Pressemitteilung, Verkehr
11.01.2010

Zwei Jahre Radverkehrsstrategie – ADFC mahnt sichtbare Fortschritte an

erstellt von Torsten Prinzlin

So könnte die Zukunft in Hamburg aussehen

Am 11.01.2008 stellte der damalige Verkehrssenator Axel Gedaschko die „Radverkehrsstrategie für Hamburg“ vor. Das von Behörden, Verbänden sowie CDU, GAL und SPD erarbeitete Maßnahmenpaket sieht vor, dass der Radverkehrsanteil bis 2015 auf 18 % verdoppelt wird. Als einer der an der Ausarbeitung beteiligten Vereine zieht der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) heute eine Zwischenbilanz.

Mit der Verdoppelung des Radverkehrsanteils hat sich die Stadt ein ambitioniertes Ziel gesteckt, das nur durch eine systematische Arbeit zu erreichen ist. Davon ist bislang noch nichts zu spüren. „Uns war bewusst, dass nicht alles sofort besser wird, dass es auch in der Folge noch die eine oder andere Baumaßnahme geben würde, die das Fahrrad als Verkehrsmittel benachteiligt. Gleichwohl muss sich die Behörden bei Neubauten und Instandsetzungen nun seit zwei Jahren an der Radverkehrsstrategie messen lassen.“, so Torsten Prinzlin (42), Vorstandsmitglied des ADFC Hamburg.

Doch statt nun endlich auf Radfahrstreifen zu setzen, saniert die Behörde vorhandene Hochbordradwege. Prinzlin: „Damit wird genau so weitergemacht, wie in den letzten 40 Jahren. Stets vorgebrachtes Argument: Man saniere ja nur ein Teilstück der Strecke“. Wenn aber jedes kaputte Teilstück in antiquierter Technik saniert wird, bleibt das ganze Werk ebenfalls weit entfernt vom Stand der Technik, meint der ADFC. Auch besteht nach wie vor in vielen Straßen eine rechtswidrige Radwegebenutzungspflicht. Außerdem gibt es an einer großen Reihe von Kreuzungen Bettelampeln, die Radfahrer und Fußgänger massiv diskriminieren.

Besonders ärgert die Radlerlobby auch, dass unter Verkehrssenatorin Anja Hajduk sogar neue Bettelampeln installiert wurden. „Was nützt uns eine Behörde, die Verständnis äußert, eine Radverkehrsstrategie, die einen höheren Radverkehrsanteil anstrebt, ein Senat, der etwas für den Klimaschutz tun will, wenn die Radfahrer und Fußgänger in der Praxis gegenüber dem Autoverkehr weiterhin benachteiligt werden?“, fragt Prinzlin.

Gegenüber früher haben sich allerdings auch einige Verbesserungen ergeben. So investiert die Stadt endlich mehr Geld in die Förderung des Fahrradverkehrs, wurde 2009 das Fahrradleihsystem StadtRad Hamburg gestartet, 1.000 neue Abstellbügel installiert und in diesem Jahr die personelle Situation in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) leicht verbessert. Für die Alltagsradler sind Fortschritte aber bislang nicht bemerkbar und der ADFC fordert daher von Senatorin Anja Hajduk eine deutliche Beschleunigung der Aktivitäten. „Hamburgs Radfahrer warten immer noch auf mehr Radfahrstreifen auf der Fahrbahn, den Bau von Velorouten als direkte Verbindung zwischen den Stadtteilen und eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit pro Fahrrad.“, so Torsten Prinzlin.

Wenn die Europäische Umwelthauptstadt 2011 ihr Tempo bei der Umsetzung der Radverkehrsstrategie nicht deutlich erhöht und endlich auch strukturelle Veränderungen im Verkehrsbereich vornimmt, dann wird es sehr schwer werden, die selbst gesteckten Ziele zu erreichen.
In diesem Jahr können Senatorin und Behörde beweisen, wie ernst es ihnen mit der Förderung des Radverkehrs ist.