01.04.2011

Fernbedienung gegen Bettelampeln entwickelt

Von: Online-Redaktion

In Hamburg bremsen Bettelampeln tagtäglich Fußgänger und Radfahrer aus. Wer sich besonders umweltfreundlich fortbewegt, wird benachteiligt – so macht man klimaschädigende Verkehrspolitik.

Die Verantwortlichen in Hamburg waren und sind nicht bereit die Bettelampeln abzuschaffen. Deshalb suchte man beim ADFC nach einer Möglichkeit das Problem auf technische Weise zu lösen. Ziel war es, die berührungssensitiven Ampeltaster so zu manipulieren, dass sie immer eine Grünanforderung auslösen.

Fußgänger und Radfahrer würden dann bei jedem Ampelumlauf Grün erhalten – so wie man es als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer auch erwartet.

»Mit einfachen Mitteln ließen sich die Anforderungstaster nicht manipulieren«, sagt Karl Michelberg (Name geändert). Versuche gab es viele: Aufkleber, beheizte (!) Aufkleber, im Winde flatternde Fähnchen, die Versuchsweise zerstörungsfrei an den Tastern angebracht wurden: Das alles funktionierte nicht.

»Ich habe dann zufällig das Umprogrammieren einer Ampelkreuzung beobachtet. Da stand ein  Ingenieur und griff drahtlos per Laptop in den Ampel-Steuerschrank ein«, erzählt Michelberg schmunzelnd. Ein unverfängliches Gespräch mit dem Wartungstechniker ergab, dass eine Bluetooth-Verbindung auf die Ampelsteuerung zugreift.

Der Ehrgeiz einiger ADFC-Tüftler war geweckt! »Es hat uns dann allerdings doch zahlreiche Nächte mehr als erwartet gekostet«, meint Michelberg, »denn die Verschlüsselung war nicht leicht zu knacken«.

Anfang April stellt der ADFC nun den Prototypen eines Senders vor, der viel Ähnlichkeit mit einer etwas altmodischen Fernbedienung hat. »O. k. das Ding gewinnt keinen Designpreis. Aber es erfüllt seinen Zweck. Es schickt einen  Code an die Ampelsteuerungen, die diesen dann als Grünanforderung durch einen der Anforderungstaster interpretieren«. Wie beim traditionellen Tastendruck an der Ampel gibt es für Fußgänger und Radfahrer bei nächster Gelegenheit Grün.

Die Bettelampeln verlieren so ihren Schrecken.

Erstes Exemplar der Ampel-Fernbedienung: bewährt sich seit drei Wochen im Alltagseinsatz im Raum Bramfeld/Barmbek.

Die Bauteile für den Sender gibt es in jedem Elektronikfachmarkt. So wird der verwendete Bluetooth-Sender mit einer Reichweite von ca. 100 Metern normalerweise in drahtlosen WLAN-Netzen bei größeren Betrieben eingesetzt – ein Standardbauteil also. Die ADFC-Bastler arbeiten nun noch an der Miniaturisierung des Senders und daran, dass er im Hamburger Alltagseinsatz natürlich absolut wasserdicht sein muss.

Ab Mitte April stellt der ADFC auf dieser Seite Schaltplan und Einkaufsliste der Bauteile  zum Download zur Verfügung. Der reine Materialpreis für den Eigenbau liegt bei ca. 15,- EUR. »Für absolute Anfänger sicher nicht geeignet«, sagt Michelberg, »aber wer mit dem Lötkolben schon mal den einen oder anderen Draht verbunden hat, der kriegt das hier auch hin«.

Ohnehin geht es den ADFClern nicht darum, dass nun jeder Radfahrer ein eigentlich überflüssiges elektronisches Gerät mit sich führt. Er setzt noch immer auf die Einsicht der Behördenleitung: Bettelampeln sind abzuschaffen, Radfahrer und Fußgänger müssen immer zusammen mit dem Autoverkehr der selben Richtung automatisch Grün bekommen.

