Pressemitteilung, Verkehr
02.04.2016

Umbau Halenreie: BSVH und ADFC gegen Radfahren auf dem Gehweg

erstellt von ADFC Hamburg
Je eine Fahrspur un in Mittellage eine zusätzliche Abbiegespur. Neben der Fahrbahn eine Baumreihe und dann ein ca. 1 m schmaler Gehweg

Die Halenreie in Volksdorf bietet auf der Fahrbahn Platz für Radfahrstreifen.

Der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. (BSVH) und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club, Landesverband Hamburg (ADFC) lehnen die vom Regionalausschuss Walddörfer vorgeschlagene Lösung für die Halenreie ab.

Die Halenreie soll grundinstandgesetzt werden. »Die vorhandenen Fahrbahnbefestigungen weisen Oberflächenschäden auf, die einen erhöhten Unterhaltungsaufwand (und ggf. Folgeschäden) bedeuten. Die Verkehrssicherheit ist eingeschränkt, der bauliche Zustand und das Schadensbild der Halenreie erfordert eine Qualitätsverbesserung.« (Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer)

Aktuell gibt es eine erste Planverschickung, die Radfahrstreifen auf der Ostseite der Fahrbahn vorsieht. Das örtliche politische Gremium hat sich allerdings gegen diesen Streifen ausgesprochen und will den größten Teil des Radverkehrs in dieser Straße auf dem Gehweg abwickeln. Der Regionalausschuss hat im Kern folgendes beschlossen:

»Die zuständigen Stellen werden aufgefordert, im Rahmen der Grundinstandsetzung ausschließlich Servicelösungen für den Radverkehr vorzusehen, um den großkronigen Baumbestand erhalten zu können. Für den Radverkehr soll die alternative Wegeverbindung am Hochbahnwanderweg und durch den Katthorstpark entsprechend aufgewertet und beleuchtet werden«

»Servicelösung« ist allerdings das Gegenteil von Service

Die sogenannte Servicelösung bedeutet, dass zu einem Gehweg- das Zusatzzeichen »Radfahrer frei« angebracht wird. Radverkehr ist dann auf dem Gehweg mit Schrittgeschwindigkeit zugelassen.

André Rabe vom BSVH-Arbeitskreis Umwelt und Verkehr:

»Vom Radverkehr mitgenutzte Gehwege sind für den BSVH grundsätzlich nicht akzeptabel. Sie stellen auch keinen "Service" dar. Für blinde und sehbehinderte Fußgänger ist der nahezu geräuschlose Radverkehr nicht wahrnehmbar, egal, ob sich der Radfahrer von hinten oder von vorne nähert. Diese "Lösung" stellt keine Lösung dar!«

Erschwerend komme hinzu, dass immer mehr Radfahrer elektromotorisch unterstützt unterwegs seien. »Durch die höhere Geschwindigkeit, das höhere Gewicht und die Unerfahrenheit der Nutzer erhöht sich nochmals das Gefahrenpotential.«

Ulf Dietze von der Bezirksgruppe Wandsbek des ADFC:

»Mit der Variante "Gehweg/Radfahrer frei" existiert keine echte Radverkehrslösung, denn Radfahren darf man dort nur mit Schrittgeschwindigkeit.« Der angebliche Konflikt »Radfahrstreifen oder Bäume« sei ein Scheinkonflikt. Vielmehr habe die Verwaltung abzuwägen zwischen den Interessen der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer, ob sie also den Autoverkehr weiterhin einseitig bevorzugt oder für einen sicheren Radverkehr Flächen auf der Fahrbahn einräumt. Dietze: »Die Frage ist daher, ob der Autoverkehr zur Erhöhung der Verkehrssicherheit Platz abgibt oder ob der Radverkehr weiterhin im Stile der 50er Jahre behandelt wird - der Regionalausschuss entschied sich für die 50er-Jahre-Politik«.

Mit der Idee, den Radverkehr auf einen entfernt liegenden Parkweg zu verbannen, werde dieser Konflikt nicht gelöst. »Die Haltung "Die Radfahrer können ja irgendwo anders fahren" ist fachlich und rechtlich nicht haltbar. Selbst mit einem ausgebauten Parkweg bliebe die Verwaltung verpflichtet, auch für das Radfahren an der Halenreie eine sichere Lösung nach den heute gültigen verkehrswissenschaftlichen Standards herzurichten.«

BSVH und ADFC fordern deshalb, dass die Halenreie Radfahrstreifen bekommt. Sollen die Bäume stehen bleiben – was auch im Interesse der beiden Verbände wäre – , muss die Fläche von der heutigen Fahrbahn gewonnen werden. Alternativ könnten Nachpflanzungen auf den umfangreichen Flächen erfolgen, die für Autoparkplätze im Rahmen der Baumaßnahme Halenreie - vom Regionalausschuss übrigens nicht kritisiert - vorgesehen sind.

Ansprechpartner:

Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V.
André Rabe
Telefon: 0179-2006638
E-Mail: a.rabe@bsvh.org

ADFC-Pressekontakt

weitere Informationen:

FAQ Radfahrstreifen