12.06.2017

Welche Ampel gilt für den Radverkehr

Von: Ulf Dietze

Nach welchem Ampelsignal muss sich ein Radfahrender richten? Das ist komplizierter zu beantworten als die Frage, welche Ampel gerade für einen Autofahrer gilt. Es hängt nämlich davon ab, auf welcher Art von Radverkehrsführung man sich bewegt und wo genau diese liegt. Außerdem verkompliziert die indirekte Führung beim Linksabbiegen die Situation.

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Welche Ampel gilt?

Seit dem 01. April 2013 gilt nach Straßenverkehrs-Ordnung (StVO):

»§ 37 (2) 6. Wer ein Rad fährt, hat die Lichtzeichen für den Fahrverkehr zu beachten. Davon abweichend sind auf Radverkehrsführungen die besonderen Lichtzeichen für den Radverkehr zu beachten. An Lichtzeichenanlagen mit Radverkehrsführungen ohne besondere Lichtzeichen für Rad Fahrende müssen Rad Fahrende bis zum 31. Dezember 2016 weiterhin die Lichtzeichen für zu Fuß Gehende beachten, soweit eine Radfahrerfurt an eine Fußgängerfurt grenzt.« (Hervorhebung: adfc hh)


Geradeausfahrt über die Kreuzung

Für Radfahrende, die geradeaus über eine Kreuzung fahren, gilt:

  • RadfahrerInnen auf der Fahrbahn:
    Sie richten sich nach der Ampel, die auch für alle anderen Fahrzeuge auf der Fahrbahn gilt.
Radfahrende auf der Fahrbahn, Herbstlaub adfc hh/Ulf Dietze
Radfahrer auf der Fahrbahn richten sich nach der allgemeinen Ampel für Fahrzeuge
Radfahrerin auf Radfahrstreifen fährt auf Grüne Ampel zu adfc hh/Ulf Dietze
Es gilt die nächste Ampel für den befahrenen Fahrbahnteil. Hier also die Grün zeigende Ampel rechts im Bild.
  • Radfahrende auf dem Radweg:
    - Gibt es für den Radweg eine Fahrradampel, so richten sie sich nach dieser. Ist keine Fahrradampel eingerichtet, gilt die Fahrbahnampel.
    - Hamburg hat häufig den einfachen Weg gewählt, aus Fußgängerampeln kombinierte Fußgänger- und Radfahrerampeln zu machen (mit gemeinsamer Streuscheibe). Dann gilt dieses Signal. Diese Regelung widerspricht dem Sinn der StVO-Änderung nach Ampelphasen, die dem jeweiligen Verkehrsmittel angemessen sind. Deshalb fordert der ADFC für einen flüssigen Radverkehr eigene Rad-Ampeln mit angepassten Phasen und die Abschaffung der Bettelampeln.
Grün zeigende Fahrradampel vor einer Einmündung adfc hh/Ulf Dietze
Eigenes Signal für Radfahrende, die auf dem Radweg die Kreuzung überqueren
adfc hh/Ulf Dietze
Radfahrer, die auf einem Radweg an die Kreuzung heranfahren, müssen sich nach Ampeln mit gemeinsamer Streuscheibe für Fuß- und Radverkehr richten
  • Für alle:
    Manchmal sieht der Radfahrende in wenigen Metern Abstand mehrere Ampeln vor sich. Es gilt immer das Signal, das an der nächst folgenden Haltelinie für den eigenen Fahrbahnteil steht. Wer an der Haltelinie an der roten Ampel vor der Kreuzung steht, für den gilt also eine evtl. Grün zeigende Fahrradampel in der nachfolgenden Mittelinsel nicht. Sie dient lediglich den Radfahrern in der Wartetasche als »Startsignal«.

Linksabbiegen an der Kreuzung

Grundsätzlich dürfen Radfahrende wählen, ob sie direkt nach links abbiegen oder ob sie dies indirekt tun wollen.

»§ 9 (2) Wer mit dem Fahrrad nach links abbiegen will, braucht sich nicht einzuordnen, wenn die Fahrbahn hinter der Kreuzung oder Einmündung vom rechten Fahrbahnrand aus überquert werden soll. Beim Überqueren ist der Fahrzeugverkehr aus beiden Richtungen zu beachten. Wer über eine Radverkehrsführung abbiegt, muss dieser im Kreuzungs- oder Einmündungsbereich folgen.« (StVO)

direktes Linksabbiegen

Wer direkt nach links abbiegen möchte, ordnet sich frühzeitig ein und richtet sich nach den Lichtsignalen des entsprechenden Fahrstreifens.

Das ist in vielen Fällen ein eher theoretischer Hinweis. Denn einen Radweg, der rechts von geparkten Autos verläuft und auch keine Absenkung hat, den kann man nicht einfach Richtung Fahrbahn verlassen, um dort auch noch die Geradeausfahrstreifen zu überqueren mit dem Ziel, den Linksabbiegestreifen zu erreichen. In diesen Fällen bleibt oft nur das indirekte Linksabbiegen.

