Pressemitteilung
07.01.2008

Sicherheitsaudit in Altona und Wandsbek – ADFC bewertet Anstrengungen für Verkehrssicherheit insgesamt aber als unzureichend

erstellt von Stefan Warda

ADFC bemängelte 2007 fehlende Qualitätskontrollen bei Hamburgs Straßenplanungen. Bezirke Altona und Wandsbek wollen nun Sicherheitsaudits durchführen.

Der ADFC bemängelte vor einem Jahr die fehlenden Sicherheitsvorkehrungen bei Hamburgs Straßenplanungen. Bei Straßenneu- und umbauten werden regelmäßig nicht die Sicherheitsbelange aller Verkehrsteilnehmer gleichwertig und angemessen berücksichtigt. Stefan Warda, ADFC Hamburg: »In Hamburg wird generell dem Automobilverkehr der Vorzug vor den Sicherheitsbelangen des Rad- und Fußgängerverkehrs gegeben. Dies führt zu vermehrten Konflikten und Unfällen bei Fußgängern und Radfahrern, weil die benachteiligten Verkehrsteilnehmer z.B. Verkehrsregeln missachten. Als anerkanntes Mittel gegen solche Planungsfehler gibt es das Sicherheitsaudit – ausgeführt durch unabhängige Experten, welches EU-weit angewandt wird.«

Die im letzten Jahr gestartete Sicherheitsauditkampagne des ADFC führte dazu, dass zumindest die Bezirke Altona und Wandsbek bei deren Straßenplanungen zukünftig das Sicherheitsaudit durchführen wollen. Beim ADFC wird es aber als weitaus notwendiger angesehen, die großen Straßenbauvorhaben der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) mit Sicherheitsaudits zu begleiten. Stefan Warda: »2007 wurden viele von der BSU geplante oder durchgeführte Kreuzungsumbauten vorgenommen, die jeder Sicherheitssachverständige hätte ablehnen müssen. Dazu zählen Kreuzungsumbauten aus dem sogenannten 39-Punkte-Programm, wie Pinneberger Straße / Holsteiner Chaussee, Glockengießerwall / Ferdinandstor, Alsterglacis / Mittelweg. Auch die 2006 und 2007 erneuerten Radwege aus dem 3 Mio. €-Sonderprogramm zur Instandsetzung miserabler Radwege an Hauptverkehrsstraßen genügen allesamt nicht den Anforderungen eines Sicherheitsaudits. Davon betroffen sind Barmbeker Straße, Winterhuder Weg, Lerchenfeld, Wartenau, Lübecker Straße und Wandsbeker Chaussee. Die Anstrengungen für die Verkehrssicherheit sind insgesamt unzureichend. Hamburg vernachlässigt viel zu sehr die Sicherheitsbelange von Fußgängern und Radfahrern. Die BSU sollte dem Beispiel der Bezirke Altona und Wandsbek folgen und das Sicherheitsaudit als Standard für Straßenplanungen in Hamburg festlegen.«

Einen Grund für die Ablehnung des Sicherheitsaudits in Hamburg sieht ADFC-Experte Warda in den politischen Vorgaben: »Hamburg lehnt die Durchführung des Sicherheitsaudits ab, weil gewissenhafte Sicherheitaudits dem Wunschdenken vieler Politiker zuwiderlaufen. Die Inhalte der Sicherheitsaudits sind auch vielen Hamburger Behördenvertretern bekannt. Doch die Einhaltung der Sicherheitsauditstandards würde den politischen Vorgaben nach mehr Autoverkehrsfluss widersprechen. Was unabhängige Sicherheitsauditoren zu Recht kritisieren würden, trauen sich behördliche Mitarbeiter kaum auszusprechen angesichts möglicher beruflicher Nachteile. Solange nicht externe Experten auf die Planungen schauen dürfen, wird sich leider nichts ändern an den bekannten Planungsfehlern.«