Verkehr
19.11.2013

Radwegebenutzungspflicht in der Langenhorner Chaussee

erstellt von Andrea Kupke
kaputter, schmaler Radweg in Hamburg, Langenhorner Chaussee

In den Augen mancher Ortspolitiker eine angemessene, sichere Infrastruktur: benutzungspflichtiger Radweg in der Langenhorner Chaussee.

 

 

Am Montag, den 11. November 2013, lehnte der Regionalausschuss, der für die Stadtteile Fuhlsbüttel, Langenhorn, Ohlsdorf, Klein Borstel, Groß Borstel und Alsterdorf im Bezirk Nord zuständig ist, einen Antrag der Grünen ab, die Radwegebenutzungspflicht auf der Langenhorner Chaussee aufzuheben.

Grund für den Antrag der Grünen war laut einem Bericht des Hamburger Abendblatts, dass der Zustand der Radwege in der Langenhorner Chaussee schlecht sei. Tatsächlich sind diese aus den 1960er-Jahren stammenden Radwege teilweise gar nicht mehr vorhanden oder in dem für »Hamburger Radwege« bekannt katastrophalen Zustand: zu schmal, aufgeworfen durch Baumwurzeln und von Autos, Gebüsch etc. zugestellt.

Die Langenhorner Chaussee ist, wie bis vor Kurzem die Alsterkrugchaussee, eine Straße mit einer überbreiten Fahrbahn je Richtung, die zweispurig befahren wird. Durch die Enge gibt es dort besonders viele Unfälle zwischen nebeneinander fahrenden Kfz. In der Alsterkrugchaussee sieht es besser aus: Durch Anlage eines Radfahrstreifens wurde dort der Kfz-Verkehr einspurig, die Unfälle gingen zurück.

Die Langenhorner Chaussee ist stärker befahren. Radfahrstreifen sind dort zum derzeitigen Zeitpunkt politisch nicht gewollt, da der Durchsatz des motorisierten Individualverkehrs eingeschränkt werden könnte. Wegen der unzumutbaren Radwegsituation meiden momentan viele Radfahrer diese Verbindung und nehmen teilweise lange Umwege in Kauf. Die Radwegebenutzungspflicht ist eigentlich nicht aufrecht zu erhalten.

Radfahrstreifen ein weiteres Mal erforschen?!

Die SPD begründete ihre Ablehnung des Antrags damit, dass man nun erst einmal den neuen Radfahrstreifen in der Alsterkrugchaussee beobachten und die Unfallstatistik in einem Jahr überprüfen müsse, bevor Maßnahmen in der Langenhorner Chaussee ergriffen werden könnten. Die CDU hingegen hatte Sorge, in dieser viel befahrenen Straße die Radler »auf die Fahrbahn zu schicken«.

Aus Sicht des ADFC liegen hier Missverständnisse bei SPD und CDU vor: Der Vergleich mit der Alsterkrugchaussee hinkt, weil dort Radfahrstreifen eingerichtet wurden (bzw. noch werden), auf denen alle Radfahrer fahren müssen (mit Ausnahme von Kindern bis 10 Jahren). Der Kfz-Verkehr fährt dort zudem nur noch einspurig je Richtung. Dass diese Führung des Radverkehrs im Sichtfeld der Kfz-Führer für die Radfahrer ein Sicherheitsgewinn ist, muss dort aber nicht nochmals bewiesen werden. Ein Rückgang der Unfälle zeichnet sich in der Alsterkrugchaussee bereits jetzt deutlich ab.

Auf der breiten Langenhorner Chaussee aber würden Radfahrer nach Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht im Mischverkehr fahren. Sie würden dazu die rechte der beiden »unechten« Fahrspuren nutzen. Und niemand würde in der Langenhorner Chaussee »auf die Fahrbahn geschickt«; die Aufhebung der Benutzungspflicht stellt es den sicheren, meist schnellen und geübten Radfahrern lediglich frei, ganz legal auf der Fahrbahn zu fahren.

Und ein weiteres Missverständnis gilt es aufzuklären: Die Anordnung einer Benutzungspflicht liegt ausschließlich in der Verantwortung des zuständigen Polizeikommissariats bzw. der Straßenverkehrsbehörde. Es liegt auch nicht im Ermessen der Parteien oder der Polizei, einen Radweg »gut« oder »schlecht« zu finden. Vielmehr muss die Polizei bei jeder Anordnung einer Benutzungspflicht nachweisen, dass eine besondere erhöhte Gefahrenlage für Radfahrer vorliegt, wenn sie auf der Fahrbahn fahren. Nur dann darf sie eine Radwegebenutzungspflicht anordnen. Und das auch nur bei Radwegen, die zumutbar und benutzbar sind. Was in der Langenhorner Chaussee – siehe oben – nicht der Fall ist.