06.08.2014

Über Fahrradständer und bügelfreie Zonen

Von: Michael Prahl

Radfahren in der Stadt ist ja schön und gut – solange man fährt. Spätestens jedoch, wenn man am Ziel nach einer geeigneten Abstellmöglichkeit sucht, stellt man fest, dass mehr Fahrräder eben auch geringere Chancen darauf bedeuten.

Über Fahrradständer und bügelfreie Zonen - Eine Bestandsaufnahme
Über Fahrradständer und bügelfreie Zonen - Eine Bestandsaufnahme

Termin um 10:20 Uhr im Ärztehaus an der Mundsburg. Pünktlich vor Ort zu sein, reicht heute aber nicht, denn für die Parkplatzsuche soll einige Zeit drauf gehen. Sämtliche Ständer, Bügel, Baum- und Fußgängerschutzbügel sind teils sogar mehrfach belegt. So wird das Zeitfenster bis zur Praxis im vierten Stock verdammt eng, der Fußmarsch vom abgestellten Rad ist nicht einkalkuliert.

Zu beneiden ist, wer sein Rad im trutzigen »Bike and Ride«-Käfig eingeschlossen hat: ein interessantes Angebot für tägliche Pendler, denen ein wetter- und diebstahlgeschützter Stellplatz die acht Euro Monatsmiete wert ist. Solche Boxen nehmen leider viel weg vom knappen Platz an den Stationen und sind wohl eher geeignet für S- und Regionalbahnhöfe außerhalb der zentralen Brennpunkte. Hier brauchen wir neue Ideen, kreative Lösungen wie z. B. in Holland, wo man schon mehrstöckig und videoüberwacht radparken kann.

Am Drängelgitter: Bequemes Radparken am U-Bahnhof Farmsen
Am Drängelgitter: Bequemes Radparken am U-Bahnhof Farmsen
150 Meter entfernt: Einsames Rad hinter der Treppe (!) zum Bahnhof
150 Meter entfernt: Einsames Rad hinter der Treppe (!) zum Bahnhof

Gute Beispiele

Noch gibt es in Hamburg zu wenig gute Radabstellanlagen wie am S-Bahnhof Bergedorf, U-Bahn Mundsburg oder ganz neu an der U-Bahn Hammer Kirche (Veloroute 8). Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet, sind allerdings eine ganze Reihe neuer Anlagen bereits in Planung.

Wo es in »bügelfreien« Zonen keine akzeptablen Angebote zum Radparken gibt, werden Fahrräder eben dort geparkt, wo es möglich ist. Vor allem an Fußgängergittern und Laternenmasten wie am U-Bahnhof Farmsen oder S-Bahn Friedrichsberg. Zwar gibt es hier sehr wohl ausreichend Bügel, doch diese sind zu weit entfernt, zu einsam gelegen oder zu schlecht beleuchtet. Und auch direkt vor Ladenzeilen und Einkaufszentren herrscht das Velo-Chaos. Nicht nur Autofahrer sind bequem – für manche Pedaleure sind 150 Meter eben 150 Meter zu viel, der Autor dieser Zeilen ist hier keine Ausnahme…

Erste Wahl für Pendler: Fußgängerschutzgitter S-Bahn Friedrichsberg
Erste Wahl für Pendler: Fußgängerschutzgitter S-Bahn Friedrichsberg
100 Meter weiter im Eilbektal: richtige Bügel am falschen Ort? Hier nutzt sie niemand.
100 Meter weiter im Eilbektal: richtige Bügel am falschen Ort? Hier nutzt sie niemand.

1000 neue Bügel

Ja, es hat sich etwas getan! Seit die Behörde mit ihrem 1000-Bügel-Programm von 2009 und dem Nachfolgeprogramm dem Bedarf nach Radparkgelegenheiten nachgekommen ist. Anfangs mag sich so mancher Radfahrer noch über scheinbar zufällig aufgestellte Bügel an Orten ohne erkennbaren Bedarf gewundert haben. Doch der tiefere Sinn liegt im »Zweitnutzen«: die Bügel halten beispielsweise Fußgängerquerungen und Radwegableitungen frei von sichtbehindernden Kfz-Falschparken. Eine überzeugende Alternative zu Beton­kübeln, die fraglos weniger geeignet sind, ein Fahrrad daran anzuschließen.

Hoffnungslos überlastet: nur eine von mehreren Abstellanlagen am Bahnhof Altona
Hoffnungslos überlastet: nur eine von mehreren Abstellanlagen am Bahnhof Altona
Neu an der U-Mundsburg: Bike + Ride Box
Neu an der U-Mundsburg: Bike + Ride Box
Neu an der U-Hammer Kirche: schon gut bedacht
Neu an der U-Hammer Kirche: schon gut bedacht
August-Krogmann-Straße/Neusurenland: Fahrradbügel sorgen hier für freies Sichtfeld an einer Radwegableitung auf die Fahrbahn.
August-Krogmann-Straße/Neusurenland: Fahrradbügel sorgen hier für freies Sichtfeld an einer Radwegableitung auf die Fahrbahn.

Fazit

Wenn das Fahrradfahren gefördert und die Verkehrsbelastung reduziert werden soll, müssen auch geeignete Radabstellanlagen errichtet werden. Es kann nicht sein, dass ein Radfahrer einen weiteren Weg zu seinem Ziel laufen muss als er es tun müsste, wenn er mit dem PKW gekommen wäre!

Gut zu erreichende, bequeme und sichere Abstellanlagen könnten ihren Benutzern sogar Mut machen, dort auch ihr hochwertiges und verkehrssicheres Bike abzustellen. Wohl niemand fährt leidenschaftlich gern eines dieser »Bahnhofsräder«, ein zumeist betagtes und klapperiges Zweit- oder Dritt­rad, dessen Schicksal es ist, eines Tages als Fahrradleiche von der Stadtreinigung entsorgt zu werden

Michael Prahl in RadCity 4/2014

Park + Ride

Problem erkannt? Die Stadt will die Zahl der Fahrrad-Stellplätze von derzeit 16.000 Stück um 12.000 erhöhen. Das ist das Ergebnis eines Bike-&-Ride-Entwicklungskonzepts, das die Hochbahn im Auftrag der Hansestadt ausgearbeitet hat.

Bike + Ride

Die P+R-Betriebsgesellschaft bietet interessierten Radfahrern einen gesicherten und wetterfesten Stellplatz. Telefon: 040 - 32 88 25 53.