Fischkopps Kolumne
03.07.2011

Norderstedt denkt eng

erstellt von Rolf Jungbluth, Ulf Dietze
Oststraße, Norderstedt

Radverkehrsplanung von gestern, Verschwenkung und benutzungspflicht für den Gehweg

Das gleiche auch nochmal von der anderen Seite

Das »Highlight« ist dann die Bushaltestelle mit ihrem Wartehäuschen.

Keine Chance, hier sicher zu fahren.

Radelnde in der Stadt nördlich von Hamburg müsen sehr geübt sein. Ohne Sichtbeziehungen und auf schmalstem Wege sollen sie im Zweirichtungsverkehr heil zum Ziel kommen. Mutig!

Die Oststraße (Norderstedt) hat auf ihrer Westseite einen Gehweg. Darauf befinden sich Fahrgastunterstände. Dieser Weg ist durch die Straßenverkehrsbehörde zu einem gemeinsamen Geh- und Radweg in beiden Fahrtrichtungen bestimmt worden. Radfahrende sind also (eigentlich) verpflichtet, auf dieser Verkehrsfläche zu fahren.

Nun ist zwischen Wartehäuschen und Bordstein aber nur ein Bereich von 64 cm frei. Man kann natürlich überhaupt nicht sehen, was sich gerade hinter der Werbefläche tut, wenn man da angeradelt kommt. Dass jemand unvermittelt hervortritt, ist jedenfalls nicht auszuschließen.

Lustig wird es durch den Zweirichtungsverkehr: Bei einer üblichen Lenkerbreite von rund 44 cm multipliziert mit zwei Fahrrädern, die sich begegnen, bergen die 64 cm Gesamtbreite ein erhebliches Risiko.

Davon abgesehen kann man RadfahrerInnen ohnehin nur empfehlen, nicht direkt am Bordstein oder am Wartehäuschen entlang zu fahren, weil ihnen sonst jede Möglichkeit genommen ist, auf Unvorhergesehenes rechtzeitig zu reagieren. Um den besonderen Gefahrenbereich direkt am Bordstein zu kennzeichnen, hat die Stadt dort weiße Gehwegplatten verlegen lassen. Rechnet man es so, bleiben sogar nur 14 cm Breite für den Zweirichtungsradweg: Das dürfte Weltrekord sein!

Nach geltendem Recht darf ein Weg wie dieser in der Oststraße nicht benutzungspflichtig sein. Der ADFC Norderstedt hat sich der Sache angenommen. Ein Widerspruch gegen diesen gemeinsamen Geh- und Radweg liegt bei der Stadt.