Fischkopps Kolumne
27.05.2011

UN-Dekade für Verkehrssicherheit

erstellt von Ulf Dietze
Erste-Hilfe-Dummy

Den Fischkopp erstaunt, wieviele Straßenverkehrsopfer in unserem Verkehrssystem akzeptiert werden. Für die meisten Nutzer und Entscheider scheinen tausende Todesopfer jährlich ein angemessener Preis für ihre Form der Mobilität zu sein.

Man könnte aber auch der Ansicht sein, dass ein Verkehrssystem mit solchen »Kollateralschäden« krank ist, dass es schon einer umfangreichen Verdrängung bedarf, um das noch »normal« zu finden. Zwar schafft es die Automobillobby mit großem finanziellen Aufwand, von der blutigen Realtät immer wieder abzulenken. Aber immer gelingt das nicht. Zum Glück.

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PRESSEMITTEILUNG
Paris/Leipzig, 26. Mai 2011

Verkehrssicherheit rückt ins Rampenlicht

Europa-Auftakt der UN-Dekade für Verkehrssicherheit beim Weltverkehrsforum in Leipzig • Konzepte vorgestellt

Mehr als 1,3 Millionen Menschen sterben jedes Jahr weltweit bei Verkehrsunfällen. Wenn nichts getan wird, dürfte sich diese Zahl bis 2020 auf 1,9 Millionen Tote im Jahr erhöhen. Rund 90% der Verkehrstoten werden in Schwellen- und Entwicklungsländern registriert. Dort entsteht eine tödliche Mischung aus Bevölkerungswachstum und steigenden Einkommen mit mehr Autos, während die Infrastruktur und die Sicherheitsbestimmungen Mühe haben, Schritt zu halten.

Im Gegensatz dazu hat die Zahl der Unfalltoten in den OECD-Ländern im vergangenen Jahrzehnt dramatisch abgenommen, in einigen Fällen um rund 50%. Die jüngsten Statistiken zeigen etwa für Schweden, eines der führenden Länder in Sachen Verkehrssicherheit, 2,8 Verkehrstote pro 100 000 Einwohner. Diese Quote galt die noch vor wenigen Jahren als unerreichbar. Aber selbst in der entwickelten Welt werden noch viel zu viele Menschen Opfer des Straßenverkehrs: Allein in der OECD sind des jedes Jahr rund 100 000 Männer, Frauen und Kinder – etwa 300 am Tag.

Um das Massensterben auf den Straßen der Welt zu stoppen, haben die Vereinten Nationen die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade für Verkehrssicherheit ausgerufen. Der Mai markiert den globalen Auftakt dieser ambitionierten Initiative. In den Jahren bis 2020 wollen Regierungen, internationale Organisationen, Gruppen der Zivilgesellschaft und die Verkehrsindustrie durch koordinierte Maßnahmen die Zahl der Verkehrstoten zunächst stabilisieren und dann senken.

Das Weltverkehrsforum ist Teil dieser Anstrengung. Seine Arbeit konzentriert sich darauf, die Schere zwischen den Fortschritten in einigen Ländern und der sich verschlimmernden Situation in anderen Staaten zu schließen. Dies geschieht durch die Förderung von Wissenstransfer, Verbreitung von »best practices« und Benchmarking:

IRTAD, die International Traffic Safety Data and Analysis Group, stellt das Weltverkehrsforum Vergleichsdaten und Beratung zur Verfügung. Dies hilft Ländern, ihre Verkehrssischerheitsmaßnahmen optimal auszugestalten und so nachweislich Fortschritte zu erzielen (mehr über IRTAD unter www.internationaltransportforum.org/irtad).

Mit seinem Report »Towards Zero. Ambitious Road Safety Targets and the Safe System Approach« (2008) hat das Weltverkehrsforum die Einführung eines »Safe System«-Ansatzes in allen Ländern angeregt. Dieser Ansatz geht einher mit der Vision von null Verkehrsunfällen mit Todesfolge oder schweren Verletzungen. Erreicht werden soll sie durch hochgesteckte, aber realistische Zielgrößen. (Die Zusammenfassung ist verfügbar unter www.internationaltransportforum.org/jtrc/safety/targets/08TargetsSummary.pdf)

Im Bereich Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger erarbeitet das Weltverkehrsforum Analysen und Vorschläge die helfen können, unnötige tödliche Unfälle zu verhindern (mehr über Radfahrersicherheit unter www.internationaltransportforum.org/Proceedings/Cycling2011)

»Wir freuen uns, an dieser wichtigen und notwendigen Initiative der Vereinten Nationen mitzuarbeiten«,  erklärte Jack Short, Generalsekretär des Weltverkehrsforums aus Anlass einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Weltgesundheitsoganisation (WHO) zum Europa-Start der UN-Dekade für Verkehrssicherheit während des jährlichen Gipfels von Verkehrsministern aus aller Welt in Leipzig.

»Wir verfügen über fünf Jahrzehnte Erfahrung in der Entwicklung und Einführung effektiver Verkehrssicherheitsmaßnahmen. Dieses Wissen bringen wir gerne in die UN-Dekade für Verkehrssicherheit ein. Unsere Empfehlungen bilden eine solide Grundlage für politisches Handeln und können, wenn sie weltweit umgesetzt werden, hunderttausende Leben retten. Unsere Forschung identifiziert laufend die kommende Generation von lebensrettenden Maßnahmen. Der Weg nach vorne liegt im Wissenstransfer, dem Austausch von erfolgreichen Konzepten und einem Benchmarking auf Grundlage klar definierter Ziele«, so Short.

Véronique Feypell, Koordinatorin für Straßenverkehrssicherheit beim Weltverkehrsforum, fügte hinzu: »Wir müssen neue und bessere Wege schaffen, wie Länder voneinander lernen können. Der Werkzeugkasten ist vorhanden. Er kann für Länder angepasst werden, die mit Bevölkerungswachstum und mehr Autos auf der einen Seite und nicht angepasster Infrastruktur und Gesetzgebung auf der anderen zu kämpfen haben.«

Mehr Informationen über die Arbeit des Weltverkehrsforums im Bereich Straßenverkehrssicherheit finden Sie unter www.internationaltransportforum.org/jtrc/safety/safety.html.

Quelle:

oecd.org
International Transport Forum