RadCity
03.10.2013

RadCity 5/2013

erstellt von RadCity-Redaktion
Mitgliederzeitschrift des ADFC Hamburg: RadCity 5/2013

RadCity 5/2013

Eine Kirchentagsnachlese, die letzte Etappe nach St. Petersburg, neues von den Velorouten und beklagenswerte Einbahnstraßen – manch ein Thema begleitet uns schon länger. Gut, dass da auch noch die Radtour mit Kindern ist und der Bericht vom ADFC-Jugend-Fahrrad-Festival.

The Sound of Cycling – Velo-city in Wien (noch nicht online)
Soviel du brauchst – Fahrradfreundlicher Kirchentag
Am Ziel – letzte Etappe nach St. Petersburg
Was Neues im Osten! Veloroute 8 im Thörls Park
Wir wollen da rein – Weitere Einbahnstraßen öffnen!
Arte susteMobile – Kunstausstellung zum Thema Nachhaltigkeit
Entdeckertour für Kinder – Kirchwerder bis Rothenburgsort
Frühaufsteher – auf dem ADFC-Jugend-Fahrrad-Festival
Immer wieder Sonntags – Bericht von der Landesversammlung

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Editorial
»Eine ganz wichtige Form der Fortbewegung«

Hamburgs Erster Bürgermeister lud zum »Fahrradgipfel« ins Rathaus. Olaf Scholz, so las man, wollte mit den sieben Bezirksamtsleitern, die sich in Kopenhagen schlau gemacht hatten, was eine Fahrradstadt ist, »Möglichkeiten einer neuen Radverkehrspolitik für Hamburg« erörtern. Prompt stritten sich die Bezirkscheffs aufs Schönste, wer von ihnen am meisten gelernt hatte. Die Hamburger Politik müsse das Thema völlig neu denken, wurde ein Teilnehmer der Kopenhagen-Reise zitiert. »Wir brauchen eine Veränderung der Haltung zum Radverkehr«, triumphierte Andy Grote aus Mitte – nach einer flotten Proberunde auf dem neuen Radschnellweg in Wilhelmsburg, den alle »Loop« nennen, ohne zu wissen, warum. Thorsten Sevecke, Grotes Kollege in Eimsbüttel, versprach gar sieben Millionen Euro auszugeben, um die Radwege auf die (Oster-)straße zu verlegen, damit dort auch Menschen ohne Auto sicher shoppen könnten. Und Scholz selbst will neue Radfahrstreifen auf die Fahrbahn von 40 Hauptverkehrsstraßen malen. Bis 2050? Nein, schon 2014.

Bundeskanzlerin Angela Merkel konnte dazu im Wahlkampf natürlich nicht schweigen. Das Radfahren sei, teilte sie auf der Euro-Bike mit, »an sich eine ganz wichtige Form der Fortbewegung«. In Berlin – der Hauptstadt! – würden »viele Besichtigungstouren inzwischen per Fahrrad« stattfinden. Das eigene Auto dagegen könne man getrost »an irgendeinem Parkplatz abstellen – vielleicht am Stadtrand – und dann das Fahrrad nutzen«. Fühlt sich so etwa die Verkehrswende an? Vielleicht. Verkehrssenator Horch warnte noch, Hamburg dürfe niemals Freiburg werden, wo alles und jeder Fahrrad fahre. Vergebens. Nur ein paar Tage nach Merkels Rede und 80 Jahre nach der NS–Machtübernahme hob die Freie und Hansestadt die Garagenverordnung Hitlers auf, der jeden, der eine Wohnung baut, auch zu einem Stellplatz für sein Auto verpflichtet hatte. Wer Hamburgs fahrradfreundlichster Bezirk wird, bleibt dabei spannend. Eine aber hat schon gewonnen: Merkel konnte sich dem staunenden Zweiradvolk als »Radkanzlerin« präsentieren. Zwei Wochen später war sie dann wieder die Autokanzlerin, die auf der IAA für elektrobetriebene Blechkisten kämpft, während nebenan dem PS-Wahn gehuldigt wurde. Man kennt sie.

Dirk Lau, stellvertretender Landesvorsitzender des ADFC Hamburg