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04.04.2015

RadCity 2/15

erstellt von RadCity-Redaktion
RadCity 2/2015

RadCity 2/2015

Im Heft: Carsharing, Fahrradklimatest, toter Winkel, Radfahrstreifen in der Fuhle uvm.

Inhalt

 

Interview: Carsharing
Geteiltes Auto, gutes Auto?

Verkehr: Fahrradklimatest 

Aktion: Fahrrad-Sternfahrt

Touren: Radtourenprogramm

Sicherheit: LKW und Radfahrer
Im toten Winkel

Verkehr: Fuhlsbüttler Straße
Was soll die Streifenmalerei

Information: Hamburg 2030 26
Anti-Stau-Mobil Fahrrad

Erfahrungsbericht: Liegedreirad
Sichtbarer als erwartet

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Editorial

»Bündnis für Radverkehr«

Kommt jetzt die »radikale Verkehrswende«?

»SPD setzt sich durch …«, »Grüne knicken wieder ein« – keine Stadtbahn, keine Umweltzone, keine City-Maut. Aber: Fahrrad! In den Koalitionsverhandlungen mit der SPD nach der Wahl vom 15. Februar scheinen die Grünen bislang nur an dieser Stelle wirklich gepunktet zu haben. Katharina Fegebank, wohl Hamburgs zukünftige Zweite Bürgermeisterin, verkaufte gegenüber dpa das mit der SPD vereinbarte »Bündnis für Radverkehr« und den Ausbau Hamburgs zur Fahrradstadt mit entsprechend starken Worten: »So haben wir mit der Verdoppelung des Radverkehrs auf 25 Prozent in den 2020er-Jahren eine radikale Verkehrswende verabredet. Ich glaube, vielen ist noch gar nicht klar, was das bedeutet.« Stimmt: Denn solange nicht mehr Details auf dem Tisch liegen, bleibt die Sache schwammig. Wie will Rot-Grün die Verdoppelung des Radverkehrsanteils erreichen? Und bis wann jetzt genau? Wer gehört zum Bündnis? Was versteht Fegebank unter »radikal«? Programme aufzustellen, die gern auch wieder in der Schublade verschwinden, gehört zum Politikalltag. Gerade in der vagen Zeitangabe spiegelt sich zudem das Versagen des letzten SPD-Senats wider, der die »Radverkehrsstrategie für Hamburg« von 2008, die den Radverkehr bis 2015 auf 18 Prozent verdoppeln sollte, erst ignoriert und schließlich kassiert hatte.

Weniges nur ist bislang bekannt: Die Velorouten sollen jetzt, man höre und staune, rasch fertig gebaut werden. Schön! Zu hören war diese Ansage aus dem Rathaus freilich auch schon vor der Wahl. Hamburgs Veloroutenkonzept ist zudem in die Jahre gekommen und müsste zunächst mal auf den Prüfstand. Auch der angekündigte Bau von sieben Radschnellwegen nach dem Vorbild des Wilhelmsburger »Loop« klingt toll – wenn man die Radschnellwege nicht wie beim Loop verkehrsrechtlich überwiegend als Gehweg ausweist. Zu begrüßen ist, dass künftig deutlich mehr städtisches Personal für den Radverkehr tätig sein soll. Eine längst überfällige Entscheidung, war Radverkehrsförderung jahrzehntelang doch eher eine Ein-Mann-Veranstaltung in der Millionenstadt Hamburg. Aber egal, wer regiert: Die Verkehrswende muss, soll sie wirklich klappen, alle Bereiche der Verwaltung erfassen – von der Polizei, über die Bezirke bis hin zu den Landesbetrieben, die für den Straßenbau zuständig sind. Das schönste Fahrrad-Bündnis ist nichts wert, solange die Verwaltung den Bau von Radfahrstreifen auf Hauptstraßen und die Vorfahrt von Velorouten an Kreuzungen mit Hinweis auf den Kfz-Verkehrsfluss verhindert.

Es bleibt der Verdacht, dass die Grünen wichtige verkehrs- und umweltpolitische Positionen wie die Stadtbahn oder die Beachtung der EU-Luftreinhaltungsgesetze geräumt haben, nur um im Gegenzug mit dem »massiven Ausbau des Radverkehrs« etwas zu bekommen, das sich Olaf Scholz ohnehin auf die Fahnen geschrieben hatte. Aber kann eine »radikale Verkehrswende« mit diesem SPD-Bürgermeister gelingen? Der weihte als erste Amtshandlung nach der Wahl das neue Verkaufszentrum eines großen Sportwagenherstellers in Hamburg ein. Fängt ja gut an.

Dirk Lau