17.11.2015

Weg von der Laterne

Von: Andrea Kupke

Hamburg-Nord vereinfacht das Aufstellen von Fahrradhäusern

Die Furcht vor dem Fahrraddiebstahl begleitet Hamburgs Radfahrende, denn mehr als 14.000 Räder werden hier jedes Jahr geklaut. Die Aufklärungsquote liegt bei wenigen Prozent. Es ist also eine gute Idee, das Fahrrad immer mit mindestens einem hochwertigen Schloss mit dem Rahmen an einen festen Gegenstand anzuschließen. Nur verhilft einem das nachts noch nicht zu einem ruhigen Schlaf und der Versicherung reicht es auch nicht.

Wohin mit dem Rad?

In vielen Altbauquartieren in Hamburg gibt es weder Fahrradkeller noch -boxen oder geeignete Hinterhöfe, die ein gutes Rad ausreichend schützen und leicht erreichbar sind. So kam vor Jahrzehnten die Idee der Fahrradhäuser auf: In einem Fahrradhaus sind Räder vor Witterung, Abbau von Teilen, Vandalismus und Diebstahl geschützt. Je nach Modell passen 8 - 12 Räder in ein Haus. 350 davon gibt es schon in Hamburg.

Massenhaft abgestellte Fahrräder im Wohngebiet engen Gehwege ein, werden auch mal demoliert oder gar gestohlen
Fahrradhäuser sind daher ein wirksames Mittel der Radverkehrsförderung
Wer Interesse an einem Fahrradhaus hat, sollte sich über die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Modelle informieren

Der bürokratische Teil ...

Das Fahrradhaus sowie den Zuschuss zu den Anschaffungskosten beantragt der Interessent beim Bezirksamt. Zum Antrag gehört auch der Vorschlag für einen geeigneten Aufstellort. Wenn es auf privatem Grund keine Möglichkeit gibt, kann für öffentlichen Grund eine Sondernutzungserlaubnis beantragt werden.

Das Haus darf keine Bäume beeinträchtigen, den fließenden Verkehr nicht behindern und auch nicht den Zugang für die Feuerwehr beschränken. Ob die Nutzung von Pkw-Parkplätzen für die Aufstellung in Frage kommt, wird von den Hamburger Bezirken unterschiedlich gehandhabt. 

Die Radverkehrsstrategie für Hamburg aus dem Jahr 2008 sagt dazu: »Ausdrücklich angestrebt wird in der Strategie eine Verbesserung der Regelungen zur Beantragung und Nutzung von Fahrradhäuschen. (...) In Wohn- und Geschäftsstraßen soll zur Entspannung der Situation grundsätzlich auch die Umnutzung von Pkw-Stellplätzen zugunsten von Fahrradstellplätzen verfolgt werden.«

Der Bezirk Nord tat sich trotzdem mit Genehmigungen von Fahrradhäusern auf öffentlichem Grund schwer. So schreibt das Bezirksamt Hamburg-Nord z. B. in einem Ablehnungsbescheid im Jahr 2010: »Der Gehweg hat dort eine Breite von 1,50 m. In beiden Straßen herrscht ständig sehr hoher Parkdruck. Der Wegfall von Parkplätzen zur Aufstellung eines Fahrradhauses ist daher nicht zumutbar.«

Diese Praxis soll sich jetzt ändern.

Das Bezirksamt Hamburg-Nord will zukünftig Anträge auf ein Fahrradhaus anders beurteilen. Man stehe der Errichtung von Fahrradhäusern positiv gegenüber und unterstütze »aktiv die Schaffung geordneter und sicherer Fahrradabstellmöglichkeiten.« Die Häuser sollten nach Möglichkeit auf Privatgrund stehen. Wo das nicht möglich sei, könne eine Sondernutzung geprüft werden. »Der Wegfall eines Pkw-Stellplatzes ist dabei kein Ausschlusskriterium.« (Zitate aus Drucksache 20-1883).

Sollte öffentlicher Grund genutzt werden, so solle das Fahrradhaus möglichst vor dem Gebäude des Antragstellers platziert werden. Aus städtebaulichen Gründen empfiehlt der Bezirk das Modell »Ottensen«. Allerdings werden hier die Räder mit dem Vorderrad eingehängt, was viel Kraft der RadfahrerIn erfordert und nicht von jedem zu meistern ist. Mit seinen gut 3 m Höhe verdeckt dieses Modell außerdem evtl. Fenster im Erdgeschoss. Darum zeigt sich das Bezirksamt nun abweichenden Einzelfalllösungen »aufgeschlossen gegenüber«.

Der ADFC begrüßt es sehr, dass es in Zukunft erheblich einfacher werden kann, eine Genehmigung für ein Fahrradhäuschen in Hamburg-Nord zu erhalten. Eine nicht unwesentliche Anmerkung der Bezirksinformation bestimmt außerdem, dass Anträge, die abgelehnt werden sollen, vorher dem zuständigen Regionalausschuss vorgelegt werden. Wünschenswert wäre eine einheitliche Praxis in den Bezirken. Antragsteller, die früher einen Ablehnungsbescheid erhalten hatten, sollten jetzt einen neuen Anlauf überlegen.

Andrea Kupke in RadCity 6/2015

Was kostet ein Fahrradhaus?

Ein Fahrradhaus kostet rd. 5.200 Euro. Der Eigenanteil je Einstellplatz beträgt 250 Euro (bei 12 Einstellplätzen also 3.000 Euro). Der Baukostenzuschuss ist in Hamburg-Nord abhängig von der Anzahl der Einstellplätze. Die Differenz zwischen den Erstellungskosten für das Fahrradhaus und dem Eigenanteil wird als Zuschuss gewährt (max. 3.000 Euro). Andere Bezirke haben andere Regelungen.

Auf der Seite der BWVI finden sich nützliche Infos zu dem Thema und welche Betreibermodelle es gibt:

http://www.hamburg.de/radverkehr/2940772/fahrradhaeuschen/

[update, 30.11.2015:] Das Fahrradhaus Typ Ottensen kostet in der Standardausführung innerhalb 
Hamburgs aufgestellt ohne Profilzylinderschloss 7500,- € netto.

Flyer »Ottensen«