24.05.2011

»umfassender Ansatz von Mobilität«

Von: Ulf Dietze

Bettina Dannheim ist zuständig für Presse und Kommunikation in der cambio-Gruppe.

RadCity: Haben Ihre Kunden eigentlich zu Hause noch ein eigenes Auto?

Bettina Dannheim: Die weit überwiegende Zahl hat kein eigenes Auto. Wir machen jedes Jahr eine Kundenumfrage. Darin fragen wir auch, wer seinen privaten Wagen abgeschafft hat. Daher wissen wir, dass jeder cambio-Wagen etwa acht bis zehn private Autos ersetzt.

Ist Carsharing eher ein Einstieg zum eigenen Wagen oder eher der Anfang vom Ausstieg vom motorisierten Privatfahrzeug?

Die Leute, die zu uns kommen, sind bereits Autofahrer. Carsharing bietet ihnen die Möglichkeit, unbedachte Fahrten eher zu lassen. Nur im Ausnahmefall schafft sich aufgrund der persönlichen Situation dann jemand wieder ein Auto an, z. B. wenn er aufs Land zieht und eine große Familie hat.

Ihr »Konkurrent« car2go funktioniert als Einwegtaxi. Bei Daimler gibt man offen zu, damit Autokunden gewinnen zu wollen. Ist das nicht trotzdem ein Schritt weg vom eigenen Auto – auch car2go-Kunden nutzen schließlich ein gemeinsames Fahrzeug?

cambio hat den Anspruch, einen umfassenden Ansatz von Mobilität zu pflegen. Wir haben den »Blauen Engel«, weil wir unsere Kunden zu einem Mobilitätsmix motivieren, energieeffiziente Autos einsetzen und Spritspar-Trainings anbieten. Wir sehen uns als Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs und bieten Abokarten-Inhabern deshalb besondere Konditionen.

Die Grundgebühr beträgt zwar kaum 40 Euro im Jahr. Trotzdem schreckt sie manch potenziellen Kunden ab.

Wir decken damit die Verwaltungskosten. Wenn wir die Grundgebühr abschaffen, müssen wir die übrigen Gebühren erhöhen. Wir erheben Gebühren dort, wo die Kosten tatsächlich entstehen.

Letztlich ist uns auch wichtig, dass es keine versteckten Tarife gibt. So kostet das Telefonat mit der Buchungszentrale eben 25 Cent und eine Rechnung per Brief 50 Cent.

Wenn ich zwei Mal im Jahr einen Ford Transit benötige, stört mich die Grundgebühr. Da habe ich dann – zusammen mit dem höheren Stundenpreis für den Transporter – fast den selben Preis, den ich auch beim Autoverleiher zahlen müsste.

Das ist richtig. Wenn Sie aber nur zwei Mal im Jahr einen Wagen benötigen, sind Sie beim Autovermieter um die Ecke besser aufgehoben als mit dem Carsharing. Es muss ja für beide Seiten Sinn ergeben: Für Sie als Nutzer muss es das richtige Angebot sein und wir möchten zufriedene Kunden.

In Hamburg ist auch Greenwheels vertreten mit mehr Standorten aber weniger unterschiedlichen Fahrzeuggrößen als bei cambio. Wie finde ich den für mich passenden Carsharer?

Gucken Sie, ob Sie die Fahrzeugtypen vorfinden, die Sie benötigen. Überlegen Sie, ob die Fahrzeug-Standorte für Sie gut erreichbar sind. Und rechnen Sie aus, was die Gesamtkosten bei den unterschiedlichen Anbietern bei Ihren Nutzungsansprüchen wären.

Carsharer geben an, dass man mit ihnen sparen könne, wenn man weniger als 850 Kilometer im Monat fährt. Wie kommen Sie darauf?

Da greifen wir auf die ADAC-Autokostenvergleiche zurück. Was kostet ein Neuwagen im Monat bei einer bestimmten Kilometerleistung. Wir rechnen den Betrag dann um auf die Kilometer, die jemand mit dem gleichen Geld beim Carsharing zurücklegen könnte.

Interview: Ulf Dietze in RadCity 3/2011