28.09.2014

Keine Bügel wegen »Fahrradleichen«?

Von: Klaus Holst

Möglicher Fehlgebrauch verhindert Abstellplätze – oder: peinliche Ausreden der Tiefbauabteilung

Es könnten Schrotträder am Bügel stehen ...
Es könnten Schrotträder am Bügel stehen ...

Das mediale Sommerloch wurde in den letzten Jahren gern mit Berichten über Fahrrad-Rambos und Kampfradler gefüllt. Dieses Jahr war das anders: Das Hamburger Abendblatt überschlug sich mit Berichten über neue Fahrradstreifen und Fahrradstraßen, und der autofahrende Leser wurde ausführlich über die Fahrrad-Sternfahrt und Critical-Mass-Verabredungen informiert. Rundum zeigte man Verständnis für die Anliegen der Radfahrer. Wenn man dem Hamburger Abendblatt glauben darf, hat Hamburg die Absicht, Kopenhagen in Sachen Fahrradfreundlichkeit zu überholen. In den Behörden scheint jedoch diese Absicht noch nicht angekommen zu sein, was das folgende »Erlebnis« beweist:

Als Verwalter eines Mietshauses in einer ruhigen Straße in Alsterdorf wollte ich meinen Mietern ein paar Fahrradparkplätze vor ihrer Haustür verschaffen. Dort befindet sich zwischen den Baumschutzbügeln zweier Straßenbäume eine asphaltierte, ca. 4,5 m lange Fläche, die sich dafür gut eignen würde. Allerdings wird diese Fläche von Kleinwagen der Größe Smart gelegentlich zum Parken benutzt. Doch wenn auf der Straße unmittelbar daneben ein weiteres Auto parkt, kann der Smart seinen Parkplatz nur über den Gehweg verlassen.

Meine Anfrage an das Bezirksamt brachte mir eine Erlaubnis zur Sondernutzung nach § 19 Abs. 1 HWG zur Aufstellung von drei Fahrradbügeln für fünf Jahre ein. Die Kosten der Aufstellung von 250-300 Euro pro Bügel sollte ich übernehmen. So weit, so gut.

Diese oder jene Begründung

Bei der Abstimmung mit dem Tiefbauamt hieß es jedoch, auf einen (Auto-)Parkplatz könne man dort nicht verzichten und wies mein Anliegen zurück. Eine zweite Anfrage meinerseits blieb unbeantwortet. Bei einem dritten Anlauf erhielt ich erneut eine Absage, allerdings mit einer ganz anderen Begründung: Man könne meinem Wunsch nach Fahrradbügeln nicht nachkommen, denn »angeschlossene Räder werden an den Bügeln oft sich selbst überlassen und die Stadt Hamburg hat dann Probleme, die Besitzer ausfindig zu machen, damit diese ihre nicht mehr verkehrstüchtigen Fahrräder entfernen. Die Kosten muss dann der Steuerzahler übernehmen.«

Damit war auch mein dritter Versuch gescheitert. Mit der hier gegebenen Begründung dürfte allerdings kein Laternenpfahl, kein Verkehrsschild und kein Baumschutzbügel aufgestellt werden, weil man daran ja sein Fahrrad anschließen und auf diese Art entsorgen könnte ...

Eine Frage zum Schluss: Will der Senat ernsthaft mehr für die Radfahrer tun oder ist das nur vorgezogenes Wahlkampfgrummeln?

Klaus Holst in RadCity 5/2014

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