Pressemitteilung, Verkehr
07.04.2015

Schutz von Menschenleben muss im Straßenverkehr absolute Priorität haben

erstellt von Dirk Lau

Gefährliche Situation für Radfahrende

ADFC fordert Sofortprogramm zur Verkehrssicherheit vom "Bündnis für Radverkehr"!

Hamburg will Rad fahren – für immer mehr Menschen ist das Fahrrad das Verkehrsmittel ihrer Wahl in der Stadt! Leider spiegelt sich die steigende Zahl von Radfahrenden in Hamburg aber auch in der aktuellen Verkehrsbilanz der Polizei für das Jahr 2014 wider, die heute der Presse präsentiert wurde. Einen deutlichen Anstieg gab es demnach bei der Anzahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrerbeteiligung. "Das ist natürlich auch damit zu erklären, dass mehr Hamburgerinnen und Hamburger im Alltag und in der Freizeit Rad fahren", sagt Merja Spott, Referentin für Verkehr beim ADFC Hamburg. "Erschreckend und alarmierend ist aber vor allem die hohe Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer 2014 in Hamburg".

Bis die "Vision Zero" – eine Stadt ohne Tote im und durch den Straßenverkehr – Wirklichkeit wird, ist es noch ein weiter Weg in Hamburg. Elf getötete Radfahrer im letzten Jahr sind ein dringender Appell an die Politik und die Behörden, endlich zu handeln und die Straßen sicherer für die Menschen zu machen, insbesondere für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer. Der ADFC fordert daher vom neuen Senat die zügige Entwicklung und Umsetzung eines breit angelegen Verkehrssicherheitsprogramms. "Dazu gehört die konsequente Priorität der Verkehrssicherheit vor dem Verkehrsfluss", erklärt Spott. Bislang sei es in Hamburg umgekehrt, würde der nach wie vor massive Autoverkehr in der Stadt auf Kosten der Verkehrssicherheit bevorzugt. Einzelne Maßnahmen müssten zum Beispiel die Beruhigung und Reduzierung des Autoverkehrs in der City sein, dann auch die massive Ausdehnung von Tempo-30-Zonen. Zu hohe Geschwindigkeit und mangelnder Sicherheitsabstand sowie Abbiegefehler sind laut Polizei die Ursachen für die meisten Unfälle. "Hamburgs Kreuzungen müssen daher systematisch nach den Sicherheitsansprüchen der Fußgänger und Radfahrer umgebaut werden", fordert Spott.

Ein weitere Gefährdung sei das Falschparken bzw. Halten der Autofahrer in der zweiten Reihe. "Falschparken ist aber kein Kavaliersdelikt, sondern zeugt von der Ignoranz anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber und zwingt Radfahrende zu gefährlichen Ausweichmanövern", kritisiert Spott. "Hier helfen nur stärkere Kontrollen der Polizei, um klar zu machen: Wer anderen so  rücksichtslos im Weg steht, gefährdet Leben".

Letztendlich entscheidend sei aber das Verhalten der Verkehrsteilnehmer, weiß auch Spott. Über 50% der Unfälle mit Radfahrbeteiligung werden von Autofahrern verursacht. Bundesweite Studien sagen, dass 32% der Autofahrer keinen Schulterblick mehr machen würden. "Wir fordern daher – und das schon seit langem – eine Kampagne der Stadt, mit der das Bewusstsein für ein besseres Miteinander im Straßenverkehr erhöht wird und die den Autofahrern verdeutlicht, dass die Straße allen gehört", so Spott. Zu schnelles Fahren, zu enges Überholen – all das gefährdet die Radfahrer im Alltag. Geübte Radfahrer seien es zwar gewohnt, in Hamburg immer das mögliche Fehlverhalten der Autofahrer mitzudenken, könnten aber nicht das Fehlen einer konsequenten Verkehrssicherheitsarbeit durch die Stadt ersetzen.

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