24.05.2011

Für die Umwelt und das Sparschwein

Von: Ulf Dietze

Nun legt die mobile Person schon lange die meisten Wege mit dem Fahrrad zurück. Auch Bus und Bahn benutzt sie oft. Aber immer noch steht das Auto nahe der Wohnung und erzeugt Kosten und auch irgendwie ein schlechtes (Umwelt-)Gewissen. Der Gedanke, stattdessen vielleicht beim Carsharing mit zu machen, kommt immer häufiger auf.

Allgemein geistert das Prinzip des Carsharing seit Jahrzehnten durch die Visionärs-Szene. Dass jeder ein eigenes Auto besitzt, erscheint vielen keine moderne Sicht zu sein. Die Meinung, dass die Fläche, die vom Individualverkehr belegt wird, wieder kleiner werden sollte, teilen heute nicht mehr nur ökologisch Interessierte.

In Hamburg hat man beim Carsharing die Wahl unter Greenwheels, cambio und car2go. Das Prinzip ist einfach: Registrierte Nutzer haben Zugriff auf Autos, die an mehreren reservierten Standorten in Hamburg parken. Die Reservierung erfolgt per Telefon oder Internet frühzeitig oder – mit entsprechend höherem Risiko des Misserfolgs – kurzfristig. Bei car2go erlaubt der Chip auf dem Führerschein auch spontane Ausleihe. Der bei Fahrzeugen von Autovermietern sonst übliche Formularkram vor der Fahrt entfällt. Die Haftung bei Kaskoschäden ist bei den Carsharern schon ohne Zusatzversicherung meist auf 1000 Euro je Fall begrenzt und auch der Treibstoff ist im Tarif bereits inklusive.

Die Firma cambio ist der vor zehn Jahren gestartete Zusammenschluss lokaler CarSharing-Anbieter. Nur mit einem hohen Grad an Professionalisierung und standardisiertem Angebot in mehreren Städten vermutete man, Erfolg haben zu können. Geschäftsführer Joachim Schwarz meint in der Firmenzeitschrift: »Privatauto ist Mist! Fürs private Portmonee, für die Volkswirtschaft, für die Umwelt, für die Städte und für die Gesundheit.«

Kontrolle ist gut.

Etwas mehr Aufwand als beim Autovermieter könnte man vermuten bei der Vorschadenkontrolle bei cambio und Greenwheels. Da die Autos an keiner zentralen Stelle abgegeben werden, muss jeder Entleiher vor der Fahrt selbst genau nachsehen, was die Vornutzer an Schäden am Auto hinterlassen haben. Diese halbe Minute Zeitaufwand erspart einem dann auch garantiert jeden sonst möglichen Ärger. Im Falle eines entdeckten und noch nicht dokumentierten Vorschadens reicht ein Anruf beim Anbieter, um späteren Ärger auszuschließen.

Allerdings kann man sich auf die entsprechende Kontrolle durchs Personal auch bei großen Autovermietern nicht immer verlassen. Kontrolle ist also bei jedem geliehenen Wagen vor der Fahrt sinnvoll. Und auch das als Vorbehalt gegenüber dem Carsharing gelegentlich vorgebrachte Problem, dass reservierte Autos dann doch vielleicht nicht da sind, kann einem bei großen Vermietern ebenfalls passieren. Es tritt beim Carsharing außerdem sehr selten auf.

Was kostet es?

Beim Carsharing gibt es eine monatliche Grundgebühr, einen Preis für die genutzte Zeit und einen Kilometerpreis. Der Zeit- und Kilometertarif ist etwas höher für jene, die eine niedrige Grundgebühr wählen und wenige Gesamtkilometer zurücklegen. Am Beispiel cambio für Wenigfahrer: Einmalige Anmeldegebühr 30 Euro, monatliche Grundgebühr 3 Euro, Preis 1,90 Euro/Stunde in der Zeit von 7 bis 23 Uhr (22 Euro/24 Stunden), Preis pro Kilometer 0,32 Euro (ab 101 km noch 0,22 Euro). Das Benzin ist dabei inklusive. Im Beispiel ist das Auto ein Fahrzeug der Wagenklasse 1, etwa ein Ford Fiesta. Größere Wagen haben höhere Preise. Alle Anbieter zeigen ihre Tarife übersichtlich auf ihren Webseiten.

Rein rechnerisch lohnt sich Carsharing – nach Angaben der Anbieter – für Menschen, die weniger als 850 Kilometer im Monat fahren. Aber auch wer mehr fährt, kann profitieren: Er hat Zugriff auf unterschiedliche Fahrzeuge vom Kleinwagen bis zum Transporter.

Greenwheels (ehemals Stattauto) bietet PKW und Kombis, aber keine Transporter. Erhältlich sind die Fahrzeuge an etwa 50 Stationen. cambio hat in Hamburg 23 Stationen, aber dort jeweils ein größeres Fahrzeugangebot. Beide Unternehmen kooperieren mit dem HVV und bieten Abokarten-Inhabern Sonderkonditionen. Auch sind beide Unternehmen in weiteren Städten aktiv, in denen Kunden das Angebot ebenfalls nutzen können.

Car2go ist eine Kooperation von Mercedes Benz und dem Autovermieter Europcar, der drei Viertel der Anteile hält. Nach drei Testjahren in Ulm und einem Versuchsgebiet in Austin/Texas ist Hamburg die erste deutsche Großstadt, die mit Fahrzeugen bestückt wurde. 300 Smarts stehen für die Kunden im Stadtgebiet bereit. Die Anmeldegebühr beträgt 29 Euro und der Minutenpris 29 Cent. Darin enthalten sind Parkgebühren und Treibstoff. Es gibt eine lange Gebührenliste für den Fall, dass etwas außerhalb der Reihe passiert. Der Vorteil von car2go ist die hohe Anzahl der Fahrzeuge und die Möglichkeit, überall ein Auto abstellen bzw. – per Smartphone-App – finden zu können. Aus ökologischer Sicht fragwürdig ist allerdings, dass es sich ausschließlich um Zweisitzer handelt, größere Transporte also nicht möglich sind. Es liegt daher nahe, dass hier Fahrten per Auto zurückgelegt werden, die sonst per Fahrrad oder Bus und Bahn stattfänden.

Ulf Dietze in RadCity 3/2011

cambio im Interview

Die Carsharer nutzen feste Parkplätze, wie hier am Barmbeker Bahnhof ...
... oder im Alten Teichweg.
Am Terminal gibt's den Schlüssel.