09.08.2013

Was auf die Kette bekommen

Von: Dirk Lau

Das ADFC-HVV-Faltrad ist ein Verkaufsschlager, der AK Tour kommt auf Touren, die ersten Radreisenden erreichen St. Petersburg und der AK Verkehr startet neu durch – ein bewegtes und auch bewegendes Jahr liegt hinter uns.

Hamburgs Radfahrende empfinden das Verkehrsklima und die Bedingungen in ihrer Stadt immer noch als mies, wie der letzte Fahrradklimatest des ADFC zeigt. Die mannigfaltigen Aktivitäten des Vereins haben daran bislang wenig ändern können. Eine rekordverdächtige Radreisemesse, frei gegebene Einbahnstraßen, Omnipräsenz des Themas Fahrrad in den Medien, zahllose Gespräche und Termine mit Politikern und Behördenvertretern, aufgehobene Benutzungspflichten – all das auch nicht. Hamburg wird dank »Scholz & Friends« immer noch als Autostadt erfahren, in welcher der Radverkehr nur eine untergeordnete Rolle auf den Straßen und in den Köpfen der Planer und Entscheider spielt. Wenn sich etwas tut in Sachen Radverkehr und moderne Mobilität, dann im Schneckentempo – ohne Schwung, Plan und politischen Willen.

Dass der ADFC Hamburg sich von diesem Stillstand in der Verkehrspolitik aber nicht entmutigen lässt, zeigt der Blick zurück auf das vergangene Jahr und dessen – aus Sicht des Vorstands – bemerkenswerteste Ereignisse.

Geschäftsstelle und Mitglieder

Die Arbeit eines Vereins und seiner Aktiven schafft es in den seltensten Fällen auf die Titelseite. Aber auch die geräuschlosen Dinge kosten viel Mühe und Zeit. So galt es im Frühjahr 2013 in der Geschäftsstelle den Übergang zu regeln von Johanna Drescher, die in Mutterschutz ging, auf Arne Meier, der sie solange vertritt. Das klappte prima und wir begrüßen ein neues Vereinsmitglied, das definitiv den Altersdurchschnitt senkt: die am 18. Mai 2013 geborene Rosa. Überhaupt gibt die Mitgliederentwicklung Anlass zur Freude: Die Mitgliedszahlen stiegen im letzten Jahr um mehr als zwei Prozent, berichtet der zuständige Vorstand Dirk Pfaue.

Und auch das neue Leitungsteam des Arbeitskreises Tour kommt immer mehr auf Touren. So wurde der regelmäßige Austausch mit den TourenleiterInnen wieder aufgenommen und auch die Tourenbeiträge noch einmal geändert. »Schön, dass sich dieser für den ADFC so wichtige Bereich dank der vielen neuen Aktiven konsolidiert«, freut sich Pfaue.

Kooperationen

Eine der Fahrrad-Veranstaltungen im Rahmen des Kirchentags in Hamburg
Eine der Fahrrad-Veranstaltungen im Rahmen des Kirchentags in Hamburg

Viel passiert ist auch im Bereich Kooperationen. Auf Einladung des deutschen Generalkonsulats flog ADFC-Landesvorsitzende Kirsten Pfaue in Hamburgs Partnerstadt St. Petersburg, um dort anlässlich des Europatags an einer Fahrradparade durch die Stadt teilzunehmen. Auf der anschließenden Podiumsdiskussion warb Pfaue für das Radfahren als zeitgemäße Mobilitätsform in den Städten.

Die alte russische Hauptstadt ist auch das Ziel der Radreise Hamburg – St. Petersburg, die der ADFC Hamburg seit 2011 zusammen mit der Landpartie anbietet. 2013 verwirklichen die ersten TeilnehmerInnen, die 2011 auf die Reise gingen, bei der Ankunft in St. Petersburg ihren Lebenstraum. Erstmalig fahren 2013 mehr als 250 TeilnehmerInnen auf allen drei Etappen mit. Von Riga nach St. Petersburg begleitet sie diesmal Merja Spott. Die Referentin für Verkehr hatte seit Ende 2012 den Evangelischen Kirchentag in Hamburg für den Verein bearbeitet. Aus Fördergelder konnte Merjas Stelle dafür befristet um zehn Stunden pro Woche aufgestockt werden. Die ADFC-Aktion »Autofreie Willy-Brandt-Straße« am 4. Mai 2013 kam sehr gut an. Einmal mehr zeigte sie, wie viel Platz für Autos in Hamburg verschwendet wird.

Einen Überraschungserfolg landete der ADFC mit dem Faltrad, das er zusammen mit dem HVV an den Start brachte. Die Nachfrage war so groß, dass es zu Lieferengpässen kam. Wenn jetzt noch die Sperrzeiten für die Fahrradmitnahme wegfallen, wird der Umweltverbund in Hamburg richtig stark.

Im Bereich Radreise-Messe steht ein Wechsel an: Das Team um Uwe, Heidrun und Jürgen war 2013 letztmalig für die Durchführung verantwortlich – und verabschiedete sich mit einer sehr erfolgreichen Messe. Bis Nachfolger gefunden sind, übernimmt die Geschäftsstelle mit Arne hauptamtlich die Leitung des ehrenamtlichen Messeteams.

Verkehrspolitik

Aus dem Bereich Verkehr ist die Gründung einer kleinen, feinen Lenkungsgruppe zu melden. Der neue AK Strategie kümmert sich nun um die grundsätzliche verkehrspolitische Ausrichtung des ADFC. Damit hat der AK Verkehr den Rücken frei, um Positionen und Stellungnahmen zu Themen auf Landesebene effizient auszuarbeiten. Als großer Erfolg verbucht werden darf auch die ADFC-Kampagne zur Freigabe von Einbahnstraßen: 200 weitere Hamburger Straßen sind nun in Gegenrichtung für Radler freigegeben. »Wir bleiben am Ball!«, verspricht Vorstandsmitglied Susanne Elfferding für den Rest.

Im Rahmen der »Schon gecheckt«-Aktion im Frühjahr 2013 warb der ADFC für gegenseitige Rücksichtnahme und Fahrbahnradeln. Erstmals thematisierte man auch den Seitenabstand von Autos beim Überholen. Ein »Selbstversuch« der Polizei in Niendorf lässt hoffen, dass das Bewusstsein für sicheres Überholen auch bei Kfz-Verkehrsteilnehmern langsam steigt.

Dirk Lau in RadCity 4/2013