Pressemitteilung, Verkehr
24.04.2013

Viele Worte, wenig Taten: So wird Hamburg nicht zur Fahrradstadt!

erstellt von Merja Spott
Foto Fortschrittsbericht

Mehr Nachdruck in der Fuß- und Radverkehrsförderung!

ADFC Hamburg sieht viele Versprechungen, aber kaum echte Fortschritte für den Radverkehr im „Fortschrittsbericht 2013 zur Radverkehrsstrategie“, den Wirtschaftssenator Horch gestern der Öffentlichkeit präsentierte.

Senator Horch sagt, ihm würde das Radfahren am Herzen liegen. Das ist gut. „Senator Horch liegt vollkommen richtig, wenn er meint, wer den Radverkehr fördere, macht die Stadt attraktiver, schützt Klima und Menschen und erhöht die Verkehrssicherheit auf den Straßen“, begrüßt Merja Spott, verkehrspolitische Referentin des ADFC Hamburg, das Bekenntnis des Senators zum Radfahren.

Horch will, dass die Menschen vom Auto auf den ÖPNV und das Rad umsteigen. Das sei aber, so der Senator, eine der schwierigsten politischen Herausforderungen und man könne daher nicht von heute auf morgen Riesensprünge erwarten. „Das erwarten wir auch gar nicht“, sagt Spott, „Aber es muss spürbar schneller als bislang gehen“. Seit 2002 hat sich der Radverkehr in Hamburg von 9 Prozent auf aktuell gerade einmal 12,5 Prozent erhöht. Das Ziel der Radverkehrsstrategie, ihn bis 2015 auf 18 Prozent zu bringen, hat die SPD längst ad acta gelegt. Das Veloroutenkonzept hat Horch zwar wieder aus der Schublade geholt, aber immer noch ist keine einzige Veloroute in Hamburg fertig gebaut.

Der ADFC vermisst bei Senat und SPD den Willen, Hamburg fahrradfreundlich zu machen und dem Rad Vorfahrt zu geben. Wer allein 260 Millionen in den ÖPNV steckt, nur um die Busse zu beschleunigen (zusätzlich zu den Ausgaben, die ohnehin in den ÖPNV fließen), kann aber nicht ernsthaft glauben, dass er mit den aus verschiedensten Töpfen zusammengeklaubten 5 Millionen, die der Radverkehr bekommt, wirklich was bewegen kann. „Diese Summe reicht gerade mal aus, um rund 20 km Radverkehrsanlagen pro Jahr zu erneuern“, rechnet Spott vor. „Bei einem Hauptverkehrsstraßennetz von 550km brauchen wir also noch 27 Jahre, bis wir zumindest an den großen Straßen akzeptable Bedingungen für Radfahrer haben.“ Wenn es Horch Ernst meine mit seiner Liebe zum Rad, müsste er wie für die Busbeschleunigung  Arbeitsgruppen bilden, Kapazitäten zur Verfügung stellen und Finanzmittel freigeben, fordert Spott. Der Umweltverbund von ÖPNV und Rad müsse gleichzeitig aufgewertet werden, sonst werde der Umstieg vom Auto auf die umwelt- und menschenfreundlichen Verkehrsmittel nicht gelingen.

Was die konkrete Planung angeht, würde es helfen, einfacher zu denken und nicht von „Herkulesaufgaben“ zu sprechen, wenn es um eine so simple Sache wie das Radfahren geht. „Wer aber weiter in dem Denkgerüst der letzten Jahrzehnte verharrt und für jeden Verkehrsträger eine eigene Infrastruktur bauen will, für den ist das wohl tatsächlich eine Herkulesaufgabe, die Verkehrsinfrastruktur komplett umzubauen“, so Spott. Die Verkehrssicherheitsforschung zeige, dass sich die Sicherheit auf den Straßen erhöht, wenn die Verkehrsträger weiter gemischt und die Geschwindigkeiten reduziert werden. Stichwörter: Shared Space, Tempo 30 und autofreie Innenstädte. Und schon wird die Radverkehrsförderung ziemlich einfach und relativ kostengünstig.

Fazit: Hamburg könnte Fahrrad, will aber (noch) nicht.