Verkehr, Rund ums Rad
18.11.2016

Neubau des EKZ W1 in Hamburg Wandsbek ohne Fahrradabstellplätze

Von: Ulf Dietze

Am neuen Einkaufszentrum »W1« Ecke Wandsbeker Marktstraße/Brauhausstraße in Wandsbek fehlen Fahrradabstellmöglichkeiten. Derzeit gibt es genau null. Der Investor Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB) und die Genehmigungsbehörde sind sich nicht einig, ob das so richtig ist. Der Investor meint, Fahrradstellplätze hätten trotz der Planung einfach keinen Platz gefunden. Und weiter: »Aufgrund dieser Situation wurden von den Behörden keine Fahrradstellplätze genehmigt.«

Das erschien dem ADFC zumindest ungewöhnlich, da es bei Neubauten Vorgaben nach der Hamburgischen Bauordnung für den Bau von Abstellanlagen gibt. Und dass heute eine Hamburger Behörde beim Neubau eines Einkaufszentrums das Fehlen von Fahrradanlehnbügeln akzeptieren würde – das will man sich nicht vorstellen. Auf Nachfrage teilt die Behörde das dem ADFC auch mit: Auf die Fahrradstellplätze sei hier von Seiten des Bezirks keineswegs verzichtet worden. Die Stellplätze seien »demnach herzustellen«, so die Behörde.

Den gesamten Vorgang lesen Sie chronologisch von oben nach unten auf dieser Seite. Wir haben die Inhalte unverändert gelassen aber redaktionell zum Zwecke der Anonymisierung leicht überarbeitet. Wenn sich etwas Neues ergibt, ergänzen wir es unten auf der Seite.

Bilderstrecke

An der Wandsbeker Marktstraße liegt der Eingang zum W1 Einkaufszentrum. Früher stand hier über Jahrzehnt der C & A-Bau.
Auch an der Wandsbeker Marktstraße sind die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen.
Baustelle in der Brauhausstraße direkt am W1 Einkaufszentrum. Mangels anderer Möglichkeiten werden die Schutzgitter zum Fahrradabstellen genutzt.
Baustelle neben dem W1 Einkaufszentrum, Bereich des Gehwegs in der Brauhausstraße.
Die Einfahrt zum Parkhaus liegt auf der Rückseite des W1 im Brauhausstieg.
Das Parkdeck »Berlin« im Einkaufszentrum.
Gebührenordnung für das dreistöckige (Auto)parkhaus.
Die Orientierungstafel zeigt es: oben liegen drei Stockwerke zum Autoparken, darunter die drei Ladenebenen. Hauptmieter »Decatholon« hat eine große Fahrrad- und Zubehörabteilung

ADFC an Bauträger HBB, 06.10.2016

Sehr geehrte Frau Müller* (von Fa. HBB),

bei uns beklagen sich MitbürgerInnen darüber, dass es am jüngst eröffneten W1-Einkaufszentrum in Hambug Wandsbek keine Fahrradabstellmöglichkeiten gibt. Auf Nachfrage beim Bezirk sei Ihnen gesagt worden, dass der Gehweg dafür nicht genügend Flächen bereithielte.

Diese Antwort stellt niemanden zufrieden, denn die Frage ist nicht, ob der Gehweg genügend Fläche für Fahrradabstellanlagen hat, sondern wo die Fahrräder der Kunden nun stehen sollen. Irgendeine Möglichkeit muss es dafür schließlich geben. Nach der Hamburgischen Bauordnung sind beim Neubau bzw. einer Erweiterung der bisherigen Gebäudenutzung Fahrradstellplätze grundsätzlich herzurichten. Für 310 Autostellplätze hat der Investor Platz gefunden. Nach den »Hinweisen zum Fahrradparken« der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen wären für Einzelhandelsnutzung mit 8000 qm Fläche zwischen 80 und 200 Fahrradstellplätze für Kunden anzusetzen (je nach konkreter Nutzung der Gewerbefläche).

Ihnen ist bekannt, dass auch Kunden, die per Fahrrad zum Einkaufen kommen, Umsatz bringen und dass die Zahl der Radfahrenden im Bereich Wandsbek Markt bemerkenswert hoch ist. Denn diese Einkaufsstraße ist recht lang. Wer mehrere Geschäfte ansteuern möchte, für den ist das Fahrrad hier das mit Abstand geeignetste Verkehrsmittel. Gut erreichbare Abstell- und Anschließmöglichkeiten für Fahrräder sind allerdings ein entscheidendes Kriterium dafür, ob jemand als Radfahrender ein Gewerbe aufsucht oder nicht. Als Investor hätte HBB also durchaus ein Interesse gehabt, Stellflächen für Fahrräder zu schaffen. Offensichtlich gab es aber in dessen Augen gewichtige Gründe, dies nicht zu tun.