 

Pressematerial

Fernbedienung sorgt zuverlässig für Grün
Kein unsinniges Warten mehr, während der parallele Autoverkehr fährt: Die Fernbedienung schaltet alle Ampeln im Umkreis von etwa 100 Metern von »Bettelampel« auf »Normalbetrieb«
Aus rechtlichen Gründen hier nicht vollständig zu sehen: Die Technik im Innern des Geräts
»Für versierte Bastler kein Problem« – ADFC-Aktiver Karl Michelberg lötete die Technik am heimischen Küchentisch zusammen
Kleines Gerät macht aus Verkehrsteilnehmern dritter Klasse wieder Gleichberechtigte
Derzeit ist das Gerät in etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel. Als nächstes geht es an die Miniaturisierung. Am Ende sollte die Technik in ein übliches Tachometer-Gehäuse passen
Übrigens auch kein Schaden für den Autoverkehr: Radfahrer und Fußgänger nun wieder mit regelmäßigem Grün
Kirsten Annuschat testet seit drei Wochen den Prototypen und ist begeistert: »Ich spare jeden Morgen fünf Minuten überflüssiges Warten an roten Ampeln auf meinem Weg zur Arbeit«

PRESSEINFO

Fahrrad-Club knackt Bettelampeln – Grün per Knopfdruck

Schon lange sind die sogenannten Bettelampeln in Hamburg ein Ärgernis für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer. Zur Beschleunigung des Autoverkehrs wurden sie im Zuge einer ad-aptiven Verkehrsnetzsteuerung an einigen Ampelkreuzungen in Hamburg installiert. Bettelampeln zwingen sowohl Fußgänger als auch Radfahrer ihre Grünphase über einen Ampeltaster jedes Mal extra anzufordern. Andernfalls bleibt ihre Ampel rot, wenn der parallele Autoverkehr anfährt.

Jeder kennt das kleine Glücksgefühl, wenn man die Grünphase an einer Ampel noch erwischt hat. Bei Bettelampeln ist das die Ausnahme und man darf hauptsächlich eines, nämlich warten. Kein Wunder, dass sich Fußgänger und Radfahrer hier als Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse fühlen.

Dieses Ärgernis versucht der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) schon seit längerem auf verkehrspolitischer Ebene zu beseitigen. Nun hat er auch ein zweites Eisen im Feuer. Findigen Tüftlern des Clubs ist es gelungen einen kleinen Handsender zu konstruieren, mit dem man bereits Grün anfordern kann, wenn man sich der nächsten Ampelkreuzung nähert.

Dabei profitieren die Tüftler von der gängigen Praxis, dass Ampelanlagen im Allgemeinen drahtlos mittels Laptop und Bluetooth-Schnittstelle umprogrammiert und gewartet werden. Letztendlich wurde der passende Code gefunden, um die Grünanforderung für Fußgänger und Radfahrer einzuschleusen. Der Sender hat eine Reichweite von etwa 100 Metern und kann in der Tasche getragen oder am Fahrradlenker befestigt werden.

Kostenlose Schaltpläne und fertige Sender zum Selbstkostenpreis von 20 EUR sowie weitere Informationen bietet der ADFC Hamburg im Internet an unter www.bettelampel.de

Bleibt noch die Frage, ob es legal ist den Sender zu erwerben und im Straßenverkehr zu benutzen.

Dazu Merja Spott, die verkehrspolitische Sprecherin des ADFC: »Da sehen wir keine Probleme. Der Sender schaltet die Ampeln für Radfahrer und Fußgänger ja nicht spontan und vorrangig auf Grün. Es ist so, als hätte jemand vorab einen ganz normalen Ampeltaster betätigt. Die Wahrscheinlichkeit wird dadurch nur deutlich größer wirklich eine Grünphase zu erwischen, wenn man an der Ampel ankommt. Damit wird quasi der gleichberechtigte Zustand vor Einführung der Bettelampeln wieder hergestellt«.

NACHTRAG
Es handelte sich bei dieser Meldung um einen Aprilscherz, wenn auch mit ernstem Hintergrund ;-)