Pressemitteilung, Verkehr
27.08.2013

Zeitgemäße und ökonomisch sinnvolle Entscheidung – ADFC begrüßt die Abschaffung der Stellplatzverordnung in Hamburg

erstellt von Susanne Elfferding
Fahrradparken

Verbraucht wenig Platz und bringt jeden von Tür zu Tür: Im Stadtverkehr ist das Fahrrad unschlagbar

Alte Zöpfe abschneiden ist gut, denn es befreit. Die Stadt Hamburg hat jetzt einen sehr dicken und sehr alten Zopf abgeschnitten: Ab 2014 entfällt die Pflicht, bei neuen Wohnungsbauvorhaben gleichzeitig neue Kfz-Stellplätze schaffen zu müssen. Auch die so genannte Stellplatzabgabe soll gestrichen werden.

„Eine zeitgemäße und ökonomisch sinnvolle Maßnahme“, sagt Susanne Elfferding vom ADFC Hamburg. „Wir begrüßen diese Senatsentscheidung, zumal die Bauherren weiterhin verpflichtet sind, Fahrradabstellplätze zu errichten“. Dies erleichtere nicht nur die Schaffung von neuem, dringend benötigtem Wohnraum in der Stadt, sondern sei auch ein Signal für ein verkehrspolitisches Umdenken: Weg von der unterschwelligen Förderung des Autoverkehrs, hin zu einer nachhaltigen und zeitgemäßen Mobilität.

Die Pflicht, beim Wohnungsbau für Kfz-Stellplätze zu sorgen, geht auf die  nationalsozialistische Reichsgaragenordnung von 1939 zurück: Der „KdF-Wagen“ war geboren, das Hitler-Regime träumte von Massenmotorisierung – und stellte mit der Garagenordnung den motorisierten „Volksgenossen“ als Vorleistung und Kaufanreiz schon einmal die Parkplätze zur Verfügung.

Diese Zeiten sind vorbei: Immer mehr Menschen wenden sich inzwischen genervt vom Auto ab, das unsere Städte verstopft und das weniger fährt,  als dass es im Stau steht oder sonstwie knappen Raum verbraucht. Internet und Smartphones lösen das Auto als Statussymbol ab, die Anzahl der jungen Leute sinkt, die einen Führerschein machen, und für mehr und mehr Stadtbewohner ist das Auto etwas, das man nicht besitzen muss, sondern sich leiht, wenn man es braucht. 44 % der Haushalte in Hamburg haben schon heute kein eigenes Auto – und das sind beileibe nicht nur die, die es sich nicht leisten können.

„Wer verkehrsgünstig wohnt, ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrad sowieso besser bedient“, so Elfferding. Die Befürchtung des Automobilclubs ADAC, der Wegfall der Verordnung erhöhe die Parkplatznot in den innenstadtnahen Quartieren, sei typische Angstpropaganda. Laut Aussage des Hamburger Grundeigentümerverbands seien Stellplätze oft gar nicht gebaut worden, stattdessen hätten die Bauherren einfach die Abgabe gezahlt. Das könne künftig der Markt mit Angebot und Nachfrage regeln.