08.04.2010

ADFC protestiert gegen Bettelampeln

Von: Online-Redaktion

Aktion in Barmbek

 

Auf die negativen Folgen der Bettelampeln wies der ADFC einmal mehr am 8. April 2010 hin. An der Kreuzung Habichtstraße/Bramfelder Straße verteilte die Projektgruppe Bettelampeln des Vereins Flugblätter. Schon in den Tagen zuvor zeigten Aufkleber an Bettelampel-Masten nicht Motorisierten auf, bei wem sie sich für diese neue Technik »bedanken« dürfen. NDR 90,3 machte einen Bericht über die Aktion, den wir hier mit freundlicher Genehmigung zum Nachhören anbieten.

Hintergrund und "Definition" Bettelampeln

An Bettelampeln müssen Fußgänger und Radfahrer rechtzeitig eine Taste drücken, um gleichzeitig mit dem parallelen Autoverkehr Grün zu bekommen, ansonsten bleibt es bei Rot. Autos hingegen bekommen an diesen »adaptiven« Ampelschaltungen grundsätzlich Grün wenn sie eine Kontaktschleife überfahren haben oder wenn parallel die Fußgänger/Radfahrer-Taste gedrückt wurde.

Grund für die Benachteiligung des nicht-motorisierten Verkehrs: So will der Senat den Fluss des motorisierten Verkehrs verbessern – das sei eine Maßnahme für den Umweltschutz.

Der ADFC lehnt Bettelampeln ab:

  • Behinderungen im Alltagsverkehr: Das Anpassen der Geschwindigkeit von Radfahrern an die Ampelschaltfolge der täglichen Strecke wird unmöglich gemacht.
  • Steigende Gefahren: Das Fahren und Gehen bei Rot nimmt zu, weil der Sinn solcher Bettelampeln nicht eingesehen wird, z.B. weil es gar keine Abbieger gibt.
  • Mehr Umweltschäden: Steigender Verkehrsfluss bedeutet nämlich noch mehr noch schneller fahrende Autos.
  • Dreck machen wird belohnt: Bettelampeln sind eine Diskriminierung von Fußgängern und Radfahrern gegenüber dem motorisierten Verkehr, dessen Vorrang gerade damit begründet wird, dass er mehr Dreck macht.

Bettelampeln wurden in den letzten Jahren vor allem im stadtnahen Osten – Bramfeld, Barmbek, Wandsbek – eingerichtet. Insgesamt gibt es derzeit ca. 120 solcher Ampelschaltungen.

Der ADFC fordert:

  • Fußgänger und Radfahrer erhalten bei jedem Phasendurchlauf automatisch Grün.
  • Fußgänger und Radfahrer erhalten die maximal mögliche Grünzeit bezogen auf das parallele Autogrün.
  • Ist die Breite der zu überquerenden Fahrbahn größer als 7 Meter, so sollten Radfahrer ein eigenes Signal bekommen, das ihre höhere Geschwindigkeit grünverlängernd einrechnet.

Neue Entwicklung – ändert die BSU jetzt ihre Politik?

Der ADFC bringt bei allen Gesprächen mit VertreterInnen von Politik und Verwaltung diese Punkte auf den Tisch. Am 9. März 2010 nun antwortete der Senat auf eine Große Anfrage von SPD-Abgeordneten: »Es werden keine Lichtsignalanlagen mit Anforderungstaster nur für Schaltungen, an denen der Fuß-/Radverkehr nicht gemeinsam mit dem parallelen Kfz-Verkehr Grün erhält, geplant.
Im Rahmen der ständigen Programmpflege der Lichtsignalanlagen ist vorgesehen, bis auf begründete Ausnahmefälle alle Anforderungsschaltungen, an denen Fußgänger und Radfahrer nicht immer parallel zum Kfz-Verkehr Grün erhalten, im Rahmen der hierfür zur Verfügung stehenden Ressourcen abzuändern.«

»Wir fordern sofortiges Umschalten«, sagt Birte Segger von der AG Bettelampeln des ADFC, »wir wollen nicht warten, bis vielleicht in einem Jahr die Ampel xy mit der Programmpflege an der Reihe ist!«
Ärgerlich sei, dass Frau Hajduk als Grüne Senatorin die Umschaltung nicht längst veranlasst hat. »Als die GAL noch in der Opposition war, hat sie sich konsequent gegen Bettelampeln ausgesprochen.«

Der ADFC zeigt die anhaltende Wirkung von Bettelampeln.