentlichen Aufschrei.

Solche Umgestaltungen führen natürlich auch zu einer höheren Attraktivität für den Radverkehr. Und davon profitiert wiederum der Einzelhandel: Radfahrer kaufen genau wie Fußgänger in ihren Stadtteilen ein. Von den geringen Umsätzen pro Einkauf sollte man sich aber nicht täuschen lassen, denn es handelt sich um eine treue und kaufkräftige Kundengruppe. Und nicht nur das: Fahrradkunden geben insgesamt mehr aus als Autokunden, die zum Discounter auf der grünen Wiese fahren.

Links dazu:
Deutsches Institut für Urbanistik (Difu) gGmbH (2011): Mit dem Fahrrad zum Einkaufen (1,0 MB, PDF)
BUND Berlin e. V. (2008): Einkaufen mit dem Rad: Radverkehr belebt das Geschäft - Empfehlungen für Handel und Verwaltung (0,8 MB, PDF)