10.10.2005

Fahrradklimatest 2005

Von: Ulf Dietze

Beim Fahrradklimatest von ADFC und BUND landet Hamburg unter 28 Großstädten auf dem letzten Platz. Der Senat bekommt von den Radlern die Quittung für fehlende Radverkehrsförderung. Das Ergebnis offenbart: Es besteht kein Interesse am Radverkehr, es fehlt an Sachverstand, es gibt keine Konzepte und keine Mittel für Unterhalt und Investitionen.

Hamburg gegen den Trend

Über 26.000 RadfahrerInnen beteiligten sich am Fahrradklimatest 2005. Allein 950 Velofahrer aus Hamburg bewerteten die Stadt in den zahlreichen Kategorien der schriftlichen Befragung. Die Durchschnittsnote der Großstädte des Tests verbesserte sich gegenüber 2003 von 4,0 auf 3,72. Mit der Note 4,44 (sehr knapp ausreichend) hat sich Hamburgs Bewertung nochmals verschlechtert (2003: 4,2).

Im Norden liegt Hamburg weit hinter Kiel (2,82; 2003: 3,34), Hannover (3,00; 2003: 3,23) und Bremen (3,09; 2003: 3,09). Die großen Metropolen München (3,81; 2003: 4,02), Frankfurt (3,87; 2003: 4,26), Berlin (4,09; 2003: 4,23) und Köln (4,14; 2003: 4,27) haben ihr Ergebnis seit 2003 verbessert.

Die Bewertungen im einzelnen

Die besten Einzelnoten gibt es in Hamburg für die Fahrradmitnahme im HVV (3,14) und geöffnete Einbahnstraßen (3,28). Allerdings erhebt der HVV seit 1. April pro Fahrradmitnahme im Regionalzug 3 €. Für einen Familienausflug von 2 Erwachsenen und zwei Kindern von Rahlstedt nach Blankenese und zurück macht das 24 € zusätzlich zur Fahrkarte. Die Radler bewerten denn auch das Angebot des HVV um 0,7 Notenpunkte schlechter als vor zwei Jahren.

Besonders schlecht schneidet Hamburg aber beim Falschparken auf Radwegen (5,37), der Führung an Baustellen (5,35), der Radverkehrsförderung in den letzten Jahren (5,26) und der Werbung für den Radverkehr (5,18) ab. Auch die Noten für den Zustand der Radwege sowie die Ampelschaltungen haben eine 5 vor dem Komma. Besonders deutlich ist das Urteil zur Radverkehrsförderung: Unter den 28 Großstädten über 200.000 Einwohnern wird nirgends weniger fürs Radfahren geworben und wurde in den jüngster Zeit weniger für den Radverkehr getan als in Hamburg.

Radfahrer fühlen sich unsicherer

Seit 2003 hat sich das Sicherheitsgefühl der Radfahrer um 0,5 Notenpunkte verschlechtert, Konflikte mit Kfz werden um 0,6 Notenpunkte schlechter bewertet. Die autogerechte Verkehrspolitik des Senats schlägt voll auf die Radfahrer durch. Bettelampeln, Fahrbahndeckenerneuerungen und mangelnde Radwegeunterhaltung, Kreuzungsumbauten für mehr Autoverkehr, Grünpfeil und Tempo 60 benachteiligen den Radverkehr.

Beispiel Kiel

Hamburgs Radverkehr ist in der Krise. Wie sich mit einfachen, schnell wirksamen und kostengünstigen Maßnahmen die Radverkehrspolitik verbessern lässt, zeigt das Beispiel Kiel. Nach Methoden des modernen Qualitätsmanagements ließ Kiel seine Radverkehrspolitik zertifizieren und schaffte es, seinen Radverkehrsanteil seit 1988 von 8% auf 17% zu steigern. Viele Autofahrer sind dort aufs Fahrrad umgestiegen.

Alle Ergebnisse des Fahrrad-Klimatests 2005 in einer Tabelle (PDF, 61 KB)
Vorbild Kiel – viel für den Radverkehr getan (RadCity 4/2006, S. 19-21)