Verkehr
20.07.2012

Mehr davon! (4) – RadlerInnen auf die Fahrbahn geleitet

erstellt von Ulf Dietze
August-Krogmann-Straße/Neusurenland: Zustand vor dem Umbau

vorher: Radweg verschwenkt, Radfahrer im Nichts zwischen Busbucht und Wartehäuschen verloren

August-Krogmann-Straße/Neusurenland: Aufleitung auf die Fahrbahn

neu: Aufleitung auf die Fahrbahn ...

August-Krogmann-Straße/Neusurenland: Radwegfurt

... weiter über die Furt über den Neusurenland und durch die Busbucht ...

August-Krogmann-Straße: Schutzstreifen läuft aus

... bis der Schutzstreifen einige zig Meter weiter endet

Neusurenland: Radweg zurückgebaut

Richtung östlichem Neusurenland: Zurückgebauter Radweg signalisiert: Radfahrer gehören auf die Fahrbahn

Die Kreuzung Neusurenland/August-Krogmann-Straße ist umgebaut.

Vorher:

Neusurenland und August-Krogmann-Straße besitzen nicht benutzungspflichtige Radwege. Wer auf dem Radweg fährt, wird über Verschwenkungen an die Fußgängerampeln geführt (Bild 1). Bei der Fahrt entlang der August-Krogmann-Straße in südlicher Richtung, ist nach dem Queren des Neusurenland die Fahrt zwischen Buswartehäuschen und Busbucht fortzusetzen, bevor sich ein Radweg anschließt.

Nachher:

Nun führt der Radweg in der August-Krogmann-Straße vor dem Knoten auf die Fahrbahn (Bild 2), als Schutzstreifen über den Knoten (Bild 3), über die jetzt mit Betonplatten gearbeitete Busbucht (Bild 4) und danach weiter auf die Fahrbahn. Dort endet dieser Schutzstreifen dann auf der Strecke (Bild 5). Der Radweg im Bereich der Bushaltestelle und weiter bis zur nächsten Einmündung ist komplett zurückgebaut.
Auch wer in den westlich gelegenen Teil des Neusurenland fährt, findet dort für die ersten 50 m nur noch einen Gehweg, da der Radweg baulich entfernt ist. Der Rest des alten Radwegs folgt erst dahinter (Bild 5).

Bewertung:

Eigentlicher Anlass für die Baumaßnahme war, dass die Busbucht erneuert werden musste. Üblich ist in solchen Fällen kleinräumiger Baumaßnahmen, dass der vorherige Zustand der Radverkehrsführung wieder hergestellt wird. Selbst wenn der Radweg als solcher in der Straße von Politik, Straßenverkehrsbehörde und dem ADFC als kritisch angesehen wird oder die Verkehrsführung im Knoten nicht heutigen Standards entspricht, wird das so gemacht. Dadurch verfestigt sich der Status Quo, denn auch bei der nächsten Baumaßnahme in der Straße wird wieder geguckt, was im Umfeld vorhanden ist und entsprechend wiederhergestellt. Man könnte die nächsten hundert Jahre so weitermachen und Geld für Fahrradinfrastruktur verwenden, die niemand für richtig hält.

Das wurde hier anders gemacht: An dieser Kreuzung ist nicht einfach nur die Busbucht erneuert und der Radweg wieder hergestellt worden. Die beteiligten Behörden haben es vielmehr geschafft, die Situation etwas weiträumiger zu betrachten und dafür die nötigen Mittel bereitzustellen. Sie haben dabei die Führung derjenigen Radfahrer verbessert, die sich entschieden haben, nicht die Fahrbahn zu benutzen, sondern auf dem Radweg an diesen Knoten heranzufahren. Die Verkehrsplaner zeigten aber durch Radwegrückbau und in der Fahrbahn auslaufenden Schutzstreifen deutlich, dass der Radverkehr grundsätzlich auf die Straße gehört.

Natürlich ist es nicht schwer, auch an der neuen Radverkehrsführung Kritik zu üben:
Die Aufleitung vom Radweg der nördlichen August-Krogmann-Straße auf die Fahrbahn zum Beispiel geschieht viel zu nah an der Kreuzung. Daher ist ein Einordnen zum direkten Linksabbiegen dort nur möglich, wenn von hinten weit und breit kein Auto kommt.

Gerade der nördlichere Teil der August-Krogmann-Straße ist zudem so breit, dass komfortabelste Radfahrstreifen oder Schutzstreifen Platz fänden und mehr RadfahrerInnen auf Fahrbahnniveau bringen könnten.

Da wir auch andere aktuelle Beispiele kennen, bei denen eben nicht dieser etwas umfassendere Blick auf den Knoten erfolgte, sondern lediglich die alte Situation wiederhergestellt wurde, sagen wir trotz der Kritik: mehr davon! Wo kleinräumige Baumaßnahmen anstehen, sollte immer auch die langfristig gewünschte Führungsform für den Radverkehr berücksichtigt werden – dies ist zumindest ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

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