Pressemitteilung
29.08.2001

Vier Jahre Radverkehrspolitik in Hamburg: Rückblick und Ausblick auf Hamburgs Radverkehrspolitik

Der ADFC hat die Radverkehrspolitik in Hamburg der letzten vier Jahre aufmerksam verfolgt und sich daran maßgeblich beteiligt. Besonderes Augenmerk legt der ADFC auf zwei wichtige Ereignisse, welche die heutige Radverkehrspolitik bestimmen: Die vom Gesetzgeber vor vier Jahren geänderte Straßenverkehrsordnung mit Auswirkungen auf den Radverkehr, der sich die Stadt Hamburg stellen musste, und die Investition in das Hamburger Veloroutennetzkonzept, das zur Zeit an mehreren Stellen ausgebaut wird.

Die Radverkehrspolitik des jetzigen rot-grünen Senats lässt sich daran messen, was die wichtigsten Parteien in ihr neues Wahlprogramm gesteckt haben: SPD und CDU treffen keine Aussagen zum Radverkehr. Die CDU will sich hauptsächlich um den innerstädtischen Autoverkehr kümmern. Die GAL tritt für eine nachhaltige und ganzheitliche Verkehrspolitik ein unter Berücksichtigung der Belange von Radfahrern und Fußgängern, die PRO (Partei rechtsstaatlicher Offensive, sog. Schill-Partei) will die in Hamburg bisher für Radfahrer freigegebenen Einbahnstraßen wieder aufheben. Die FDP will zwar weiter Radwege und Velorouten bauen, aber wichtige Errungenschaften wie Radfahrerampeln und Radfahrstreifen auf der Fahrbahn, die die FDP entgegen den Unfallstatistiken der Innenbehörde als unfallträchtig bezeichnet, sollen abgeschafft werden. Die Einführung des von der FDP geforderten grünen Pfeils in Hamburg wird zu Lasten der Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern an den Kreuzungen gehen.

Statement von Dirk Pfaue, Vorsitzender des ADFC Hamburg

Rad fahren hat viele Vorteile. Es ist gesund, umweltfreundlich und kostengünstig. Die durch Bewegungsarmut verursachten Herz- Kreislauferkrankungen nehmen immer mehr zu. Experten raten daher, dass man sich mindestens 30 Minuten pro Tag bewegen soll. Rad fahren ist eine sehr effektive Möglichkeit, dieses Pensum in den Tagesablauf einzubauen. Zusätzlich ist eine der größten Quellen für die Belastung mit dem Treibhausgas CO2 der Autoverkehr. Rad fahren kann einen großen Beitrag zur nachhaltigen Verkehrsentwicklung und zum Klimaschutz leisten. Zusätzlich lässt sich mit dem Fahrrad Mobilität sehr Platz sparend abwickeln.

Der Blick in andere europäische Länder zeigt, dass Hamburg noch ein großes Verlagerungspotenzial zu Gunsten des Radverkehrs hat. So werden in Holland und Dänemark ca. drei Mal so viele Kilometer pro Person und Jahr zurück gelegt, wie in Deutschland. In Hamburg ist ca. jeder dritte Weg unter 3km, also in einer idealen Fahrrad-Entfernung. Deshalb setzt sich der ADFC für die weitere Förderung des Rad fahrens ein. Mit seinen in Hamburg 5100 Mitglieder ist der ADFC die Lobbyorganisation für Alltags- und Freizeitradler. Neben der Verkehrspolitik engagieren sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter im Tourismus, in der Verbraucherberatung und in der Verkehrssicherheitsarbeit.

Für Radfahrer ist die Durchlässigkeit des Verkehrsnetzes sehr wichtig, da sie umwegeempfindlich sind. Einbahnstraßen, Abbiegeverbote und fehlende Querungsmöglichkeiten behindern den Radverkehr. Zusätzlich hat sich gezeigt, dass die herkömmlichen Bordsteinradwege häufig nicht den Sicherheits- und Komfortansprüchen der Radfahrer genügen. Daher hat sich in den letzten vier Jahren bei den Planungsgrundlagen für den Radverkehr viel getan. Auf Bundesebene wurde die StVO geändert. Die Radwegebenutzungspflicht wurde aufgeweicht. Einbahnstraßen können für Radfahrer in Gegenrichtung geöffnet werden. Die Fahrradstraße kam als neues Planungselement hinzu. In Hamburg wurde ein Velorouten-Konzept erarbeitet. Die Planungsrichtlinien "PLAST 9" wurden überarbeitet.

Der Fahrradbeirat in der Baubehörde hat in den letzten zwei Jahren seine Arbeit wieder intensiv aufgenommen. Durch ihn wurden Verbände und Institutionen, die sich mit Verkehr beschäftigen, in die Planungen der Baubehörde einbezogen. Im Fahrradbeirat wurde die Umsetzung des Velorouten-Konzeptes diskutiert. Auch die Überarbeitung der PLAST 9 war dort Thema.

Für die nächsten Jahre fordert der ADFC die zügige Umsetzung des Velorouten-Konzeptes auf hohem Niveau. Die Radwegebenutzungspflicht soll möglichst umfangreich aufgehoben werden, da gute Radwege auch freiwillig angenommen werden. Weitere Einbahnstraßen sollen frei gegeben werden. Die Abstellmöglichkeiten bei allen Zielen des Radverkehrs sollen deutlich verbessert werden.