Für unsere Berichterstattung bitten wir Sie, uns folgende Fragen zu beantworten:

  • Wir gehen davon aus, dass in der Planungsphase das Herstellen von Fahrradstellplätzen überlegt worden ist. Welche Gründe führten letztlich zum Verzicht auf Stellplätze?
  • Warum beträgt das Verhältnis Fahrradstellplätze zu Autostellplätze 0:310? Warum gab es da nicht eine Mischung aus Stellplätzen für beide Verkehrsmittel?
  • Welche Überlegungen oder Pläne gibt es, die Situation für Rad fahrende Kunden zu verbessern?
  • Welche Vereinbarung gibt es mit den zuständigen Behörden darüber, dass die eigentlich einzurichtenden Fahrradstellplätze letztlich nicht eingerichtet wurden?

Wir bedanken uns im Voraus für Ihre Antworten.

Viele Grüße aus Hamburg

ADFC Hamburg/Bezirksgruppe Wandsbek


HBB an ADFC, 10.10.2016

Sehr geehrter Herr Dietze (vom ADFC),

nach Rücksprache mit den Architekten, Planern und Ausführern des Objektes erhalten Sie nun die Antworten auf Ihre Fragen:

ADFC:  Wir gehen davon aus, dass in der Planungsphase das Herstellen von Fahrradstellplätzen überlegt worden ist. Welche Gründe führten letztlich zum Verzicht auf Stellplätze?

Antwort: Das Prüfen der Unterbringung von Fahrradstellplätzen ist Standard bei HBB bei allen Bauprojekten. Auch in diesem Fall wurden ausführlich mit allen am Bau Beteiligten die Platzverhältnisse rund um das Objekt sowie alle theoretisch möglichen Stellen geprüft und aus verschiedensten Gründen jeweils wieder verworfen. So gibt es beispielsweise ebenerdige Freiflächen auf privatem Grund entlang der Brauhausstraße. Es wurde versucht, mit der Stadt Hamburg eine Lösung für Fahrradstellplätze in diesem Bereich oder auf öffentlichem Grund herbeizuführen. Die Stadt Hamburg (LSBG) hat jedoch hierfür keine Möglichkeiten gesehen und auch die Nutzung des privaten Streifens entlang der Brauhausstraße ausschließlich für Fußgänger vorgegeben. Die Nutzung von privaten Freiflächen im Bereich des Brauhausstiegs für Fahrradstellplätze wurde verworfen, da aufgrund der Entfernung zu den Eingängen keine Akzeptanz zu erwarten ist.

ADFC: Warum beträgt das Verhältnis Fahrradstellplätze zu Autostellplätze 0:310? Warum gab es da nicht eine Mischung aus Stellplätzen für beide Verkehrsmittel?

Die Kfz-Stellplätze befinden sich in den Obergeschossen, die aus Sicherheitsgründen mit dem Fahrrad nicht zugänglich sind. Es wurde die Option untersucht, Fahrradstellplätze in den Parkgeschossen anzubieten. Die Befahrung der Parkspindel ist jedoch für Fahrradfahrer unzumutbar, bzw. viel zu gefährlich. Daher wurde diese Idee verworfen.

ADFC: Welche Überlegungen oder Pläne gibt es, die Situation für Rad fahrende Kunden zu verbessern?

Da die Umsetzung der Außenanlagen noch nicht abgeschlossen ist, ist Ziel der HBB, nach Abschluss dieser Arbeiten vor Ort erneut die Unterbringung von Fahrradstellplätzen zu prüfen. Dann werden auch erneut Gespräche mit den zuständigen Behörden stattfinden. Generell kann hierzu nur gemeinsam mit der Stadt Hamburg ein Konzept entwickelt werden. Das LSBG überlegt, im Zuge des Gesamtkonzeptes Brauhausstraße evtl. noch ein paar Stellplätze unterzubringen. Die finale Entscheidung dazu steht aktuell noch aus.

ADFC: Welche Vereinbarung gibt es mit den zuständigen Behörden darüber, dass die eigentlich einzurichtenden Fahrradstellplätze letztlich nicht eingerichtet wurden?

Alle Planungen und Überlegungen hinsichtlich der Unterbringung von Fahrradstellplätzen (und natürlich aller weiteren den Bau betreffenden Themen) wurden mit den zuständigen Behörden abgestimmt. Während dieser Abstimmung sind die Behörden gemeinsam mit der HBB überein gekommen, dass aufgrund der Grenzbebauung an einer engen Kreuzung an dieser Stelle die Unterbringung von Fahrradstellplätzen leider nicht in dem gewünschten Umfang möglich ist. Aufgrund dieser Situation wurden von den Behörden keine Fahrradstellplätze genehmigt.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Herzliche Grüße

Müller* (HBB)


ADFC an HBB, 10.10.2016

Sehr geehrte Frau Müller* (Hbb),

wir bedanken uns für die ausführlichen Antworten. Wir werden uns auch noch an den Bezirk wenden und bei der Planung Brauhausstraße entsprechende Anmerkungen machen.

