Pressemitteilung
17.03.2006

Winterdienst auf Radwegen dringend erforderlich

erstellt von Stefan Warda
Benutzungspflichtiger Radweg Ludwig-Erhard-Straße im Winter

Hamburgs Radwege werden im Gegensatz zu Fahrbahnen und Gehwegen immer noch nicht in den Winterdienst einbezogen. ADFC fordert ein Ende der Ignoranz gegenüber Radfahrern.

Hamburgs Autofahrer halten einen Winterdienst auf den Straßen für selbstverständlich. Radfahrer dagegen fühlen sich derzeit diskriminiert. Denn im Gegensatz zu Fahrbahnen und Gehwegen werden Radwege in Hamburg traditionell nicht in den Winterdienst der Stadtreinigung und Anlieger einbezogen. Schlimmer noch: Derzeit lagert auf den meisten Radwegen der von den Gehwegen abgeräumte Schnee, trotz Verbots nach dem Hamburger Wegegesetz. Stefan Warda, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Hamburg: »Es wird noch einige Wochen dauern, bis die letzten Reste der Schneehaufen auf den Radwegen abgetaut sind. So lange müssen Radler selbst bei benutzungspflichtigen Radwegen auf die Fahrbahnen ausweichen.«

Auch wenn Radler mangels Winterdiensts auf die Fahrbahnen ausweichen dürfen, scheuen sich allerdings viele, sich auf großen Hauptverkehrsstraßen unter den Autoverkehr zu mischen. Dazu Stefan Warda: »Wer als Radler derzeit auf der Ludwig-Erhard-Straße oder der Sievekingsallee auf der Fahrbahn unterwegs ist, kann erleben, wie er von Autofahrern angehupt und abgedrängt wird. Doch das ist verboten. Autofahrer sollten jetzt besondere Rücksicht auf Radler nehmen.«

Viele Berufstätige und andere, die aufs Fahrrad angewiesen sind, haben allerdings nicht so starke Nerven, sich den Schikanierungen einiger Autofahrer auszusetzen, und fahren trotz Verbots auf den geräumten Gehwegen. Konflikte mit Fußgängern sind wegen des fehlenden Winterdienstes vorprogrammiert. Der ADFC fordert daher, den Radverkehr in Hamburg endlich als gleichwertiges Alltagsverkehrsmittel zu betrachten und die benutzungspflichtigen Radwege und Radfahrstreifen in den Winterdienst einzubeziehen. »Wir fordern ein Ende der Ignoranz gegenüber Radlern im Winter. Viele Radler fahren das ganze Jahr über und sind aufs Fahrrad angewiesen.«

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen empfiehlt, »zumindest auf Hauptverbindungen den Winterdienst anzustreben, um die Fahrradnutzung und die Verkehrssicherheit der Radfahrer im Winter zu erhöhen.« (Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (Hrsg.): Radverkehr in der Praxis – Erfahrungen und Beispiele aus dem In- und Ausland, Berlin 2004, S. 99) In Dänemark ist der Winterdienst auf Radwegen selbstverständlich. Auch in Bremen und Kiel sorgt die Stadtreinigung im Winter für befahrbare Radwege. Die Hamburger ADFC-Experten wundern sich allerdings, warum nicht einmal am Horner Kreisel die Radwege derzeit benutzbar sind. «Wenn über mehrere Wochen im Jahr Radler selbst am Horner Kreisel und anderen mehrspurigen Hauptverkehrsstraßen auf die Fahrbahn müssen, macht die Anordnung der Benutzungspflichten an Hamburgs Radwegen überhaupt keinen Sinn«, meint Stefan Warda.