RadCity, Verkehr
02.12.2009

Der Wirt greift in den Lenker

Von: Amrey Depenau
Evtl. verlockendes Angebot

Nach der Kneipe besser schieben

War ja ein super Abend neulich im Blauen Peter. Morgens um fünf wollte unser Partyhengst – nennen wir ihn Torben – dann aufs Fahrrad steigen, das er so schön gegenüber geparkt hatte. Doch jemand tippte ihm auf die Schulter: »Willst du echt noch Fahrrad fahren?«, fragte die Tresenfrau, die ihm eben noch die letzte Astra-Knolle verkauft hatte…

Jolly Roger – Budapester Straße

So oder ähnlich sollte es im Idealfall ablaufen: Das Personal in den Vergnügungsläden hat ein Auge darauf, wer sich sturzbetrunken in den nächtlichen Straßenverkehr begibt. Die Praxis sieht oft anders aus. »Tatsächlich bekommt man ja gar nicht mit, wer so alles wann und wie in die Nacht verschwindet. Und man weiß schon gar nicht, wie die Leute überhaupt da sind«, so Sven vom Jolly Roger in der Budapester Straße. Nur wenn jemand kaum noch stehen kann oder am Tresen einschläft, ruft das Personal schon mal ein Taxi.

Knust – Feldstraße

Anders im Knust. Hier ist die Lage nicht ganz so unübersichtlich. Dirk, der selbst vor einigen Jahren von Bier auf Mate und Selters umgestiegen ist, spricht öfter mal jemanden an, wenn er sieht, dass dieser betrunken auf das direkt vor der Tür geparkte Rad steigen will. »Ich weiß, wie teuer das werden kann. Vor ein paar Jahren musste ich nach einem leichten Unfall mit dem Rad pusten und war gleich einige hundert Euro ärmer.« Natürlich geht es ihm nicht nur um Konflikte mit der Polizei, sondern vor allem um die Gesundheit der Gäste: »Ich empfehle öfters Gästen, doch mal lieber nach Hause zu schieben.«

Familien-Eck – Alma-Wartenberg-Platz

Ähnlich hält es auch Türmann Rambo vom Familien-Eck in Altona. Gerade neulich hat er wieder einen Kumpel davon abgehalten, nach mehreren Drinks noch aufs Rad zu steigen. »Ich steh‘ draußen und hab mich gerade von ihm verabschiedet, da geht der zu seinem Rad und will schon losfahren. Ali, sag ich, keine gute Idee. Geh mal lieber zu Fuß. Das Rad ist morgen auch noch da.« An der Tür kriegt Rambo natürlich viel mit und kann wesentlich schneller eingreifen als z. B. das Tresenpersonal. »Klar, hier trinken die Leute ordentlich und wir haben viele Stammgäste. Da muss man schon ein Auge darauf haben, wie die nach Hause kommen.«

Wahrscheinlich ließe sich die Liste lange fortführen. Das Bewusstsein für die Gefahr ist auf jeden Fall bei vielen vorhanden. Der beste Schutz gegen Dummheiten bleibt aber wohl, am besten gar nicht erst mit dem Rad zum Tresen meiner Wahl hinzufahren. Schlimmstenfalls stehe ich dann im Suff draußen vor dem Lokal und suche mein Rad ;-)

Amrey Depenau in RadCity 6/2009