Verkehr, Pressemitteilung
30.06.2015

Wie fahrradfreundlich wird Hamburg?

erstellt von Dirk Lau, Jens Deye

Der ADFC begleitet Radfahrer auf der Osterstraße, damit diese sich die Fahrbahnbenutzung zutrauen. Dank neuer Schutzstreifen wird das bald nicht mehr nötig sein.

ADFC fordert anlässlich der heutigen Informationsveranstaltung im Hamburg-Haus zur „Stadtraumerneuerung Osterstraße“ die Einführung von Tempo 30 in der Haupteinkaufsstraße Eimsbüttels.

Im Herbst 2015 ist es soweit: Nach langjährigen Diskussionen und Planungen beginnen die Arbeiten in der Osterstraße zwischen Schulweg und Methfesselstraße, die zu einer modernen und attraktiven Einkaufsstraße umgebaut werden soll. Radfahrer fahren dort dann sicher und komfortabel auf der Fahrbahn, Querungshilfen in der Mitte der Fahrbahn erleichtern Fußgängern das Wechseln der Straßenseite und die Kfz-Stellplätze werden deutlich reduziert. Dafür kommen neue Abstellanlagen für Radfahrer und eine neue StadtRAD-Station nahe des U-Bahnhofs hinzu.

„Die Planung zeigt einen deutlichen Wandel im Denken, wie wir unsere Straßen zukünftig nutzen und erleben wollen“, lobt Jens Deye vom ADFC Eimsbüttel. Der Straßenraum würde insgesamt durch den Umbau aufgewertet und attraktiver gemacht. Außerdem trügen die Straßenverengungen zur Verlangsamung des Kfz-Verkehrs bei und machten die Osterstraße so sicherer. „Die Planung ähnelt schon sehr dem Shared-space-Prinzip, das für die Osterstraße vor einigen Jahren noch abgelehnt wurde“, so Deye.

Bei allem Lob gibt es aber auch Kritik von den Radfahrern: „Wir haben schon früh davor gewarnt, dass Autofahrer im Bereich der Multifunktionsstreifen, die dem Fußgängern als Querungshilfe dienen sollen, den Mindestabstand von 1,5 m beim Überholen von Radfahrern nicht beachten werden“. Zwar dürften die Multifunktionsstreifen von allen Verkehrsteilnehmern befahren werden, aber sie stellen dann doch eine optische Barriere dar. Werden diese beim Überholen nicht überfahren, kommt es aufgrund der geringen Fahrbahnbreite zum Unterschreiten des Mindestüberholabstands. Autofahrer drängeln sich dann gefährlich nah an den Radfahrern vorbei. Schutzstreifen auf der Fahrbahn, wie sie in der Osterstraße geplant sind, werden Radfahrer aber nur dann akzeptieren, wenn sie sich auf ihnen auch sicher fühlen. „Die zuverlässige Einhaltung eines Überholabstands von mindestens 1,5 m durch Autofahrer ist aber für diese Akzeptanz Grundvoraussetzung“ so Deye.

Die von vielen Anwohnern und dem ADFC geforderte Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 lehnt die Behörde bislang ab. „Hamburgs Innenbehörde steht mit ihrer Meinung zu Tempo 30 aber fast allein, schaut man auf andere Bundesländer“, so Deye. Außerhalb Hamburgs weiß man, dass in belebten Einkaufsstraßen wie der Osterstraße Tempo 30 die Verkehrssicherheit aller erheblich erhöht. „Schon aufgrund des engen Straßenraums halten wir Tempo 30 in der Osterstraße für zwingend notwendig, denn nur so wird die gefühlte und auch reale Gefahr durch zu eng überholende Autofahrer wirksam bekämpft“.

Die angekündigte Überprüfung der Baumaßnahmen durch ein Monitoring begrüßt der ADFC ausdrücklich. Dabei müsse insbesondere auch die Einhaltung des Mindestüberholabstands von 1,5 m überprüft werden. Baumaßnahmen dieser Größenordnung sollten zudem immer durch ein externes Sicherheitsaudit begleitet werden, fordert Deye.

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Weiterführende Links:
Informationsseite des Bezirks:
http://www.hamburg.de/eimsbuettel/osterstrasse/

Studie zu Schutzstreifen auf schmalen Fahrbahnen:
 http://www.nationaler-radverkehrsplan.de/neuigkeiten/news.php?id=4202

Information zu externen Sicherheitsaudits:
http://www.bast.de/DE/FB-V/Fachthemen/v1-sicherheitsaudit/v1-sicherheitsaudit.html

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