02.06.2012

Folge 17: Johannisbollwerk

Von: Frauke Steinhäuser

Mit etwas Deckweiß den Verkehr regeln: In ihrer Not zeigen sich Bauarbeiter kreativ.

Kurz vor den Landungsbrücken erwartet uns eine Baustelle ...
Kurz vor den Landungsbrücken erwartet uns eine Baustelle ...
... was aber zunächst kein Problem zu sein scheint.
... was aber zunächst kein Problem zu sein scheint.
Aber dann steht die RadlerIn mitten im Restaurant ...
Aber dann steht die RadlerIn mitten im Restaurant ...
... und endet in einer Sackgasse.
... und endet in einer Sackgasse.
Hätte sie doch nur rechtzeitig diese Pfeilchen gesehen und verstanden, was der Bauarbeiter ihr damit sagen wollte!
Hätte sie doch nur rechtzeitig diese Pfeilchen gesehen und verstanden, was der Bauarbeiter ihr damit sagen wollte!

Nichts ahnend radelt man auf der benutzungspflichtigen, 50 cm breiten Buckelpiste stadtauswärts auf der Straße Johannisbollwerk Richtung St. Pauli/Altona, hat glücklich die aus der U-Bahn-/S-Bahn-Station Landungsbrücken zur Ampel strömenden Touristen passieren lassen, nimmt noch aus den Augenwinkeln ein Schild wahr, das vor Radfahrern warnt, als die Fahrt vor einer Gruppe gefällig auf dem Radweg arrangierter Sitzgelegenheiten des Restaurants zur Rechten abrupt endet.

Nun gut, man ist ja vieles gewöhnt, hebt also sein Rad nach rechts und steigt wieder auf. Zwar ist ein schwarzer Baustellenzaun in Sicht, aber noch denkt man gutgläubig, es wird ja sicher eine Verschwenkung des Radweges geben, sodass man dann eben ein Stückchen weiter oben auf der Helgoländer Allee eben jene überqueren kann. Doch mit dem Zaun ist das Ende der Welt erreicht.
Jetzt könnte man natürlich sein Rad die steile, etwa 20 Meter hohe Treppe zum Hochbahnnebeneingang hinaufwuchten , um – ja was dann? In die Bahn zu steigen und vielleicht nach Barmbek zu fahren? Oder es am Haupteingang wieder hinunterzuschleppen, damit dann alles wieder von vorne beginnt? Ooommm. Also das Rad umgedreht und nachgesehen, wo die Herren Bauarbeiter denn freundlicherweise die Weiterfahrt vorgesehen haben.

Und da ist tatsächlich die Lösung! Das Hinweisschild von vorhin, das vor Radfahrern warnt. Da hat doch einer der Kollegen zwei kleine weiße Pfeile auf den roten Rand gemalt. Wie man die übersehen konnte. Genau dort werden die RadfahrerInnen elegant nach links auf die Fahrbahn geleitet. Zwar muss man sich dann entweder direkt in den vorbeirasenden Verkehr einfädeln oder es zwanzig Meter weiter versuchen, wo die kleine Zubringerspur, die auch als Parkplatz dient, zu Ende ist –, aber das ist dann nicht mehr das Problem der Herren Bauarbeiter. Sie haben ihr Bestes gegeben.

Übrigens waren während der zehn Minuten Fotografierzeit gleich drei weitere RadlerInnen zu beobachten, die ebenfalls alle sehenden Auges ins Nirwana fuhren. Auch findet sich vor dem dunklen Zaun das Gerippe eines Herrenrads. Was mag mit dem Besitzer passiert sein? Und was wird da überhaupt gebaut? Im Festungsbau, so informiert uns Wikipedia, versteht man unter Bollwerk einen aus Holzbohlen errichteten Schutzzaun bzw. Schutzwall. Soll die Straße vielleicht ihrer ursprünglichen Bestimmung wieder nachkommen? Das Außenarrangement des Restaurants scheint jedenfalls für die Dauer angelegt. Und überhaupt: Johannes, war das nicht der mit der Apokalypse?