Der Radfahrer ordnet sich ein und biegt direkt ab – so, wie er es als Autofahrer auch täte.
Mehrere Radfahrer ordnen sich in Linksabbiegespur ein adfc hh/Ulf Dietze
Direktes Linksabbiegen

Wer direkt mit dem Fahrrad nach links abbiegen will, darf dazu den Radfahrstreifen oder Radweg rechtzeitig verlassen (§ 9 (2) StVO). Er darf dabei auch die durchgezogene Linie des Radfahrstreifens überfahren, muss sich aber so verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist (§ 10 StVO). Wichtig ist, sich rechtzeitig einzuordnen, d. h. vor dem Bereich der Kreuzung, in dem die Richtungsfahrbahnen durchgezogene Begrenzungslinien (Zeichen 295) haben, denn dort ist der Fahrstreifenwechsel nicht erlaubt.

Wer bereits in den engeren Kreuzungsbereich hineingefahren ist – zum Beispiel weil die Stärke des nachfolgenden Verkehrs ein frühzeitiges Einordnen nicht zuließ –, muss dort einer Radverkehrsführung bis zu ende folgen. Er darf sich dann nicht mehr für eine direkte Führung umentscheiden. Dies gilt selbst dann, wenn der Radweg ansonsten an dieser Stelle nicht benutzungspflichtig ist.

indirektes Linksabbiegen

Beim indirekten Linksabbiegen bleibt der Radfahrer zunächst rechts, überquert die Kreuzung oder Einmündung und biegt erst dann nach links ab. Der Radfahrer überquert also zwei Fahrbahnen jeweils geradeaus.

Der Radfahrer (weiße Linie) biegt indirekt ab. Er überquert zunächst die eine Fahrbahn und dann die andere.
Abb. 1
Abb. 2
Wartetasche und zu querende Fahrbahn ohne weitere Ampel adfc hh/Ulf Dietze
Hier kann die Radfahrerin aus der Wartetasche heraus zuende abbiegen, wenn sich eine ausreichende Lücke im Verkehr ergibt
adfc hh/Ulf Dietze
Die Aufstelltasche kann verlassen werden, wenn der Verkehr es zulässt - eine weitere Ampel ist nicht zu beachten

Die Zeichnungen 1 und 2 zeigen schematisch Kreuzungen ohne gesonderte Signalisierung für den Radverkehr. Radfahrende, die indirekt abbiegen möchten, fahren geradeaus in die Kreuzung und stellen sich rechts der Furt in die Wartetasche. Sie können zuende abbiegen, wenn aus ihrer ursprünglichen Richtung kein Auto mehr kommt und eine Lücke im Gegenverkehr es erlaubt. Diese Lösung ist bei Lichtsignalanlagen mit Zweiphasensteuerung üblich, d. h. die jeweils gegenüberliegenden Knotenpunktzufahrten bekommen gleichzeitig Grün. Gesonderte Abbiegerphasen gibt es nicht.


Abb. 3
Abb. 4
Wartetasche im Vordergrund, Fahrradampel auf der Mittelinsel zeigt Rot adfc hh/Ulf Dietze
Auf der Mittelinsel steht eine weitere Ampel. Sie zeigt Grün, sobald sicher zuende abgebogen werden kann
Indirektes Abbiegen an einer Kreuzung mit Ampel auf der Mittelinsel (Film)

Bei einer mehrphasigen Schaltung mit eigener Grünphase für Linksabbieger können indirekt abbiegende Radfahrer nicht wissen, dass sie mit dem zweiten Abbiegeabschnitt in Konflikt mit startenden Linksabbiegern geraten (wir berichteten über diese Problematik am Beispiel Maienweg und dort auch mit einem Video). Deshalb sind dort nun zusätzliche Fahrradampeln installiert, die anzeigen, wann sicher zuende abgebogen werden kann (Grafik 3 und 4). Wer über eine Radverkehrsanlage abbiegt, muss sich dann auch nach diesen Signalen richten. Es gibt entsprechend eine kurze Haltelinie. Für den geradeausfahrenden Radfahrer gelten die Fahrradsignale an den Wartetaschen hingegen nicht.

Abb. 5

Grafik 5 zeigt eine Wartetasche in der Nebenfläche. Auch hier gilt das dortige Fahrradsignal ausschließlich für die Radfahrenden in der Wartetasche. Da dieses Signal von geradeaus fahrenden RadfahrerInnen oder abbiegenden AutofahrerInnen falsch interpretiert wird, ist dies die ungünstigste Lösung.

Die zusätzlichen Fahrradsignale für indirekt Abbiegende könnten zu Missverständnissen bei geradeausfahrenden RadfahrerInnen führen. Deshalb zeigen diese Signale nur eine kurze Grünphase (»Startsignal«) und werden dann dunkel. Erst wenn erneut ein indirekt abbiegender Radfahrer in die Wartetasche vorfahren kann, zeigt das Signal wieder Rot. 

Für alle geradeausfahrenden RadfahrerInnen gelten die Signale in den jeweiligen Knotenpunktzufahrten, die sich in der Nähe der Haltelinien befinden.

Vergleich direktes und indirektes Linksabbiegen

 

Wer auf der Fahrbahn direkt nach links abbiegt (rote Linie), beachtet auch als Radfahrer die Signale für den Fahrbahnverkehr. Wer indirekt auf einer Radverkehrsführung (grüne Linie) abbiegt, beachtet die ggf. vorhandenen Signale für den Radverkehr. Hier an der Kreuzung Stadtbahnstraße/Saseler Chaussee ist diese Ampel auf der Mittelinsel (rechts hinten im Bild) zu erkennen.