21.09.2014

Schön weiter bissig bleiben

Von: Michael Link
Mit dem Bericht über die Arbeit des letzten Jahres verabschiedete Kirsten Pfaue sich von der Vorstandsarbeit.
Mit dem Bericht über die Arbeit des letzten Jahres verabschiedete Kirsten Pfaue sich von der Vorstandsarbeit.

Wenn ein Vorstand aufhört, muss doch etwas vorgefallen sein, oder? Kirsten Pfaue kandidierte nach sechs Jahren im Amt nicht wieder, ebenso Ingo Seidt. Wer wissen wollte, warum und wie es jetzt in Hamburg mit dem ADFC weitergeht, konnte es auf der Landesversammlung erfahren.

»Mach du mal!«, hieß es bei der Redaktionsbesprechung zum Thema Landesversammlung: »Du warst ja noch nicht da, vielleicht kommt da mal was anderes?« So unter den Druck eines Rennradreifens gesetzt, finde ich mich in der Geschäftsstelle ein. Draußen herbstelt es schon ein wenig, die Blätter im Gang zeugen davon. Ganz schön viele Räder stehen hier, mehr als sonst. Und drinnen ist es voll, insgesamt sind 44 Mitglieder hier.

Lebhaftes Plaudern untereinander. Die meisten kennen sich: Von Arbeitskreisen, Touren und der Radreisemesse vielleicht. Hier und da schwirren Namen durch den Raum. Ach, DU bist also Susanne Elfferding (mit den zwei ff im Namen), aha: Du bist also Jens Deye. Ein Blick auf die Uhr: 13:59 Uhr, also T minus eins.

Pünktlich geht es los. In einer Reihe vor der Frontalbestuhlung sitzt der Vorstand. Interessant: Es gibt keine Tisch-Barriere, der Laptop für den Beamer steht auf einem Stuhl, Dirk Pfaue davor bearbeitet ihn vor freundlich neckendem Publikum so virtuos wie Schroeder das Piano bei den Peanuts.

Los geht’s mit der Wahl der Versammlungsleitung, welche Katrin Rhode zur Chefin im Ring macht. Sie erklärt die Spielregeln, nach denen die knappe Zeit so gut wie möglich genutzt werden soll. Die Vorständler stellen sich kurz vor, denn es sind doch einige im Raum, die noch nie bei einer Landesversammlung waren. Wie ich.

Aufhören, wenn es am schönsten ist

Kaum Luft geholt, schon geht es weiter mit dem Vorstandsbericht von Kirsten Pfaue. Sie erklärt: »Ich habe ganz zu Beginn klar gesagt, dass für mich nach spätestens sechs Jahren in Vorstandsposten Schluss ist!« Die wichtigsten Dinge liefen jetzt gut, sagt sie und wünscht dem ADFC noch: »Bleibt weiter bissig. Der ADFC Hamburg ist das Enfant terrible des ADFC in Deutschland.« Bei Ingo Seidt, der verhindert ist, sind es berufliche Dinge, die ein Kürzer- und damit Zurücktreten nötig machen.

Eine Powerpoint-Präse als Gedankenstütze im Hintergrund, erklärt Kirsten Pfaue, wie sie das letzte Jahr sieht: Als erstes hebt sie die starke Öffentlichkeitsarbeit hervor. Von Mopo bis Abendblatt liest man plötzlich viel, das darauf schließen lässt, dass der Groschen auch in den Redaktionen gefallen ist. »Schuld« daran seien besonders Dirk Lau und Merja Spott, sagt Kirsten Pfaue. Auch sei der Webauftritt weiter verbessert worden.

Ein wichtiger Erfolg sei, dass Kirsten Pfaue und Susanne Elfferding auf Einladung des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz bei der »Fahrradwerkstatt« einen Vortrag halten konnten. Dort sitzen 45 Entscheidungsträger aus der Verwaltung. Kirsten Pfaue stellt fest, dass der ADFC Hamburg ein etablierter Ansprechpartner in Sachen Radverkehrsplanung geworden sei und freut sich, dass die langwierigen Arbeiten in den Arbeitskreisen und Bezirksgruppen nun auch immer öfter Früchte tragen.

Die zweite Säule des Vereins, die Touren, haben besonders nach dem Aktivenwochenende noch einmal einen Schub bekommen. So soll es ab 2015 für Tourenleiter endlich möglich sein, ihre Touren selbst online einzugeben. Und aus dem Aktivenwochenende gibt es auch ein paar Ideen, das Tourenprogramm noch attraktiver zu machen.

Wahl ohne Qual

Der neue Vorstand: Kirsten Annuschat (Vorsitzende), Dirk Pfaue, Dirk Lau, Susanne Elfferding
Der neue Vorstand: Kirsten Annuschat (Vorsitzende), Dirk Pfaue, Dirk Lau, Susanne Elfferding

Nach dem Resümee die Frage: Wie geht es weiter? Das soll die folgende Wahl zeigen. Als neue Vorsitzende kandidiert Kirsten Annuschat. Die 51-jährige Juristin ist seit 2009 im ADFC und war zuerst in der Bettelampel-AG aktiv. Ihre Wahl zur Landesvorsitzenden ist nach Ihrer Vorstellung und einigen Antworten auf Nachfragen aus dem Publikum wohl nur Formsache, denn Kirsten Annuschat ist bereits durch den Vorstand in viele Dinge eingearbeitet worden – für den erhofften fließenden Übergang. Auch das weitere Vorstandsteam mit Dirk Lau sowie Susanne Elfferding und Dirk Pfaue braucht bei nur wenigen Gegenstimmen nicht die Stühle in der ersten Reihe zu räumen.

Als Ausblick für die nächste Zeit nennt Susanne Elfferding die Themen »Tempo 30« sowie »Abbiegeunfälle«, die der Politik und Verwaltung näher zu bringen seien.

Dirk Pfaue kündigt an, dass für das folgende Jahr auch daran gearbeitet werde, eine Gruppe Jugendlicher aus Hamburg zum Jugendfahrrad-Festival zu bringen, das alle zwei Jahre stattfindet.

Ach so: Die Finanzen stimmen. Der Punkt kann nach Erläuterungen von Dirk Pfaue und der Ende August ohne Makel überstandenen gründlichen Rechnungsprüfung schnell abgehakt werden. Finanziell ist der ADFC Hamburg gesund, dafür sorgt unter anderem das Mitgliederwachstum.

Ein Antrag auf Satzungsänderung wurde abgelehnt. Im nächsten Jahr steht allerdings eine umfangreichere Neufassung der Satzung an, wie Dirk Pfaue erläuterte.

Um 17.11 Uhr ist alles abgearbeitet, Für mich als Erstgänger war es spannend, zu sehen, wie die dem Namen nach bekannten Akteure live und in Farbe wirken. Und damit waren nicht nur die vorn Sitzenden gemeint.

Michael Link in der RadCity 5/2014

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