Verkehr
28.10.2016

Polizei-Aktion zum sogenannten Toten Winkel

erstellt von Amrey Depenau

Polizeiaktion zur Veranschaulichung des "toten Winkels" – einem Bereich, in dem der LKW-Fahrer u. U. nichts sieht.

Verkehrsteilnehmer für die Gefahrensituation sensibilisieren oder Opfern die Verantwortung für Unfälle zuschieben?

Nach mehreren schweren, auch tödlichen Unfällen in der letzten Zeit, bei denen LKW-Fahrer Radfahrer*innen "übersehen" hatten, reagierte die Polizei am Donnerstag, den 27.10., mit einer Infoveranstaltung in den Langen Mühren, direkt an der Mönckebergstraße. Laut der Einladung an die Journalisten sollten "Verkehrsteilnehmer für diese Gefahrensituation (den Toten Winkel) sensibilisiert werden und konkrete Tipps erhalten, um in Zukunft Unfälle zu vermeiden." In den sozialen Medien gab es im Vorfeld der Veranstaltung Unmut, da die Vermutung nahe lag, man wolle den Opfern die Verantwortung für die Unfälle zuschieben. 

Grund genug für den ADFC, sich an der Mönckebergstraße blicken zu lassen. RadCity-Redakteurin Amrey Depenau war pünktlich zu Beginn der Aktion um 11 Uhr da – und beileibe nicht die einzige Medienvertreterin. Das Hamburg Journal, NDR 90,3 und die Mopo waren bereits vor Ort und in angeregtem Austausch mit den Verantwortlichen der Polizei und interessierten Passanten. Mitglieder der Fahrradstaffel demonstrierten mit einem Fahrrad und bunten Applikationen auf dem Asphalt, in welchen Bereichen rund um einen LKW man als Radfahrende vom Fahrer nicht gesehen wird. Meistens jedenfalls. Oder wenn der LKW in die Furt hineingefahren ist. Oder so.

Es ergaben sich diverse Gespräche um die Verantwortlichkeit der Verkehrsteilnehmer*innen in einer solchen Situation. Nimmt man den Toten Winkel nämlich als Fakt hin, erteilt man dem LKW-Fahrenden eine Art Freibrief. Der hat ja Toten Winkel. Der kann ja die Radfahrerin gar nicht sehen. Und die muss das jetzt mal lernen, damit ihr nichts mehr passiert. Dass das so nun aber nicht gemeint war, darin waren sich alle Anwesenden einig. Polizeidirektor Ulf Schröder forderte im Gespräch mit 90,3 sogar den elektronischen Abbiegeassistenten als verpflichtend für alle LKWs – was der ADFC schon seit Jahren fordert.

Bis dieser Realität wird, könnten ja neben den Radfahrer*innen auch die LKW-Fahrer*innen einmal in einer Infoveranstaltung "sensibilisiert" werden, z. B. dafür, vor dem Abbiegen parallel zum Radweg stehen zu bleiben und aus dieser Perspektive über die korrekt vorhandenen und präzise eingestellten Außenspiegel in Ruhe zu checken, ob Radfahrende bzw. zu Fuß Gehende queren wollen. Die eine oder andere Polizeikontrolle, die dies überprüft, könnte dem Ganzen Nachdruck verleihen.

Weitere Informationen

Als wichtigste Unfallursache wird immer wieder der tote Winkel genannt. Unfälle sind vermeidbar – das Problem ist aber komplex. LKW-Unfälle und toter Winkel

Die RadCity-Redaktion begleitete einen Fahrer in der LKW-Fahrschule. Drei Stufen hinauf in eine andere Welt