Ganz nachvollziehen können wir die Antworten nicht. Denn die Läden im W1 wollen sicher nicht auf Kunden, die per Rad kommen, verzichten. Wenn es also keinerlei Abstellmöglichkeiten gibt, geht man demnach davon aus, dass sie die Abstellmöglichkeiten der Nachbarn benutzen sollen.

Auch dass Planer und Architekten »hinterher« keinen Platz für Räder finden, mag ja richtig sein. Aber dafür plant man ja, damit man das von vornherein mit berücksichtigt und solche Fragen eben löst und nicht offen lässt.

Alles etwas rätselhaft ;-(

Viele Grüße

ADFC Hamburg/Bezirksgruppe Wandsbek


ADFC an Behörden in Wandsbek, 10.10.2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

bei uns beklagen sich MitbürgerInnen darüber, dass es am jüngst eröffneten W1-Einkaufszentrum in Hambug Wandsbek keine Fahrradabstellmöglichkeiten gibt. Auf Nachfrage beim Bezirk sei Ihnen gesagt worden, dass der Gehweg dafür nicht genügend Flächen bereithielte.

Diese Antwort stellt niemanden zufrieden, denn die Frage ist nicht, ob der Gehweg genügend Fläche für Fahrradabstellanlagen hat, sondern wo die Fahrräder der Kunden nun stehen sollen. Irgendeine Möglichkeit muss es dafür schließlich geben. Nach der Hamburgischen Bauordnung sind doch beim Neubau bzw. einer Erweiterung der bisherigen Gebäudenutzung Fahrradstellplätze grundsätzlich herzurichten. Für 310 Autostellplätze hat der Investor Platz gefunden. Nach den »Hinweisen zum Fahrradparken« der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen wären für Einzelhandelsnutzung mit 8000 qm Fläche zwischen 80 und 200 Fahrradstellplätze für Kunden anzusetzen (je nach konkreter Nutzung der Gewerbefläche).

Für unsere Berichterstattung bitten wir Sie, uns folgende Fragen zu beantworten:

  • Wir gehen davon aus, dass das in der Planungsphase das Herstellen von Fahrradstellplätzen überlegt worden ist. Welche Gründe führten letztlich zum Verzicht auf Stellplätze?
  • Warum beträgt das Verhältnis Fahrradstellplätze zu Autostellplätze 0:310? Warum gab es da nicht eine Mischung aus Stellplätzen für beide Verkehrsmittel?
  • Welche Überlegungen oder Pläne gibt es, die Situation für Rad fahrende Kunden zu verbessern?
  • Welche Vereinbarung gibt es zwischen Investor und zuständiger Behörde darüber, dass die eigentlich einzurichtenden Fahrradstellplätze letztlich nicht eingerichtet wurden?
  • Wo sollen per Rad angereiste Kunden nun ihr Fahrzeug abstellen?

Wir bedanken uns im Voraus für Ihre Antworten.

Viele Grüße

ADFC Hamburg/Bezirksgruppe Wandsbek


Bezirksamt Wandsbek an den ADFC, 13.10.2016

Sehr geehrter Herr Dietze (ADFC),

für das Bauvorhaben W1 (Wandsbeker Marktstraße 1) wurde keine Abweichung für den Verzicht auf Fahrradplätzen erteilt. Die notwendigen Fahrradplätze sind demnach herzustellen. Hier ist der Eigentümer in der Pflicht. Die Bauprüfabteilung ist zu dieser Thematik bereits mit dem Eigentümer in Kontakt.

Mit freundlichen Grüßen

Frau Schmidt*

(Bezirk Wandsbek, Öffentlichkeitsarbeit)


Hamburger Abendblatt, 17.10.2016

Wir veröffentlichten diese Seite erstmals am 16.10.2016. Das Hamburger Abendblatt berichtete darüber in seiner Ausgabe am 17.10.2016.


BV Wandsbek, 24.11.16

Die Bezirksversammlung Wandsbek beschäftigt sich am 24.11.2016 mit einem Antrag zu den fehlenden Abstellanlagen.

18 Uhr, Bürgersaal Wandsbek, Am Alten Posthaus 4, 22041 Hamburg


Fortsetzung folgt

Sobald sich etwas Neues ergibt, erfahren Sie es hier.

*Name geändert