Verkehr
21.11.2013

Radverkehr und Busbeschleunigung

erstellt von Merja Spott

Diskussion der Auswirkungen der Busbeschleunigung auf Radfahrer

Am Dienstag, dem 19.11.2013 folgten ca. 70 Bürgerinnen und Bürger der Einladung des ADFC zu einer Podiumsdiskussion über die ersten fertig gestellten Kreuzungen der Busbeschleunigung.

Der besondere Augenmerk lag dabei natürlich auf der Situation der Radfahrenden. Auf der Veranstaltung diskutierten die Gäste gemeinsam mit Vertetern aus der Verwaltung, der Wissenschaft und dem ADFC über die neuen Hürden und Verbesserungen für Radfahrer.
Als Auftakt stellte der ADFC eine Analyse von drei Kreuzungen (Siemersplatz, Hallerstraße/Grindelleallee und Grindelallee/Edmund-Siemers-Allee) vor.

Aus Sicht des ADFC wurde hier die Chance verpasst, den Umweltverbund systematisch aufzuwerten:

  • Straßenraum wurde nicht von außen nach innen geplant
  • Verbesserungen für Radfahrer nur partiell, nicht systematisch
  • Kaum Kfz-Flächen reduziert
  • Busbeschleunigung durch Kfz-Beschleunigung
  • Kreuzungen wurden eher komplizierter, nicht vereinfacht
  • Der Planungsgrundsatz "Verkehrsfluss vor Verkehrssicherheit" ist nicht mit der StVO vereinbar
  • Bürger und Verbände wurden nicht ausreichend einbezogen (Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit)
  • Den Radverkehrsanlagen und den Fußverkehrsverbindungen ist anzusehen, dass Sicherheitsaudits fehlen


In der Diskussion erläuterte Herr Brodehl von der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovationen, dass die Herausforderung in der Planung darin bestand, die Belange aller zu berücksichtigen. Da die Busse im Vordergrund standen, konnte für den Radverkehr nicht immer die optimale Lösung gefunden werden. Herr Hansen, Projektleiter der Busbeschleunigung beim Landesbetrieb für Straßen, Brücken und Gewässer stellte fest, dass die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer oberste Priorität hat. Er betonte die Verbesserungen, die für den Radverkehr besonders in der Straße Beim Schlump durch den neuen Radfahrstreifen erreicht werden konnten. Er nahm die Anregung auf, dass westlich der Bogenstraße die Führung des Radverkehrs in der Straße Beim Schlump nochmals betrachtet werden müsste. Herr Schenk von der Hochbahn berichtete von den ersten Erfolgen besonders an der Kreuzung Grindelallee/Edmund-Siemers-Allee, da die Busse die Kreuzung nun ohne Halt passieren können. Herr Rudolf, Verkehrswissenschaftler an der TU Hamburg-Harburg erläuterte, dass punktueller Radverkehrsförderung nur die sportlichen jungen Männer anspricht. Wenn alle Bevölkerungsgruppen auf das Rad steigen sollen, muss die Planung systematisch sein, in andere Verkehrskonzepte integriert und das entstehende Netz lückenlos und komfortabel befahrbar.

Die Fragen aus dem Publikum hatten verschiedene Schwerpunkte. Zum einen wurde gefragt, welche Verkehrsmengen als Planungsgrundlage benutzt wurden. Die Antwort war, dass von einer unveränderten Kfz-Belastung ausgegangen wurde, für den Radverkehr werden keine entsprechenden Zählungen durchgeführt. Aus dem Publikum kam mehrmals die Anregung, mehr Radfahrstreifen anzulegen und auf die Abschnitte zwischen den Knoten genauso zu achten wie auf die Knotenpunkte selbst. Besonders nachdrücklich wurde gefordert, dass nicht einfach auf einen nicht benutzungspflichtigen Radweg aufgeleitet wird. Stattdessen muss die Fahrbahnmarkierung sowohl den Radlern als auch den Autofahrern deutlich gemacht wird, dass die Radfahrer auf der Fahrbahn weiter fahren dürfen.Außerdem wurde kritisiert, dass die Flächen des Kfz-Verkehrs weiter vergrößert wurden, obwohl von einer gleichbleibenden Verkehrsmenge ausgegangen wird. Nach Ansicht des Publikums hat der Mut gefehlt, Autospuren zugunsten von komfortablen Flächen für den Umweltverbund aus Bus, Rad- und Fußgängerverkehr aufzugeben.

Als Ergebnis der Diskussionsrunde wurde deutlich, dass die Radfahrenden, die Busbeschleunigung grundsätzlich unterstützen, aber keinesfalls gemeinsam mit den Fußgängern in viel zu enge Seitenflächen abgedrängt werden wollen. Vor allem wünschten sie sich eine stärkere Beteiligung an der Planung.
Wir hoffen, dass die Gäste die Anregungen des Abends Ernst nehmen und in ihre zukünftigen Planungen miteinbeziehen.