Rund ums Rad, Verkehr
01.12.2009

Teures Guinness

Von: Michael Prahl
Wer hier aufwacht, hat zu tief ins Glas geguckt: ...
... Ausnüchterungszelle in der Polizeiwache Sedanstraße

 

950 Euro Strafe für betrunkenen Radfahrer

Hamburg im Juli 2006. Mit einem feucht-fröhlichen Bummel über den Hamburger Dom hat die Geburtstagsparty begonnen, um dann etliche Stunden und ungezählte Gläser Guinness später im Irish Pub an der Feldstraße zu enden.

Jens-Peter (44) ist mit dem Fahrrad gekommen, denn seinen Führerschein will er nur höchst ungern riskieren. Es ist spät geworden. Er verabschiedet sich von den Freunden und besteigt sein »Kneipen-Fiets«. Er fühlt sich großartig und genießt die frische Sommerluft.

Ohne Probleme verläuft die Heimfahrt durch das nächtliche Karo- und Univiertel, bis der fröhlich pfeifende Radler in der Hallerstraße von gleißendem Blaulicht geblendet wird: Eine Polizeistreife blockiert seinen Weg.

Schlangenlinien sei er gefahren und das Rotlicht an der Kreuzung Rothenbaum­chaussee habe er missachtet – ob er Alkohol getrunken habe, fragen die Beamten. Der anschließende Sofort-Test vor Ort ergibt ansehnliche 1,6 Promille Blutalkohol.

Bis der Arzt kommt

Jens-Peter kann die freundliche Einladung auf die Revierwache 17 in der Sedanstraße nicht ablehnen und findet sich bald darauf in der Ausnüchterungszelle wieder. Die herbeigerufene Medizinerin ermittelt dann die »offizielle B-Note« von 1,59 Promille.

Entlassen in die Nacht stellt der Zecher erleichtert fest, dass er zwar nicht im Vollbesitz seines Gleichgewichtssinnes, wohl aber noch seiner Fahrerlaubnis ist.

Schlangenlinien bei Rotlicht – eine teure Angelegenheit

Monate später ergeht der richterliche Beschluss über ein Bußgeld von 950 Euro, zahlbar in Raten an eine gemeinnützige Organisation, die sich für Suchtkranke einsetzt. Mit Anwaltshilfe gelingt Jens-Peter immerhin ein Vergleich, der den Betrag auf 850 Euro reduziert. Davon hätte man immerhin zwei Wochen »Mallorca all inclusive« oder eine Taxifahrt nach Köln bekommen ...

Michael Prahl in RadCity 6/2009