03.02.2004

Ungeliebte, gefährliche Gemeinsame Geh- und Radwege

ADFC warnt vor Gemeinsamen Geh- und Radwegen. Eine neue Broschüre weist auf Gefahren solcher gemeinsamer Wege hin.

Viele Planer und Straßenverkehrsbehörden schicken Radfahrer und Fußgänger allzu oft auf gemeinsame Verkehrsflächen. Nach der sogenannten "Fahrradnovelle" der Straßenverkehrsordnung gibt es einen starken Anreiz hierzu. Oft ist der Radweg zur Kennzeichnung als benutzungspflichtig deutlich zu schmal (laut Verwaltungsvorschrift mindestens 1,50 Meter). Nimmt man den Gehweg hinzu, reicht es nach Meinung der Behörden für einen gemeinsamen Geh- und Radweg. Dadurch wird Verkehrsfläche für den motorisierten Verkehr - als Fahrbahn oder Parkplatz - geschont. Neu sind solche Wege z.B. am Gorch-Fock-Wall, geplant vor dem Blankeneser Bahnhof und in der Habichtstraße.

Jedoch behindern und gefährden sich Radfahrer und Fußgänger auf gemeinsamen Wegen oft gegenseitig - vor allem innerorts. Der Hauptgrund sind die Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen Fußgängern (Geschwindigkeit 1,8 bis 6,5 km/h) und Radfahrern (15 bis 25 km/h). Forschungsergebnisse zeigen, dass mit der gemeinsamen Führung von Radfahrern und Fußgängern in Zukunft sensibler umgegangen werden muss, als dies bisher in der städtischen Bau- und Beschilderungspraxis der Fall war.

Eine Gruppe von Stadtplanern hat im November 2003 die fußnote 5 (Update 02.01.2013: inzwischen offline) (PDF-Datei: "Radfahrer und Fußgänger. Hase und Igel oder Katz und Maus?", 4 Seiten) herausgegeben. Diese erläutert allgemeinverständlich die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum gemeinsamen Geh- und Radweg. Sie bietet allen Interessierten eine Argumentations- und Entscheidungshilfe über die Grenzen der Akzeptanz gemeinsamer Wegenutzungen.

Der ADFC begrüßt die Verbreitung der aktuellen Erkenntnisse zu gemeinsamen Geh- und Radwegen und fordert deren Umsetzung in der Praxis ein. Stefan Warda, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Hamburg: "Gemeinsame Geh- und Radwege sind bei Fußgängern und Radfahrern gleichermaßen unbeliebt. Vielfach machen sie Radfahrer und Fußgänger auf engstem Raum zu Gegnern. Der Trend zum behördlich verordneten Radfahren direkt vor Haus- und Grundstückseingängen und zum Fahrradslalom um Fußgänger muss aufhören. Gemeinsame Geh- und Radwege müssen innerorts absolute Ausnahmen bleiben."