Statement von Stefan Warda, Verkehrspolitischer Sprecher ADFC Hamburg

Hamburg investiert in Velorouten Hamburg wirbt für den Ausbau seines Radwegenetzes. Damit sollen attraktive Verbindungen für Radler von der City in die Stadtteilzentren bis in die Randbereiche und einige Querverbindungen geschaffen werden. Diese Velorouten sollen den Radverkehr bündeln und Radler möglichst abseits von Hauptverkehrsstraßen führen. Deswegen werden sie so ausgebaut werden, daß Radler sie trotz mancher Umwege annehmen. Um auf den Velorouten nicht nur sicherer sondern auch schneller voran zu kommen, müssen diese Routen daher besonders gut hergerichtet sein: Breiter als Hamburgs normale Radpisten, gute Oberflächen, kurze Wartezeiten an Ampeln, sichere Führung über Kreuzungen, im Winter geräumt. Kurzum sollten sie all das haben, was Alltags- und Freizeitradler in Hamburg bisher oftmals vermisst haben. Bausenator Eugen Wagner hat Gelder aus dem Stellplatzablösetopf für den Veloroutenbau zur Verfügung gestellt. Nach einem langen Stillstand seit Einweihung der Veloroute 3 von der Universität nach Lokstedt 1999 wird das Veloroutennetz nun fortgeschrieben. Niemals zuvor wurde damit in Hamburg innerhalb eines Jahres soviel Geld in neue Radverkehrsanlagen oder die Erneuerung vorhandener und oftmals sehr schlechter Radwege investiert.

Dieses Jahr sollen folgende Abschnitte fertiggestellt werden: Veloroute 4 von der Kennedybrücke entlang der Außenalster bis zur Krugkoppelbrücke, die Verlängerung der Veloroute 3 ab Rutschbahn über Schlüterstraße (Universität) zum Jungfernstieg, Veloroute 1 vom Axel-Springer-Platz bis zur Autobahn A7 in Othmarschen, Veloroute 10 vom Bahnhof Harburg (Moorstraße) bis zur Bezirksgrenze Wilhemsburg/Veddel, Veloroute 5 in Barmbek von Poppenhusenstraße bis Langenfort, sowie ein Abschnitt des äußeren Veloroutenringes in Wandsbek. Bei den meisten neuen Velorouten handelt es sich vorerst um Teilstücke, lediglich die Veloroute 1 soll über einen langen zusammenhängenden Abschnitt fertiggestellt werden.

Im Fahrradbeirat der Baubehörde konnte der ADFC zu einigen Planungen vor Baubeginn Stellung beziehen. Positiv überrascht waren die ADFC-Vertreter von dem hohen Ausbauniveau in Harburg an der Hannoverschen Straße und der Kreuzung Johannes-Brahms- und Sievekingsplatz. Sehr enttäuscht waren sie von den vorgestellten Planungen zur Kaiser-Wilhelm-Straße, sowie der Feldstraße und dem Neuen Kamp in St. Pauli. Einige Verbesserungsvorschläge konnte der ADFC mit auf den Weg geben, die bei der baulichen Umsetzung berücksichtigt werden sollen. Bei anderen Kritikpunkten gingen die Meinungen weit auseinander.

Insgesamt wird über das Veloroutennetz der Ausbaustand gerade an Kreuzungen und Hauptverkehrsstraßen gesteigert. Langes Warten, Inselhüpfen und die gefährlichen verschwenkten Radfurten werden dadurch aufgehoben sein. Das Geld ist damit sicherlich gut angelegt. An einigen Stellen wird es leider nur beim Austausch der alten Radwegsteinchen gegen neue größere Steine bleiben und damit die schlechte Anlage (geringe Breite, Zickzackkurs, Konflikte mit Fußgängern) erhalten bleiben. Die vollkommen neue Wegweisung wird mehr Radverkehr auf den Veloroutenabschnitten erwarten lassen, wie Zählungen der Baubehörde für die Route 3 ergaben. Ohne notwenige bauliche Verbesserungen werden dann allerdings einige Abschnitte vollkommen überlastet sein. Dies betrifft beispielsweise die Veloroute 4 an der Außenalster, wo der Radweg nicht einmal auf das in der StVO verankerte Normalbreitenmaß gebracht wird.

StVO-Novelle Die Umsetzung der vom Gesetzgeber vorgegebenen StVO-Änderung ist in Hamburg gemischt ausgefallen. Bei der Umsetzung der StVO-Novelle ist besonders die Öffnung der Einbahnstraßen positiv hervorzuheben. Bei der Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht sind die Positionen zwischen der Innenbehörde und dem ADFC noch weit auseinander entfernt. Vor allem ist die Stadt Hamburg kaum in der Lage, die vielen Radwege in verkehrsgerechtem Zustand zu halten. Nur nutzbare Radwege aber sollen die Benutzungspflicht gemäß der Vwv-StVO erhalten. Trotz 1400 km Radwege Radwege an Hauptverkehrsstraßen sind gerade diese wichtigen Radwege beeinträchtigt durch bauliche Mängel und mangelnde Wartung (Beeinträchtigung durch Straßenbegleitgrün und Bäume, kein Winterdienst, keine Reinigung von Streumitteln), oder aber durch Geschäftsauslagen, die Radwege und angrenzende Gehwege auf ein Minimum reduzieren.