RadCity, Verkehr, Rund ums Rad, Termine, Neues im ADFC
07.08.2015

RadCity 4/15

erstellt von RadCity-Redaktion
RadCity 4/2015

RadCity 4/2015

Im Heft: Interview mit Senator Horch, Verkehrserziehung in Wilhelmsburg, neue Ampeln für Radfahrende uvm.

Inhalt

 

Interview: Verkehrssenator Frank Horch  
»Der Weg zu einem gerecht verteilten Verkehrsraum ist noch lang.«

aktiv werden: Kreative gesucht
ADFC Radreise-Messe

Wilhelmsburg: Das Gesetz der Straße begreifen
Kinder müssen Verkehrsregeln meistern – trotz schlechter Vorbilder

Kreuzung Maienweg/Ratsmühlendamm/Maienweg 
Ampeln: Neue »Startsignale« für Linksabbieger

ADFC: Landesversammlung
Einladung und Anträge

Information: Hamburg 2030 
Wirtschaftsfaktor Fahrrad

Verkehr: Durchwachsene Roadshow
Radfahrt mit der Verkehrsbehörde

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Editorial

Ideologische Verkehrspolitiker

Muss sich Hamburg Sorgen machen um seinen jüngsten Ehrenbürger, den Unternehmer Klaus-Michael Kühne? Er habe »Angst, was noch passiert«, und halte das vom Senat ausgerufene Ziel der »Fahrradstadt« für monströs und falsch, vertraute er dem Abendblatt an. Der Chef des »Logistikdienstleisters Kühne & Nagel und Anteilseigner der HSV Fußball AG« (wikipedia.de) lebt zwar seit 1975 am Zürichsee, seine Sorge gilt aber den Hamburgern, die »in Zukunft alles mit dem Fahrrad erledigen« sollen. Die »einseitige Politik zugunsten des Fahrrads« hält der inzwischen fast 80-jährige Spediteur für einen »Schildbürgerstreich«. Als Beispiel nennt er den Umbau des Harvestehuder Wegs: »Da haben wir jetzt eine Fahrradstraße neben einem Fahrradweg. Das nützt keinem, sondern macht es für alle gefährlicher. Das ärgert mich auch persönlich. Wir bauen an der Alster unser Hotel, und wenn unsere Gäste vom Flughafen kommen werden, müssen sie da durch.«

Nun glänzte Herr Kühne als Verkehrsexperte bislang nur durch seine in den 1950er-Jahren geborene Geschäftsidee, ganz viele Lkw auf die Straße zu bringen. Warum ihn also ernst nehmen? Weil sich Kühnes Glaube, für die Wirtschaft sei »immer noch das Auto von entscheidender Bedeutung«, auch bei Handelskammer, Senat und nicht zuletzt bei Olaf Scholz wiederfindet. Hamburgs Bürgermeister beteuert gern, er sei gegen »jede ideologische Verkehrspolitik«: »Wer gerne Auto fährt, soll das immer tun, wer gern Fahrrad fährt, soll das auch gern tun können«, so Scholz im NDR. Er wolle die Attraktivität aller Verkehrsarten in Hamburg erhöhen, also auch die der privaten Autonutzung. Wie das bei dem »begrenzten Straßenraum«, den sein Verkehrssenator Frank Horch im Interview konstatiert (S. 6–10), klappen soll, weiß aber niemand im Hamburger Rathaus.

Unbeeindruckt von der Haltung des Bürgermeisters betreibt Hamburgs Autolobby »ideologische Verkehrspolitik«, wie am Beispiel der Straße Rugenfeld in Osdorf zu beobachten ist. Dort macht die Handelskammer im Verein mit Bezirkspolitikern von CDU und SPD und Ex-Senatoren Stimmung gegen den von Horchs Behörde geplanten Radfahrstreifen: Die vierspurige Fahrbahn müsse exklusiv für den Kfz-Verkehr reserviert bleiben. Warum? Weil dort in Zukunft mehr Autos fahren würden … Dass andere Metropolen Europas aufs Rad setzen, weil sich nur so bei der fortschreitenden Verdichtung der Städte ein Verkehrskollaps vermeiden und eine attraktive und lebenswerte Stadt gestalten lässt, interessiert diese »Experten« nicht. Auch nicht, dass ein gut ausgebauter Radverkehr im Wettbewerb der europäischen Großstädte längst als Standortvorteil gilt, weil sich dank der höheren Lebensqualität innovative Unternehmen mit jungen, hochqualifizierten Mitarbeitern ansiedeln.

Dirk Lau