RadCity
29.11.2013

RadCity 6/2013

erstellt von RadCity-Redaktion
Mitgliederzeitschrift des ADFC Hamburg: RadCity 6/2013

RadCity 6/2013

Die RadCity bringt Licht ins Dunkel: Was bietet der Markt dem, der Erleuchtung sucht? Außerdem im Heft: Lärmaktionsplan, Busbeschleunigung, Benutzungspflicht, Radtourenleiter vorgestellt und ein Beispiel aus der Arbeit einer unserer Bezirksgruppen.

Licht an
Sehen und gesehen werden
Busbeschleunigung: Diese Beschleunigung belastet den Radverkehr
Benutzungspflicht: dem Radverkehr »größtmögliche Aufmerksamkeit geschenkt«
Lärmaktionsplan: Etwas Leises braucht die Stadt    
ADFC-Radtouren: Die 100 sind voll 
Baakenhafen: Provisorium aufgewertet 

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Editorial
Jetzt aber bitte alle ab auf die Straße!

Üblicherweise sorgen sich ja Politik und Presse zu Beginn der dunklen Jahreszeit allenfalls noch um die richtige Beleuchtung der auf der Straße verbliebenen Radfahrer. Hamburgs Regierungspartei landete daher einen kleinen Überraschungscoup, als sie Anfang November in der Bürgerschaft einen Antrag mit dem Titel »Radverkehr fördern – Mehr Sicherheit für alle und mehr Platz für den Rad- und Fußverkehr« stellte. »SPD schickt Radler auf die Straße!« titelte dazu die Boulevardpresse leicht schockiert, zumal die Sozis auch gleich noch den »Radwege-Rückbau« in der Hansestadt forderten.

Erwartungsgemäß winkte die Bürgerschaft den SPD-Antrag mit großer Mehrheit durch, er ist damit Handlungsauftrag für den Senat. Müssen Scholz, Horch und Co. jetzt also wirklich Ernst mit der Förderung des Radverkehrs machen? Dass viele Punkte des SPD-Antrags schon ewig und drei Tage in der Radverkehrsstrategie für Hamburg stehen und nur auf ihre Umsetzung warten (Ausbau der Velorouten, Überprüfung des Radwegenetzes etc.), ist das eine. Der Eindruck, hier werde schon gewahlkämpft und nach den Stimmen derer gefischt, die sich jeden letzten Freitag im Monat als Kritische Masse den Platz nehmen, den sie brauchen, das andere. Wenn der »Fahrrad-Beauftragte« (!) der SPD aber sagt: »Am sichersten ist das Radfahren auf der Straße« und überall dort, wo Radler »auf der Fahrbahn fahren dürfen und sich dort auch sicher fühlen können«, sollten die Radwege zurückgebaut werden, fühlt sich das subjektiv so an, als ob der ADFC spräche, ist aber objektiv eine Relativierung der »sicheren Fahrbahn«.

Und auch der Vorschlag der SPD, auf Strecken, auf denen besonders viele Radfahrer unterwegs seien, extra Fahrradstraßen zu bauen, zum Beispiel am West- und Ostufer der Außenalster, klingt gut. Genauso wie die Idee, ortsfremde Autofahrer sollten ihr Fahrzeug an der Stadtgrenze abstellen und auf Bus, Bahn und Rad umsteigen, wenn sie in die City wollten. Bitte? Stimmt, das steht nicht im Antrag der SPD, sondern ist ein kleiner Scherz der Bundeskanzlerin auf der Euro-Bike 2013 gewesen. Und einen weiteren Punkt hat die SPD vergessen: Radfahrer auf die Fahrbahn, Radwege zurückzubauen – das klappt auch in Hamburg nur, wenn die (autofahrende) Öffentlichkeit umfassend über die Vorteile dieser Politik informiert wird.

Dirk Lau, stellvertretender Landesvorsitzender des ADFC Hamburg