Pressemitteilung
17.12.2006

Verkehrte Welt: Baubehörde baut Radwege für Autofahrer – ADFC fordert Sicherheitsaudits als Planungskontrolle

erstellt von Stefan Warda

Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt stellt neuen gefährlichen Radweg rund um Erik-Blumenfeld-Platz fertig. Der Radweg verstößt gegen schon seit 9 Jahre gültige Änderung der Straßenverkehrsordnung. ADFC-Mitglied droht Widerspruch gegen neue Radweganordnung an. ADFC fordert sofort Sicherheitsaudits nach EU-Standard für Straßenplanungen in Hamburg.

Der neuste Skandalradweg Hamburgs führt isoliert im Rundkurs um den Erik-Blumenfeld-Platz. Keine Aufleitung auf den Radweg, anschließend äußerst gefährlich über die Kreuzung geführt, danach mitten in eine der am stärksten frequentierten Bushaltestellen im Hamburger Westen geleitet und am Ende ohne Schutz und Aufleitung auf die Fahrbahn entlassen: der Radverkehr wird am Erik-Blumenfeld-Platz auf einem kaum 200 Meter langen Abschnitt vielfältig gefährdet und behindert. Die Planung ist noch nicht einmal drei Jahre alt, die Bauarbeiten sind noch nicht ganz fertiggestellt – und trotzdem verstößt die Planung gegen aktuell gültige Empfehlungen für Rad- und Fußgängerverkehrsanlagen. Hamburgs ADFC-Experten bemängeln, dass die ganz offensichtlich beabsichtigte Benutzungspflicht für diese lebensgefährlichen Fehlplanungen gegen Bundesrecht verstößt.

ADFC-Mitglied Frank Bokelmann fordert von der Verkehrsdirektion die Entfernung des Radwegezeichens. Frank Bokelmann (ADFC Altona): »Um die Grünphasen für den Kraftfahrzeugverkehr wenige Augenblicke pro Minute zu verlängern, werden Radfahrer leichtfertig auf ungeeignete Bürgersteige geführt und dort alleine gelassen. Der ADFC und einzelne Radfahrer haben nach Kenntnisnahme der Planung vor drei Jahren unverzüglich protestiert. Die Behörden stellten sich jedoch taub. Nun werden wohl die Gerichte entscheiden müssen. Die Chancen der Radfahrer stehen gut. Urteile aus Berlin und Hamburg lassen ein grandioses Scheitern der schlecht beratenen Behörden erwarten.«

Die Bausünde am Erik-Blumenfeld-Platz steht in einer Reihe mit skandalösen Radwegen am Jungfernstieg, in der Hafencity, der Amtsstraße am Bahnhof Rahlstedt und weiteren neueren Planungen. Der für 2007 vorgesehene Kreuzungsumbau Elbchaussee / Schenefelder Landstraße sieht die gleichen Fehler wie am Erik-Blumenfeld-Platz vor. Während die Stadt die Radverkehrsförderung wiederentdeckt haben will, wird der Radverkehr durch schlecht ausgebildete und desinteressierte Planer an vielen Orten in Wahrheit endgültig abgewürgt. Stefan Warda, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Hamburg, nach Besichtigung der Baustelle: »Radwege für Autofahrer haben in Hamburg seit langem Tradition. In der Regel sind nicht die Sicherheitsbelange der Radfahrer Anlass für Radwegeplanungen, sondern die kontinuierliche Förderung des Autoverkehrs. Das aktuelle Beispiel aus Blankenese ist kaum noch zu übertreffen an Dreistigkeit und Fahrlässigkeit. Hamburg ist das einzige Bundesland, welches keine Sicherheitsaudits als Kontrollmöglichkeit gegen solche Fehlplanungen anwendet. Das sollte sich nun endgültig ändern.«

Sicherheitsaudits an Stadtstraßen werden von EU-Kommission und dem Bundesverkehrsministerium empfohlen. Unabhängige, speziell ausgebildete Experten führen für die Kommunen das Sicherheitsaudit als Instrument zur Verbesserung der Planung und des Baues von Straßen im Interesse der Verkehrssicherheit durch. Eine Analyse mehrerer Auditverfahren in Deutschland durch die Bundesanstalt für Straßenwesen ergab, dass die meisten Planungsdefizite der untersuchten Straßenplanungen den Radverkehr betrafen, gefolgt vom Fußgängerverkehr.